Frank Rosin zeigt Raerener Imbiss Wege aus der Krise

<p>Zwei-Sterne-Koch Frank Rosin beschäftigte sich ausführlich mit Nickis Immbiss.</p>
Zwei-Sterne-Koch Frank Rosin beschäftigte sich ausführlich mit Nickis Immbiss. | Foto: Kabel Eins

Nicki Meyer ist positiv überrascht. „Ich fand die Darstellung ganz gut“, bilanziert der Fritürenbesitzer aus Petergensfeld nach der Ausstrahlung am Donnerstagabend.

Dabei fängt „Rosins Restaurants“ genretypisch an: Ein hilfloser Mensch erzielt kaum Umsätze, und der große Meister in Gestalt des Sternekochs Frank Rosin bringt die Erleuchtung. Meyer hat man im Fernsehen als faul und lethargisch dargestellt, als Mensch, der morgens lieber die Playstation als die Fritteuse bedient.

Die Hinweise des Experten haben Hand und Fuß.

Auch Mutter Susanne und Freundin Rebecca beklagen, dass der Herzliebste und Sohnemann den A…. nicht hochbekomme. Der Dramaturgie geschuldet ist auch das Testessen. Frank Rosin, der zuvor allein die Fritüre bespielt hat und dabei sehr angetan von Meyers Currysauce ist, hat sich Testesser organisiert. Die stürmen das Lokal und bringen Meyer nebst Stiefvater Günter Venhaus ins Schwitzen. Natürlich entspricht das Testessen nicht den Anforderungen der Kunden. Rosin soll schließlich noch etwas zu tun bekommen.

Ob die Bedingungen des Testessens immer fair sind, sei dahingestellt. „Das Kamerateam taucht in vielen Fällen sonntags auf, wenn Supermärkte und Großhändler geschlossen haben. Dann gehen der Küche die Vorräte aus, der Koch muss Besorgungen an der Tankstelle machen oder sich Gemüse in der Dönerbude leihen“, schreibt Peter Schader einst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über ein ähnliches Testessen in einem norddeutschen Restaurant. Bei Meyer nimmt Rosin ausgerechnet die Fritten aufs Korn. „Stimmt, die schmecken sch…“, so sein Verdikt, während das knusprige Kartoffelstäbchen mit dem typischen Knackgeräusch zwischen seinen Zähnen verschwindet. Resultat: zwei von fünf Sternen. Die Dramaturgie muss stimmen.

<p>Nicki Meyer hat die Unterstützung von „Rosins Restaurants“ in Anspruch genommen.</p>
Nicki Meyer hat die Unterstützung von „Rosins Restaurants“ in Anspruch genommen.

Die Hinweise, die Frank Rosin gibt, haben allerdings wirklich Hand und Fuß. Dem Koch ist klar, dass eine Fritüre kein Sternerestaurant ist und neben frischen Produkten, wie beispielsweise einer selbstgekochten Linsensuppe, auch Convinienceprodukte wie etwa Bitterballen, Frikadellenwürste oder Kroketten haben muss. Aber dennoch: Frische Salate sind natürlich viel besser als Plastikobst in der Theke. Beide Köche schnippeln in der Mietküche fleißig Möhren, Gurken und anderes und zaubern daraus leckere Salate und rollen aus frischem Hack Frikadellen. „Es war wirklich spannend, gemeinsam mit einem Zweisternekoch zu kochen“, sagt Meyer.

Inzwischen renoviert Rosins Mitarbeiter mit tatkräftiger Hilfe von Mutter und Stiefvater des Wirtes die Fritüre und das Grundstück.

Tatsächlich, das Lokal hat es auch nötig. In Gastraum und Terrasse kommen schicke Stühle und Tische, an die Wände Bilder, und auch der Thekenbereich wird modernisiert. Besonders wichtig ist es, im Außenbereich sichtbarer zu werden. Denn 30.000 potenziell hungrige Autofahrer fahren täglich vorbei und haben nichts gesehen. Hinzu kommt, dass sich Raeren und Roetgen nicht grün darüber sind, wer für welchen Streifen zuständig ist.

Denn die Fritüre liegt nun einmal auf der Grenze und ist nur über deutsches Gebiet erreichbar. Schon der Bürgersteig liegt in Deutschland. Das hat zufolge, dass die Raerener Dienste die Fritüre manchmal vergessen und somit die Getränkedosen nicht abgeholt werden oder das Gras wuchert, weil der Gemeindedienst nicht kommt. „Wir sind für die Gemeinde nicht da“, beklagt sich Meyer. Die Dosen sind jedenfalls jetzt gemeinsam mit dem übrigen Müll hinter einem Tor im Verschlag, sodass der Kunde sie nicht zu sehen braucht.

<p>Nicki Meyer (links) erhielt viele Tipps von Frank Rosin und war hinterher begeistert vom Besuch des Starkochs: „Es war wirklich spannend, gemeinsam mit einem Zwei-Stern-Koch zu kochen.“</p>
Nicki Meyer (links) erhielt viele Tipps von Frank Rosin und war hinterher begeistert vom Besuch des Starkochs: „Es war wirklich spannend, gemeinsam mit einem Zwei-Stern-Koch zu kochen.“ | Fotos: Kabel Eins

Große Schilder werben jetzt an der Straße sichtbar für „echte belgische Fritten“. Dennoch, die Außendarstellung ist auch jetzt noch eine wichtige Baustelle für den Fritüristen. „Ich muss noch sichtbarer werden“, ist er überzeugt.

Nun das Testessen Nummer zwei. „Es ist toll, etwas Frisches zum deftigen Essen zu haben“, lobt eine Kundin. Und auch die Fritten finden selbstverständlich die Zustimmung aller genau wie die Linsensuppe und die Frikadellen. Vier von fünf Sternen gibt es von den Testessern und natürlich jede Menge berechtigtes Lob im Internet.

Dann kommt der zweite Corona-Lockdown und Rosin zum Gucken. Tatsächlich hat der Sternekoch keine Revolution zu entfachen versucht, wie man es manchmal bei derlei Sendungen sieht, sondern geschickt und richtig an den passenden Stellschrauben gedreht und Nicki Meyer den nötigen Drive gegeben. Ein paar Wochen nach dem Dreh sieht man Meyer einen neuen Italien-Burger komponieren. Da ist frisches Rindfleisch, Mozzarella und frittierter Rucola drin und schmeckt zwei jungen Damen, die vorbeikommen, hervorragend.

Die Linsensuppe à la Rosin hat ihren Platz im Angebot gefunden.

Tatsächlich: Das Konzept ist nachhaltig. Am Tag des zweiten Besuchs kann sich Meyer trotz Corona über einen soliden Umsatz freuen. Meyer bleibt bei seinen Innovationen. Frische Produkte, Variationen ohne auf bewährte klassische Fritürenprodukte zu verzichten. Während der Fritürist mit dem GrenzEcho spricht, klopft Günter Venhaus Schnitzel. „Wir nehmen nur frische Schnitzel aus der Oberschale“, sagt Meyer stolz.

Natürlich hat er sich auch in der Umgebung umgeschaut und nach Partnern gesucht. So bekommt er von einem ortsansässigen Metzger Hüftsteaks geliefert, mit denen er an diesem Wochenende seine Kunden verwöhnt. Auch die Tageseintöpfe wechseln. Jetzt aber, nachdem die Sendung ausgestrahlt ist, gibt es selbstverständlich Linsensuppe à la Rosin. Die leckeren frischen Salate sowie der selbstgemachte Kartoffelsalat sind geblieben. „Frische Produkte sind das Wichtigste für uns“, sagt Meyer, der sich auf den Tag freut, an dem er seine Gäste auch wieder am Tisch im neugestalteten Gastraum begrüßen darf. Viele Saucen und sogar die Mayonnaise macht er selbst.

Dass die Fritten aus frischen Kartoffeln gemacht sind und in Rindernierenfett schwimmen, ist bei einer echten belgischen Fritüre eine Selbstverständlichkeit.

<p>Bei der Manöverkritik fand Frank Rosin (links) wie gewohnt deutliche Worte.</p>
Bei der Manöverkritik fand Frank Rosin (links) wie gewohnt deutliche Worte.
Vor allem aber hat Meyer eine Tagesstruktur entwickelt, die ihm hilft, alle Produkte frisch auf den Punkt bereitzuhalten. Günter Venhaus hat sein Arbeitspensum stark zurückgedreht und freut sich auf den wohlverdienten Ruhestand. Eine neue Aushilfe stellt sich in den nächsten Tagen vor.

Mit dem Besuch Rosins ist Meyer zufrieden. „Ich würde es sicher noch einmal machen“, sagt er. In jedem Fall hat er sich tüchtig vorbereitet, um die hoffentlich vielen neugierigen Menschen glücklich zu machen, die sich jetzt nach der Sendung aufmachen werden.

Die Sendung ist über kabel1.de und über youtube zu sehen.

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