Wir alle sind „Ausdruck“ einer Wirklichkeit, die wir mit unseren begrenzten Sinnen nur ganz bescheiden erahnen können. Dazu braucht man lediglich in den wolkenlosen Nachthimmel zu blicken oder sich laienhaft mit dem Makro- bzw. Mikrokosmos zu befassen. Wir versuchen mit ganz winzigen Schritten, diese Wirklichkeit zu interpretieren. Manche Menschen haben größere Schritte geschafft, so die großen Philosophen und Naturwissenschaftler, ja auch die Glaubensgründer. Wie wir jetzt diese Wirklichkeit verinnerlichen, sie benennen und welche Wege wir einschlagen, uns ihr zu nähern, ist jedem einzelnen von uns überlassen. Das sollte jeder respektieren. Überheblichkeit oder Spott sind da wenig hilfreich.
Kommentare
Ja, Herr Heinen, Glaubensgründer haben große Schritte geschafft, die Wirklichkeit zu „interpretieren“... vor 2000-4000 Jahren.
Wissenschaftler haben große Schritte geschafft, die Wirklichkeit zu „verstehen“.
„Realität (Wirklichkeit) ist das, was nicht verschwindet, wenn wir aufhören, daran zu glauben.“ (Philip K. Dick)
Selbstverständlich ist es jedem überlassen, sich zu entscheiden, wie er sich mit der Realität auseinandersetzt oder wie er die „Wirklichkeit verinnerlicht“.
Leider sind religiöse Überzeugungen z.T. jedoch immer noch Resultat von Indoktrinierung und Konditionierung ab Kindesalter.
Von freier Entscheidung oder gar freiem Willen kann kaum die Rede sein.
„Glauben heißt nicht wissen wollen, was war ist“, hat ein bedeutender Philosoph einmal gesagt. Die an anderer Stelle bereits zitierte Aufforderung von Johannes Paul II an Stephen Hawking, den Urknall nicht weiter zu erforschen, da dieser doch der Moment der Schöpfung und somit Gottes Werk sei, verdeutlicht diese Prämisse.
Aber damit nicht genug. Auch unter humanistisch-moralisch-ethischen Gesichtspunkten waren Glaubensgrundsätze meist hinderlich und sind es bis heute.
Menschenrechte, Gleichberechtigung, wissenschaftlicher Fortschritt,... mussten oftmals gegen den erbitterten Widerstand der Glaubenshüter erkämpft werden.
Die Stellung der Frau in der katholischen Kirche steht hier nur stellvertretend für das z.T. immer noch totalitäre und reaktionäre Verhalten einer verstaubten Institution.
Angesichts der Geschichte aber auch des Zustandes von Glaubensgemeinschaften und Glaubensinstitutionen im 21. Jahrhundert verwundert es nicht, dass die Religionen generell mittlerweile von einem Großteil der Bevölkerung (68% in Belgien, 63% in Deutschland) negativ gesehen werden, indem Befragte angaben (Ipsos Umfrage 2017), dass Religionen der Welt mehr schaden als nutzen.
Richtig, jeder Gläubige und jede individuelle Entscheidung an einen Gott zu glauben, verdient Respekt.
In einer Demokratie dürfen Götter und Glauben an sich jedoch kritisiert, belächelt oder gar verspottet werden.
Wenn Gläubige dies nicht ertragen ist der Weg zu Charlie Hebdo nicht mehr weit.
Noch vor Charlie Hebdo schrieb Heribert Prantl in der SZ:
„Man muss die Aufklärung verteidigen gegen eine Religionsauslegung, welche die Ausübung von Grundrechten für Blasphemie hält. Gewiss: Kritik an der Religion und Spott gegen die Religion können religiöse Gefühle verletzen. Aber die bloße Verletzung von Gefühlen ist nicht strafbar. Und die Strafbarkeit der Gotteslästerei ist längst abgeschafft. Es ist Kennzeichen des modernen aufgeklärten Staates, dass er dem Drang von Religionen und Heilslehren entgegentritt, den öffentlichen Raum nach ihren Glaubensüberzeugungen zu gestalten und ihre Grundsätze über die Grundrechte zu stellen.“
Freundliche Grüße
Wie Herr Leonard bereits treffend anmerkte, ist die Menschheit glücklicherweise vom "interpretieren" zum "verstehen" übergegangen... Und zudem vom Polytheismus zum Monotheismus. Wir sind also auf dem richtigen Weg, hin zum "Zerotheismus", auch bekannt als Atheismus. ;-)
Zum "Interpretieren": Sicherlich wird in den Religionen auch "interpretiert", allerdings stets innerhalb des strikten, begrenzten und vor allem unanfechtbaren, unbelastbaren Rahmens der Dogmen ("es ist so, weil der Papst/Priester es sagt"), wohingegen die wissenschaftlich basierte Erkenntnis per Essenz multiple Interpretationen gründlich prüft, um zur Wirklichkeit zu kommen, die für alle gültig ist (Stichwort "Schwerkraft" und zur Methodik siehe u.a. These-Antithese-Synthese), aber immer noch angefochten werden kann, solange man dafür den entsprechenden (Gegen)beweis liefert. In Religionen sind die "Interpretationsspielräume" hingegen durch Dogmen so eng abgesteckt, dass keine wirklich freie Interpretation mehr möglich ist. Religionen beruhen sich auf unanfechtbare Autorität ("weil Papst/Priester es so sagt"). Gott kann für Gläubige nicht in Frage gestellt werden, obwohl er/sie/es noch nie nachgewiesen wurde... Umgekehrt kann man in der Wissenschaft alles in Frage stellen, solange man es beweisen kann. Und an Beweisen (belastbare Wirklichkeit) mangelt es bei Weitem nicht; so sehr, dass das, was Religionen als ihre "Wirklichkeit" verkaufen, dahinschmilzt wie Eis in der Sonne (Brotvermehrung, Auferstehung, unbefleckte Empfängnis, etc.). Kann man bei Religionen also von einer wirklich freien "Interpretation" nach bestem Wissen und Gewissen sprechen, wenn sie die faktische und belastbare, die für uns alle gültige Wirklichkeit - und nicht nur die "Wirklichkeit" von Gläubigen - verkennt?
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