Seit 26 Bundesligaspielen und fast elf Monaten sind die Königsblauen mittlerweile ohne Sieg, zum 55 Jahre alten Rekord fehlen nur noch fünf Partien. Die Fans machten ihrer Wut über den rasanten sportlichen Niedergang und das Führungschaos im hochverschuldeten Traditionsklub einmal mehr auf Transparenten rund um die Arena Luft. Leverkusen, in dieser Saison noch ungeschlagen, nahm die drei Punkte trotz Europacup-Stress dank Schalker Hilfe mit und kletterte auf den zweiten Platz.
„Das tut uns unheimlich weh. Einsatz und Wille waren da“, sagte Schalkes Michael Langer, der zuletzt vor dreieinhalb Jahren in einem Profispiel im Tor gestanden hatte, bei Sky: „Aus meiner Sicht war das vor dem 0:1 ein Foul, aber es war brutal schwierig zu entscheiden.“
Der frühe Rückstand durch Thiaws missglückte Abwehraktion (10.) sorgte für heftige Proteste. Nach Meinung der Gastgeber hatte Bayer-Verteidiger Aleksander Dragovic den 19-Jährigen gestoßen. Doch auch aus dem Videokeller in Köln kam kein Widerspruch. Als die Gelsenkirchener über den vermeintlichen Ausgleich durch Nassim Boujellab jubelten, wurden sie zurückgepfiffen: Vorlagengeber Mark Uth hatte im Abseits gestanden (32.). Für die Entscheidung sorgte Julian Baumgartlinger erneut nach einer Ecke des starken Leon Bailey (67.). Steven Skrzybski scheiterte mit einem Foulelfmeter an Bayer-Keeper Lukas Hradecky (72.), Patrik Schick (78.) traf zum Endstand.
Weil Frederik Rönnow (Oberschenkelzerrung) und Ralf Fährmann (Knieprobleme) verletzt ausfielen, musste Langer zwischen die Schalker Pfosten. Der Österreicher hatte zuletzt am 9. Juli 2017 für den schwedischen Erstligisten IFK Norrköping gespielt, seine zuvor einzige Bundesligapartie hatte er 2007 mit dem VfB Stuttgart absolviert. Insgesamt fehlten Schalke-Trainer Manuel Baum sieben verletzte oder kranke Spieler, zudem die suspendierten Nabil Bentaleb und Amine Harit. Immerhin hatten die angeschlagenen Abwehrspieler Ozan Kabak und Bastian Oczipka grünes Licht gegeben.
Wie groß der Zorn der Fans ist, wurde erneut auf Bannern auf dem Vereinsgelände deutlich. „Leere Worte“ und fehlende Transparenz warfen die Ultras unter anderem dem Vorstand vor, der „sportliche Niedergang“ werde „aus den Augen“ verloren. Wie sehr ihrer Meinung nach vor allem die Politik des Marketingvorstands Alexander Jobst den Klub von den Anhängern entfremdet hat, machten sie auf einem Transparent vor dem Haupteingang der Arena klar: „In Asien glauben 4,7 Millionen Chinesen fest an den Klassenerhalt.“ (sid/tf)

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