Knie auf Kopf und Nacken: Experte fordert nach Polizeieinsatz unabhängige Aufklärung

<p>Das Video eines Polizeieinsatzes in Düsseldorf erinnert an die Umstände der Festnahme von George Floyd in den USA. Der Vorfall soll nun genauer untersucht werden.</p>
Das Video eines Polizeieinsatzes in Düsseldorf erinnert an die Umstände der Festnahme von George Floyd in den USA. Der Vorfall soll nun genauer untersucht werden. | Bildmaterial: Twiter/binwiederdabro

„Je mehr Unabhängigkeit desto besser in solchen Fällen“, sagte Singelnstein der Deutschen Presse-Agentur. Das spreche gegen die bisher übliche Aufarbeitung durch Polizisten einer anderen Dienststelle: „Es ist unmittelbar nachvollziehbar, dass es menschlich eine problematische Situation ist, wenn man dann Kollegen als Beschuldigte hat, für die man beruflich ein besonderes Verständnis aufbringt. Die Polizei hat eine starke Binnenkultur.“

In mehreren anderen Ländern - zum Beispiel Großbritannien - sei die Aufklärung solcher Fälle wegen der besonderen Problematik an differenziert besetzte externe Gremien mit Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen gegeben worden.

Bei dem Einsatz hatte ein Polizeibeamter am Samstagabend in Düsseldorf einen 15-Jährigen mit dem Knie am Kopf auf dem Boden fixiert. Ein Augenzeugen-Video des Einsatzes hatte sich im Internet verbreitet und Vergleiche mit dem Fall George Floyd in den USA ausgelöst. Aus Neutralitätsgründen hat die Polizei Duisburg zusammen mit der Staatsanwaltschaft Düsseldorf die Ermittlungen übernommen. Der betroffene Beamte mache vorläufig Innendienst, teilten die Behörden mit.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Montag, er habe einen Zwischenbericht zu dem Vorfall bekommen. Demnach sei die Polizei am Samstagabend zunächst wegen zehn Randalierern zu einem Schnellrestaurant gerufen worden. Der 15-Jährige, der offenbar nichts mit dem eigentlichen Einsatz zu tun hatte, habe sich eingemischt und einen Beamten angegriffen.

Danach sei der Jugendliche zu Boden gebracht, gefesselt und zum Streifenwagen gebracht worden. Dies sei in einem Zeitraum von zwei bis drei Minuten geschehen. Eines der Videos im Internet ist 28 Sekunden lang. Dort ist zu sehen, wie ein Polizeibeamter den Jugendlichen mit dem Knie zu Boden drückt.

Wie Reul am Montag ausführte, wären Knie und Schienbein auf Ohr und Schädel des jungen Mannes durch die Einsatzvorgaben der Landespolizei abgedeckt gewesen. Auf dem Hals wäre dies wegen der Verletzungsgefahr nicht erlaubt. Was genau in dem Moment passiert sei, müsse daher nun „objektiv geklärt werden“. (dpa)

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