Was steht an?
Die 27. Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten ist in der 83-jährigen WM-Geschichte ein Novum: Erstmals werden 32 Teams um den Titel kämpfen, acht mehr als zuvor. Die WM findet zum zweiten Mal nach 1999 in Ägypten statt und zum dritten Mal auf dem afrikanischen Kontinent. Rekord-Weltmeister ist Frankreich mit sechs Titeln. Titelverteidiger ist Dänemark.
Wie stark beeinflusst die Corona-Pandemie die WM?
Die Austragung des Mega-Turniers war keinesfalls selbstverständlich – und wird seit Wochen stark kritisiert. Mehrere deutsche Leistungsträger verzichten coronabedingt freiwillig auf eine Teilnahme, darunter das Trio Wiencek, Pekeler, Weinhold vom Champions-League-Sieger THW Kiel sowie Finn Lemke (Melsungen). Der Handball will jedoch Vorreiter sein und als erste große Mannschaftssportart während der Pandemie eine WM, an der natürlich auch eine Menge Geld hängt, austragen. Die Teams und alle näher Beteiligten befinden sich während des Turniers in einer Blase.
Wie sicher ist diese Blase?
Die Frauen-EM im Dezember in Dänemark hat bewiesen, dass solch ein Konzept funktionieren kann. Erst am Sonntagabend, rund 72 Stunden vor Turnierbeginn, entschieden die Organisatoren zudem, dass die WM-Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden. Zuvor hatte es deutliche Kritik der Spieler an den Plänen gegeben, die Hallen mit bis zu 20 Prozent ihrer Zuschauerkapazität auszulasten.
Wer sind die Favoriten?
WM-Rekordsieger Frankreich, Vize-Weltmeister Norwegen, Europameister Spanien sowie Titelverteidiger Dänemark. Deutschland ist dieses Jahr angesichts der Absagen von gleich sieben Stammkräften maximal ein Geheimfavorit. Eine sportliche Prognose ist in Corona-Zeiten jedoch äußerst schwer. Am Ende dürfte mehr denn je eine Rolle spielen, welches Team mit den Rahmenbedingungen vor Ort am besten zurechtkommt. Und bei insgesamt neun Spielen bis zum Titel dürften natürlich auch die Energiereserven entscheidend sein.
Was spricht für Deutschland?
Auf dem Papier nicht viel. Durch die verletzungsbedingten oder freiwilligen Absagen geht die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason stark ersatzgeschwächt in das Turnier. Gislason, der im Frühjahr 2020 die Nachfolge des glücklosen Christian Prokop antrat, will mit seinem neu formierten Team aus der Not eine Tugend machen – und mit Teamgeist in seinem ersten Turnier möglichst weit kommen. Mut macht der Blick in die jüngere Vergangenheit: Auch bei der EM 2016 ging Deutschland unter Dagur Sigurdsson mit reichlich Personalsorgen in das Turnier, am Ende stand der EM-Titel. Fünf Europameister von damals sind auch in Ägypten dabei.
Wer sind die Stars?
Im deutschen Team stehen nach den zahlreichen Ausfällen vor allem Kapitän Uwe Gensheimer und Torhüter Andreas Wolff im Fokus. International gilt das Hauptaugenmerk in der erneuten Abwesenheit von Superstar Nikola Karabatic (Frankreich/Kreuzbandriss) besonders Mikkel Hansen (Dänemark) und Domagoj Duvnjak (Kroatien). Zudem dürfte der norwegische Spielmacher Sander Sagosen, frisch gebackener Champions-League-Sieger mit Kiel, dem Turnier erneut seinen Stempel aufdrücken. 2019 war er als Torschützenkönig (65 Tore) einer der prägendsten Spieler.
Besitzt das Turnier eine belgische Note?
Ja, denn der Co-Trainer der DHB-Auswahl ist in (Ost-)Belgien bestens bekannt: Erik Wudtke lief um die Jahrtausendwende für den HC Eynatten auf und war Teil der dreifachen Meistermannschaft, die auch den Pokal gewann. 2000 wurde der Aachener als Belgiens Handballer des Jahres ausgezeichnet. Seit der EM 2020, bei der er den erkrankten Alexander Haase vertrat, ist er die rechte Hand von Prokop bzw. nun Gislason. Ein ausführliches Interview mit Wudtke erscheint in der GrenzEcho-Ausgabe vom Freitag.
Ist die WM im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen?
Im belgischen Fernsehen wird die WM nicht übertragen. Die deutschen Spiele gibt es jedoch auf ARD und ZDF zu sehen. Auch Eurosport zeigt neben den deutschen Spielen 15 weitere Begegnungen kostenfrei live. Zudem streamt die bezahlpflichtige Online-Plattform Sportdeutschland.TV alle 108 Partien. (sid/tf)

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