Paradiesvögel, Tänzer und Königinnen: Die Köpfe der Darts-WM

<p>Hält für Belgien bei der WM die Fahne hoch: Dimitri Van den Bergh.</p>
Hält für Belgien bei der WM die Fahne hoch: Dimitri Van den Bergh. | Foto: Photo News

Dimitri Van den Bergh: Belgiens Tänzer

Bei „Let's Dance“ hätte Dimitri Van den Bergh bestimmt längst abgeräumt. Schließlich ist es bei jedem Turnier ein Highlight, wenn der „Dreammaker“ vor seinen Matches zum Welthit „Happy“ das Tanzbein schwingt. Nach einem Meniskusriss ist der Belgier in diesem Jahr zwar nicht so leichtfüßig wie gewohnt - umso schwungvoller ist er aber derzeit am Board. Nach seinem Überraschungssieg beim World Matchplay im Sommer ist der 26-Jährige im engsten Favoritenkreis.

Michael van Gerwen: Der wankende Dominator

Bei der Frage nach dem Topfavoriten lautet die Antwort vor jedem Turnier gleich: Michael van Gerwen. Der Niederländer ist seit bald sechs Jahren die Nummer eins der Welt, wurde dreimal Weltmeister - doch nach der Corona-Pause geriet die „Green Machine“ gehörig ins Stottern. Reihenweise kassierte van Gerwen ungewohnt frühe Niederlagen, der gefürchtete Killerinstinkt war auf einmal weg. Bei der WM-Generalprobe trumpfte „Mighty Mike“ aber wieder groß auf und gewann die Players Championship Finals.

Peter Wright: Der Paradiesvogel

Zwischen van Gerwen und seinem vierten Titel stand bei der vorigen WM nur der Schotte Peter Wright. Doch schon lange vor seinem ersten WM-Triumph war „Snakebite“ das Highlight der Tour. Mit der bunten Irokesenfrisur, dem Schlangentattoo am Kopf sowie den knalligen und oft skurrilen Outfits ist Wright der Liebling der Fans, begeistert zudem mit seinen Tanzeinlagen beim Walk-on - und gehört auch in diesem Jahr wieder zu den größten Favoriten.

<p>Champion im vergangenen Jahr: „Snakebite“ Peter Wright.</p>
Champion im vergangenen Jahr: „Snakebite“ Peter Wright. | Foto: Photo News

Gerwyn Price: Die Urgewalt

Die furchteinflößendste Erscheinung der Darts-Welt ist zweifelsohne Gerwyn Price. Mit breiten Schultern und durchtrainiertem Körper sticht er aus der Masse der eher beleibten Konkurrenten heraus, schließlich war der Waliser früher mal Rugbyprofi. Dazu feiert er jede 180 mit einem gewaltigen Urschrei - mittlerweile ist Price die Nummer drei der Darts-Welt und gewann schon vier Major-Turniere. Für viele ist er sogar der heißeste Anwärter auf den WM-Titel.

Lisa Ashton und Deta Hedman: Die neuen Queens?

Die Cinderella-Story der „Queen of the Palace“ ging vor einem Jahr um die Welt: Fallon Sherrock, die alleinerziehende Friseurin aus Milton Keynes, besiegte als erste Frau bei der PDC-WM einen Mann und scheiterte erst in der dritten Runde. In diesem Jahr konnte sich Sherrock nicht qualifizieren, aber in Lisa Ashton und Deta Hedman stehen die Nachfolgerinnen schon bereit. Für „The Dark Destroyer“ Hedman ist es ein spätes Glück: Mit 61 Jahren tritt sie erstmals im Ally Pally an.

Gabriel Clemens: Die deutsche Hoffnung

Jahrelang war Max Hopp das deutsche Aushängeschild, nun hat ihm Gabriel „Gaga“ Clemens den Rang abgelaufen. „The German Giant“ aus dem Saarland steigert sich stetig, ist schon die Nummer 31 der Welt und die große deutsche Hoffnung in London. Im vergangenen Jahr gab er seinen Job als Industriemechaniker auf, eröffnete einen Darts-Shop und setzte alles auf die Karte Profi. Schon in Runde zwei könnte es zum deutschen Duell mit Nico Kurz kommen.

Paul Lim: Der Altmeister

Die WM ohne den „Singapore Slinger“ ist nicht vorstellbar - sobald der mittlerweile 66-jährige Paul Lim in seiner gemütlichen Art ans Oche tritt, steht der Ally Pally (in normalen Zeiten) Kopf. Und der Kult-Darter aus Singapur ist fest in den Geschichtsbüchern verankert: 1990 warf Lim als erster Spieler bei einer WM einen Neun-Darter - erst 2008 gelang auch Raymond van Barneveld dieses Kunststück. Dass Lim im hohen Alter nichts verlernt hat, bewies er bei der WM 2018, als ihm nur ein Pfeil zu einem weiteren perfekten Spiel fehlte.

Jose de Sousa: Der Küchenschreiner mit Rechenschwäche

Mitfavorit mit Rechenschwäche? Bei der Darts-WM kein Problem. Der gelernte portugiesische Küchenschreiner Jose de Sousa, in Anlehnung an Fußball-Startrainer Jose Mourinho mit dem Spitznamen „The Special One“ unterwegs, hat sich mit seinem Titel beim Grand Slam Ende November in den Kreis der Sieganwärter gespielt. Der langjährige E-Dart-Spieler bestreitet erst seine zweite Saison auf der PDC-Tour und sorgte schon oftmals mit eklatanten Rechenschwächen beim Checkout für Belustigung.

<p>Der Portugiese José de Sousa ist dreimaliger Teilnehmer der PDC-WM und der Grand Slam of Darts Champion 2020.</p>
Der Portugiese José de Sousa ist dreimaliger Teilnehmer der PDC-WM und der Grand Slam of Darts Champion 2020. | Foto: Photo News

Steve Beaton: Der ewige Adonis

Wenn Jahr für Jahr „Stayin' Alive“ von den Bee Gees durch den Ally Pally dröhnt, wird die Zeit zurückgedreht. Dann marschiert Steve Beaton, der „Bronzed Adonis“ mit dem weit aufgeknöpften Hemd und dem Schnäuzer, auf die Bühne, der 56-Jährige ist eine Darts-Institution. 1996 gewann er die WM des Verbandes BDO, in diesem Jahr bestreitet er seine 30. Weltmeisterschaft. Damit übertrifft er sogar die bisherige Bestmarke von Phil Taylor, der Rekordweltmeister hatte 29 Mal an Titelkämpfen teilgenommen.

Dirk van Duijvenbode: Der ravende Auberginen-Bauer

Aus einer Reihe verrückter Darts-Profis sticht Dirk van Duijvenbode nochmal heraus. Allein sein extravaganter Walk-on sorgt seit Jahren für eine Mischung aus Verwunderung und Belustigung - wie auf einem Rave stürmt der Niederländer zu Hardcore-Bässen und mit energischer Klopp-Säge auf die Bühne. Aber auch sportlich ist „The Titan“ mittlerweile eine Nummer, beim World Grand Prix im Oktober erreichte er das Finale. Seinen Job will van Duijvenbode aber auch bei allem Erfolg nicht aufgeben - der 28-Jährige ist Auberginen-Bauer. (sid)

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