Die Coronakrise hat bekanntlich dazu geführt, dass sämtliche kulturellen Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt werden mussten. Dies hat zur Folge, dass Kultur und Kunst nur in den eigenen vier Wänden und zumeist digital genossen werden können.
Meakusma hat einen Weg gefunden, der Bevölkerung Eupens ein „analoges“ Konzert zu bieten und trotzdem die wichtigen Bestimmungen, die zurzeit gelten, einzuhalten. Dem Konzert kann von zu Hause aus bei geöffneten Fenstern gelauscht werden. Der Glockenmusiker wird dabei, unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen, in der öffentlich unzugänglichen Glockenstube des Südturms die Tradition des Trippetreiens aufleben lassen. Dabei handelt es sich um ein rhythmisches Anschlagen der Kirchenglocken – zu unterscheiden vom Glockenspiel, welches ein melodisches Glockenmusizieren ist. Die Tradition des rhythmischen Glockenanschlagens geht bereits auf das Mittelalter zurück. In Deutschland ist die Technik als Beiern bekannt, in der Wallonie als tribolage.
Wenn man sich über das Trippetreien informieren möchte, muss man schon ein wenig recherchieren. Das Eupener Stadtmuseum suchte auf Anfrage des Veranstalters zwei GrenzEcho-Artikel aus dem Jahre 1973 aus dem Archiv heraus, die sich mit dem Osterbrauch beschäftigen. Zudem gibt es einen sehr schönen Videobeitrag des BRF aus dem Jahr 2007, der auf Anfrage wieder online gesetzt wurde. Der im Video zu Wort kommende Glöckner Gerd Zimmermann, der gemeinsam mit einigen Mitstreitern das Trippetreien in der Eupener Unterstadt wiederbelebt hat, konnte weitere interessante Hintergrundinformationen liefern. Und zudem den Experten Achim Bursch nennen, der die körperlich anspruchsvolle Technik beherrscht und ein großes Fachwissen rund um die Tradition aufweist.
So formte sich langsam ein Bild einer Tradition die musikalisch, kulturell, sprachlich und religiös einige Besonderheiten aufweist. In Eupen ertönte das Trippetreien früher zweimal jährlich: am „Weißen Sonntag“, dem Tag an dem die Kinder die heilige Kommunion feiern, und bei der Fronleichnamsprozession. Im „Wörterbuch der Eupener Sprache“, herausgegeben 1899 von Tonnar, Evers, Altenbuzg findet man eine Erklärung zum Wort Trippetreien: „Festliches Geläute durch Schlagen der Glocken; wörtlich 'Holzschuhtreten'“. Es wird auch auf den altlateinischen Ursprung „Tripudium“ hingewiesen, was als „dreischrittiger Tanz“ übersetzt werden kann. Im Mittelalter wurde das Wort zur Bedeutung von „Freude, Jubel“.
Technisch lässt sich das Trippetreien wie folgt beschreiben: Es ist erstens eine Läutetechnik, bei der nicht die erklingenden Glocken, sondern nur deren Klöppel (meist mit Hilfe von an den Klöppeln befestigten Seilen) bewegt werden, um die Glocken anzuschlagen. Zweitens ist es eine Läutetechnik, bei der die Glocken mit Holzhämmerchen beziehungsweise Holzschlägeln von außen an den Schlagringen und an anderen Stellen des Mantels (das heißt der äußeren Oberfläche) der Glocken angeschlagen werden. Bei der anstrengenden Technik kommen die Hände und Füße zur Bedienung der Seile zum Einsatz.
Im Südturm der St. Nikolauskirche werden so vier Glocken gespielt: Anna (gegossen 1817 im Schlagton e‘), Maria (gegossen 1817 im Schlagton g‘) und Lambertus (gegossen 1953 im Schlagton a‘) sowie am Schluss die Bassglocke namens Nikolaus (gegossen 1817 im Schlagton c‘). Es wird insgesamt vier Sequenzen geben, die zwischen fünf und 15 Minuten dauern.
Dabei handelt es sich um diverse Kompositionen sowie eine kurze Improvisation mit vier Glocken. Die Tradition geriet in der Vergangenheit immer wieder in Vergessenheit, so dass es manchmal jahrzehntelang keine Konzerte dieser Art gab. Immer wieder fanden sich jedoch Menschen, die sich mit der Technik und der Geschichte auseinandergesetzt und dieses kulturelle Erbe am Leben gehalten haben. Mit dem Konzert am Montag wird der langen Geschichte des Trippetreiens nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. (red)

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