Während viele Unterkunftsbetriebe und Ausflugsziele aufgrund der Corona-Bestimmungen ihre Türen nicht öffnen konnten, zog der Wintereinbruch viele Tagestouristen ins Hohe Venn. Dies belegen die Zahlen und Feedbacks der Online-Umfrage, die die TAO während der Schulferien unter ihren 150 Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat. Bei den Unterkünften war das Feedback unter den ostbelgischen Anbietern eher gemischt. Etwa die Hälfte der Hotelbetriebe und Herbergen mussten geschlossen bleiben, weil es für sie nicht möglich war, die Bestimmungen im Bereich der Gastronomie einzuhalten. Hohe finanzielle Einbußen waren für sie die Folge.
Einige Hoteliers konnten reagieren und boten ihren Gästen einen Zimmerservice für die Mahlzeiten an. Bei den geöffneten Betrieben gab es eine entsprechende Nachfrage: „Wir waren komplett ausgebucht über die Weihnachtsferien. Unsere Gäste wussten den Zimmerservice für die Gastronomie zu nutzen und teilten dies auch in ihren Bewertungen auf den Buchungsportalen mit“, sagte Arthur Genten vom Eupener Hotel Sleepwood. Zu 60 Prozent waren es Wanderer, die in Eupen übernachteten und das Hotel auch für Etappenwanderungen nutzten.
Das „My Hotel“ in Malmedy öffnete ausschließlich in den Weihnachtsferien und bot den Gästen neben einem Zimmerservice für Essen auch die Nutzung des Schwimmbades an. „Wir waren von einer Belegungsquote von 30-50 Prozent ausgegangen und sind mit dem Resultat von 60 Prozent ganz zufrieden. Allerdings konnten wir wegen des hohen personellen Aufwandes nicht mehr Gäste aufnehmen“, sagte Managerin Valérie China. Vor allem der aktuelle Wegfall des Geschäftstourismus bereitet dem Betrieb große Zukunftssorgen.
Anbieter, die nicht über Komfortangebote wie ein Schwimmbad oder Zimmerservice verfügten, mussten sich gegen eine Öffnung entscheiden. „Uns lagen zwar Buchungsanfragen vor, doch konnten wir den Hotelbereich nicht öffnen“, sagte Pascal Robert vom Hotel-Restaurant Eifeler Hof in Manderfeld. Stattdessen stellte man den Gästen einen „Takeaway“-Service für die Gastronomie zur Verfügung. „Auch wenn die Resonanz für die Gastronomieangebote während Weihnachten nicht so groß war wie im Frühjahr, sind wir den Stammgästen doch dankbar, dass sie uns unterstützt haben“, erklärte der Hotelier. Die Tatsache, dass noch kein Ende der Maßnahmen in Sicht ist, sorgte bei den meisten Hotel- und Herbergsbetrieben für fehlende Perspektiven: Die Umfrage-Teilnehmer wollten sich auf keine Prognose für das kommende Jahr festlegen.
Bei den Ferienwohnungen hatten laut dem Umfrageergebnis etwa 70% der Betriebe geöffnet. Erlaubt waren nur Nutzungen innerhalb einer Kontaktblase. „Es gab viele Anfragen, unsere Wohnungen waren während der Weihnachtsferien komplett belegt“, sagte Renate Dhur, die in Steffeshausen bei Burg-Reuland die Anlage „Haus Engel“ betreibt. „Wir konnten größere Räume abtrennen, sodass wir den Regelungen entsprechend Platz für Familien von 2 bis 6 Personen hatten“, erklärte sie. Weil viele Ausflugsziele geschlossen hatten, standen vor allem Wandern oder Gesellschaftsspiele auf dem Tagesplan der Gäste. „Auch wenn das Angebot an Freizeitaktivitäten deutlich geringer war als sonst, so freuten sich die meisten Gäste einfach darüber, von zu Hause weg zu sein“, so Renate Dhur. Wie bereits in der Sommersaison stellte die Kontaktbegrenzung für Familien besonders die Anbieter von Gruppenunterkünften und großen Ferienwohnungen vor Probleme. Die Mehrzahl der Gäste stammte aus Flandern, gefolgt von der Wallonie und den Niederlanden.
Ungewöhnlich war die Lage auch im Bereich Freizeit, Ausflugsziele und Tourist-Info. Viele Indooraktivitäten wie die Karting-Bahnen in Eupen und Grüfflingen mussten im Lockdown geschlossen bleiben, lediglich die Museen durften ihre Türen öffnen. Die meisten öffentlichen Schwimmbäder hingegen waren nicht verfügbar. Die Aussicht auf einen Ausflug mit Kindern im Schnee lockte viele Besucher ins Hohe Venn. Auch wenn dort die Skipisten und Loipen geschlossen waren, suchten sich viele Gäste das Hohe Venn als Naherholungsgebiet aus. In normalen Zeiten wäre das hohe Besucheraufkommen für alle ein Gewinn, doch die Tatsache, dass die Skiverleihzentren, die Gastronomiebetreibe und viele Ausflugsziele geschlossen waren, sorgte dafür, dass die Wertschöpfung bei den Tagestouristen diesmal ausfiel. Besonders betroffen waren die Skiverleihzentren.
Aufgrund der Schneefälle herrschte im Haus für Tourismus Hohes Venn in Malmedy viel Informationsbedarf: „Sobald der erste Schnee fällt, steht unser Telefon nicht mehr still. Die Leute erkundigen sich nach den besten Ausflugszielen im Winter, nach Wanderungen im Hohen Venn oder anderen Aktivitäten“, sagte der dortige Mitarbeiter Kevin Bodarwé. Die absoluten Zahlen waren schlechter als im Vorjahr, weil nur eine Person im Verkaufsraum erlaubt war. Doch dafür gab es viele Anfragen über die digitalen Kanäle wie Webseite und Mail. Besonders gefragt waren Broschüren zum Thema Wandern und Winteraktivitäten. Einen hohen Besucherandrang meldete auch das Touristinfo Büro am Naturzentrum „Haus Ternell“. „Aufgrund des Schneefalls herrschte besonders am Wochenende viel Betrieb, doch wir wurden glücklicherweise nicht überlaufen“, sagte Ternell-Mitarbeiter Gerd Schunck. Neben auffallend vielen einheimischen Besuchern waren es seiner Einschätzung nach eher Gäste aus Deutschland und den Niederlanden, die dort zum Wandern in die herrliche Schneelandschaft gekommen waren. Wegen des Schneefalls lag die Zahl der Tagestouristen dort höher als im Vorjahr.
In den Touristinfo-Büros der südlichen Gemeinden waren die Besuchszahlen aufgrund der Hygienevorschriften in den Büros zwar geringer als im Vorjahr, doch wie z.B in Bütgenbach wurde vieles über Telefon und Mailkontakt abgewickelt. In St.Vith waren bei den Indoor-Ausflugszielen lediglich das ZVS Museum und der Schieferstollen in Recht geöffnet. Trotzdem zeigte man sich dort zufrieden mit dem Besucheraufkommen: „Neben vielen flämischen Gästen nutzten auch die Einheimischen unseren Service und stellten dann sehr schnell fest, wie schön es doch in Ostbelgien ist“, sagte Beatrice Kohnen vom TI St.Vith.
Trotz des vorhandenen Kundeninteresses entging vielen touristischen Betrieben das Weihnachtsgeschäft, weil sie nicht öffnen konnten, teilte die TAO weiter mit. Viele Anbieter begegneten dieser Krise mit „kreativen und kundenorientierten“ Lösungen. In normalen Zeiten hätte der Wintereinbruch in den Weihnachtsferien bei vielen touristischen Betrieben für volle Kassen gesorgt, doch machten die Bestimmungen oftmals einen Strich durch die Rechnung, hieß es. (red/sc)

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