Trotz Mahner Martin kracht es reihenweise

<p>Tony Martin (rechts): „Dann habe ich eben die Initiative ergriffen.“</p>
Tony Martin (rechts): „Dann habe ich eben die Initiative ergriffen.“ | Foto: belga

„Die Straßen waren unglaublich glatt, es war sehr viel Öl auf dem Asphalt“, sagte Martin im Ziel von Nizza: „Im Prinzip hatten wir keine Chance, ein relativ sicheres und verantwortungsvolles Rennen zu fahren.“ Ein Schuh, den sich auch der Weltverband UCI und die Tour-Organisatoren anziehen mussten.

Das Ergebnis: Dutzende Stürze im Etappenverlauf, ein Massencrash auf der Zielgeraden, Hochbetrieb im Röntgenwagen, drei Fahrer verletzt draußen – und alles vermeidbar: Genau die Negativschlagzeilen, die diese merkwürdige Tour im Corona-Jahr nicht braucht. Strömender Regen hatte die steilen Abfahrten zu ölig-seifigen Rutschbahnen werden lassen.

Der so erfahrene Ex-Weltmeister Martin, als „Road Captain“ seines Jumbo-Visma-Teams meist an der Pelotonspitze zu finden, erkannte die Gefahr früh, bremste das Feld mit Worten und Gesten ein. „Ich habe gemerkt, dass alle neutralisieren würden, aber keiner macht den ersten Schritt. Dann habe ich eben die Initiative ergriffen“, sagte Martin: „Damit waren alle einverstanden, nur Astana nicht.“ Die kasachische Mannschaft drückte weiter aufs Gas, bis ihr Kapitän Miguel Angel Lopez in einer Kurve gegen ein Straßenschild schlitterte, mit Können und viel Glück aber unverletzt blieb. „Die haben die Rechnung bezahlt“, meinte Martin.

Der 35-Jährige erntete Respekt. „Dieser Schritt war stark von ihm“, sagte Bora-Profi Maximilian Schachmann. Martin gab das Lob zurück: „Ich bin stolz, dass wir im Feld zusammengehalten haben. Das ist ein wichtiges Zeichen in Richtung Sicherheit“, sagte er mit Blick auf die schweren Stürze von Fabio Jakobsen und Remco Evenepoel im August: „Es ist vielleicht das Resultat daraus, dass die Fahrer mehr sensibilisiert sind. Wir hätten sonst noch mehr Stürze gesehen, vielleicht mit noch schlimmeren Ausgängen.“

Die letzte Abfahrt von der Cote de Rimiez fuhr das Feld dank Martin freiwillig in sicherem Tempo herab. (sid)

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