Zwischen EU und Russland: Republik Moldau wählt neues Staatsoberhaupt

<p>Polizisten vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Chisinau.</p>
Polizisten vor dem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Chisinau. | Bild: Photo News

Als Favorit gilt der russlandfreundliche Präsident Igor Dodon. Aussichtsreichste Herausforderin ist die prowestliche Ex-Ministerpräsidentin Maia Sandu. Beide waren bereits vor vier Jahren gegeneinander angetreten. Die rund 3,2 Millionen Wahlberechtigten können zwischen insgesamt acht Bewerbern auswählen. Moldau gilt als das ärmste Land Europas.

Mit ersten Ergebnissen wird nach Schließung der Wahllokale am Abend (19.00 MEZ) gerechnet. Sollte keiner der Bewerber die erforderliche Mehrheit erhalten, kommt es in zwei Wochen zu einer Stichwahl.

Das unter anderem für den Weinanbau bekannte Land Moldau liegt zwischen der Ukraine und Rumänien im politischen Spannungsfeld zwischen Russland und der EU. Die Ex-Sowjetrepublik befindet sich seit ihrer Unabhängigkeit 1991 in einer Dauerkrise: Ihr Grenzland zur Ukraine östlich des Flusses Dnestr hat sich als Transnistrien faktisch abgespalten. Dort hat Russland Truppen mit UN-Mandat stationiert. Auch mit dem autonomen Gebiet Gagausien kommt es bisweilen zu Spannungen.

Annäherung an die EU

Dass Moldau zwischen EU und Russland hin und her gerissen ist, zeigte sich einmal mehr im Wahlkampf. Sandu versprach im Falle eines Wahlsieges eine Annäherung an die Europäische Union. Dodon sagte dagegen in einem Interview: „Wir brauchen eine ausgewogene Außenpolitik, eine strategische Partnerschaft mit Russland, westlichen Partnern und China.“ Viele Moldauer arbeiten in der EU.

Russland ist ein großer Abnehmer von Agrarprodukten aus Moldau wie Äpfel, Birnen und Pflaumen. Kremlchef Wladimir Putin stellte der Landwirtschaft vor wenigen Wochen finanzielle Hilfe in Aussicht. Wegen Corona steckt die Wirtschaft in einer tiefen Krise.

In Moldau leben rund 2,7 Millionen Menschen - und damit weniger, als es Wahlberechtigte gibt. Die Erklärung dafür: Viele haben das Land in den vergangenen Jahren wegen fehlender Perspektiven verlassen. Die Stimmen der Wahlberechtigten im Ausland könnten entscheidend sein für den Ausgang der Wahl. (dpa/ag)

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