„Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ sind „Unwörter des Jahres“

<p>Für das Jahr 2020 hat die Jury ein Unwörter-Paar gekürt.</p>
Für das Jahr 2020 hat die Jury ein Unwörter-Paar gekürt. | Foto: picture alliance/dpa

Das Unwort wird in Deutschland seit 1991 gekürt. Die Entscheidung trifft eine unabhängige und ehrenamtlich arbeitende Jury auf Grundlage von aus der Bevölkerung eingesandten Vorschlägen. Die Menge der Vorschläge für ein einzelnes Wort spielt dabei aber keine Rolle.

Die sprachkritische Aktion möchte mit ihrer alljährlichen Aktion nach eigenen Angaben auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dabei würden Wörter gerügt, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstießen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminierten oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Kritiker haben der Aktion vorgeworfen, als eine Art „Sprachpolizei“ zu agieren oder politische Positionen in der öffentlichen Debatte moralisch zu diskreditieren.

Hier die Unwörter der vergangenen zehn Jahre

2020 - Erstmals gibt es ein „Unwort-Paar des Jahres“. Die Jury wählt „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“. „Corona-Diktatur“ sei ein Begriff von sogenannten Querdenkern und rechten Propagandisten, um die Politik zur Eindämmung der Pandemie zu diskreditieren. „Rückführungspatenschaften“ sei zynisch und beschönigend. Mit Rückführung sei nichts anderes gemeint als Abschiebung und die Patenschaft sei ein eigentlich positiv besetzter Begriff.

2019 - „Klimahysterie“: Mit dem Wort werden nach Auffassung der Jury Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert.

2018 - „Anti-Abschiebe-Industrie“: Der Begriff verhöhnt aus Sicht der Jury geltendes Recht. Er zeige auch, wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben habe.

2017 - „Alternative Fakten“: Mit dem Begriff sollen aus Sicht der Jury Falschbehauptungen politisch salonfähig gemacht werden.

2016 - „Volksverräter“: Das Wort sei ein „Erbe von Diktaturen“ unter anderem der Nationalsozialisten.

2015 - „Gutmensch“: Der Vorwurf diffamiere Hilfsbereitschaft und Toleranz pauschal als naiv und dumm, begründet die „Unwort“-Jury.

2014 - „Lügenpresse“: Diese pauschale Verurteilung „verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit“, so die Jury.

2013 - „Sozialtourismus“: Der Ausdruck diskriminiert laut Jury Menschen, „die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu“.

2012 - „Opfer-Abo“: Die „Unwort“-Jury kritisiert, der Begriff stelle Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein. Wetter-Unternehmer Jörg Kachelmann hatte die Wortschöpfung, die seine Frau Miriam erfunden habe, unter anderem in einem „Spiegel“-Interview verwendet. Darin ergänzte er: „Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden.“

2011 - „Döner-Morde“: Dieser Begriff ist für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen verwendet worden. Mit der „sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung“ würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärt die Jury.

Dem NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) werden zehn Morde, zwei Bombenanschläge und etliche Raubüberfälle angelastet. Bei der Explosion in Köln 2004 wurden 22 Menschen verletzt. Der NSU flog 2011 auf. Der Prozess dauerte von 2013 bis 2018, die Hauptangeklagte Beate Zschäpe erhielt lebenslänglich. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (dpa)

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