„Es fühlt sich ein bisschen an wie ein erster Schultag“, sagt Claudia Ben Dagha-Schmitz, Direktorin der Eynattener Gemeindeschule. Sie empfängt Lehrer und Schüler, die am Montag in die Primarschule kommen. Allerdings ist sie diesmal bewaffnet mit Fiebermesser und Handseife. Sie trägt einen Mundschutz und Handschuhe.
Die Schüler trudeln tröpfchenweise ein. Jedem wird das digitale Thermometer an die Stirn gehalten, alle müssen sich die Hände desinfizieren. Erst dann dürfen sie in den Klassenraum. Keines der Kinder hatte erhöhte Temperatur. Alles ist im grünen Bereich. Hätte das Thermometer Alarm geschlagen, hätte der betreffende Schüler ins eigens dazu eingerichtete Corona-Zimmer geführt werden müssen. Dort liegen Handschuhe und Mundschutz bereit. In dem isolierten Raum hätte der mutmaßliche Patient darauf warten müssen, dass seine Eltern ihn abholen. Dieser Fall ist aber glücklicherweise nicht eingetroffen.

„Ich bin froh, dass es wieder losgeht. Ich freue mich auf die Schule. Am meisten haben mir meine Freunde gefehlt“, erklärt die zwölfjährige Jill Peters. „Ich war etwas nervös, weil alles neu und anders ist“, gesteht sie. Normalerweise lernen und lachen 13 Kinder in ihrer Klasse. Jetzt aber musste die Gruppe halbiert werden. Die eine Hälfte kommt montags und dienstags zur Schule, die anderen Schüler müssen donnerstags und freitags die Schulbank drücken. Nur die Hauptfächer stehen auf dem Lehrplan. Sehr zum Leidwesen von Alois Arp (11). „Ich habe meine Freunde vermisst. Der Unterricht hat mir eigentlich nicht so sehr gefehlt – außer Sport.“ Sport, Musik oder Bastelstunden wird es allerdings in den nächsten Wochen nicht geben. An den zwei Tagen pro Woche wird man sich auf das Wesentliche konzentrieren müssen. Erst einmal will die Klassenlehrerin, Jennifer Krickel, abklopfen, wie gut die Schüler in den vergangenen Wochen mit dem unfreiwillig auferlegten Selbststudium klargekommen sind. Sie haben wöchentliche Aufgaben erhalten, Erklärvideos eingesehen und regelmäßig Kontakt mit der Lehrerin gehabt. „Eigentlich hat der Fernunterricht ganz gut geklappt. Die Rückmeldungen waren positiv. Jetzt müssen wir aber schauen, ob alle den gleichen Kenntnisstand haben. Da, wo es hakt, werden wir ein wenig nacharbeiten müssen“, so Jennifer Krickel. Und dann geht es auch schon an die neue Materie: Aufsätze schreiben, Volumen berechnen und einiges mehr. Die Schüler sitzen gespannt an den Pulten, weit voneinander entfernt. Sie haben sich einiges zu erzählen und kommen sich dadurch wieder näher – nur eben nicht körperlich.

Es gibt viele Neuerungen. Warmes Essen wird es beispielsweise in der Eynattener Primarschule nicht geben. Allerdings können die Schüler belegte Pistolets und Obst bestellen. „Wir haben uns dagegen entschieden, zu kochen. Vor allem, weil in der nächsten Woche wahrscheinlich die Schüler des ersten Schuljahres hinzukommen und die Gruppen sich im Esssaal nicht vermischen dürfen. Daher essen alle in ihren Klassenräumen“, so die Direktorin. Es war aus ihrer Sicht die größte Herausforderung, die Abläufe so zu koordinieren und zu organisieren, dass die Corona-Regeln eingehalten werden konnten. Sicherheitsabstand in den Klassen, keine Vermischung der unterschiedlichen Gruppen. Auch getrennte Eingänge für die Schüler des sechsten und des ersten Schuljahres wurden eingeplant. Die Kinder, die darüber hinaus in der Betreuung zu beaufsichtigen sind, befinden sich im Kindergartengebäude. „Das Austüfteln des Zeitplans und des organisatorischen Ablaufs hat viel Zeit in Anspruch genommen. Aber ich bin wirklich froh, dass die Schule wieder mit Leben gefüllt wird. Es war sehr still in den letzten Wochen hier“, erklärt die Direktorin. Sie ist überzeugt, dass die gesamte Situation auch Positives mit sich bringt, vor allem was die Digitalisierung angeht. „In der Schule hatten die Schüler bereits vorab mit Laptops und iPads gearbeitet. Wir waren auf einem guten Weg, aber durch die Coronakrise hat das Ganze einen bedeutenden Schub erhalten“, so Claudia Ben Dagha-Schmitz. Sogar die Kindergärtnerinnen halten mittels Internet Kontakt zu ihren Schützlingen. Einmal wöchentlich laden sie ein Video hoch, in dem sie ein Kaspertheater aufführen, ein Lied singen oder andere Grüße übermitteln.
Dennoch versteht Claudia Ben Dagha-Schmitz auch, dass die Situation gerade für die Abschlussklassen nicht ideal ist. Die Eynattener Schüler des sechsten Schuljahres konnten beispielsweise nicht in Schneeklasse fahren. Die Diplomfeier und das Abschiedsfest fallen ins Wasser. „Der offizielle Übergang von einem Abschnitt zum nächsten kann nicht gemeinsam zelebriert werden. Das gilt auch für die Abiturklassen und alle dritten Kindergartenjahre. Das ist sehr traurig und ich kann die Enttäuschung der Kinder nachempfinden“, so die Direktorin. Daher ist sie froh, dass die meisten Schüler dennoch motiviert bei der Sache sind. „Die Situation ist nun mal so. Das können wir nicht ändern. Man kann nur das Beste daraus machen. Ich habe den Eindruck, dass die Schüler genau das tun.“

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