Obst und Toilettenpapier auf Rädern: „Raeren hilft“ versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln

<p>Selfie vom Kofferraumrand: Christian Rohr liefert die Lebensmittelspenden, die er zuvor eingesammelt hat, an Bedürftige aus.</p>
Selfie vom Kofferraumrand: Christian Rohr liefert die Lebensmittelspenden, die er zuvor eingesammelt hat, an Bedürftige aus. | Foto: privat

Durch die Freisprechanlage rauscht es. Christian Rohr ist mit dem Auto auf dem Weg von Raeren nach Lichtenbusch. In seinem Kofferraum machen die prall gefüllten Einkaufstüten bei jedem Schlagloch einen kleinen Satz. Obst und Gemüse, Reis, Kartoffeln, Wasser, Toilettenpapier und Schokoladeneier werden durchgerüttelt. Auf seiner Tour sammelt der 32-Jährige Lebensmittelspenden ein, die er später an Menschen verteilt, denen es am Nötigsten fehlt.

Selbstverständlich kann Rohr all das nicht alleine leisten, sowohl finanziell als auch logistisch. Seine Initiative, die er „Raeren hilft“ getauft hat, lebt von den freiwilligen Helfern und den Familien, die regelmäßig großzügig Lebensmittel spenden. „Die Einkaufstüten sind immer randvoll, darunter viele Markenprodukte. Die Spender richten sich danach, was benötigt wird, das sind sowohl frische als auch haltbare Lebensmittel, und jetzt zu Ostern auch Süßigkeiten. Manche Familien spenden Einkäufe im Wert von bis zu 200 Euro. Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich“, zeigt er sich dankbar. Allerdings seien solche Großeinkäufe keinesfalls das Maß der Dinge. Wer spenden möchte, soll das im Rahmen seiner Möglichkeiten tun.

Dass so viele seiner Mitmenschen Anteil an der Situation anderer nehmen und sich für die Initiative engagieren, erfüllt Rohr mit Stolz. „Die Leute sind füreinander da. So sollte es innerhalb einer Gemeinde auch sein.“ Rund 30 Familien spenden regelmäßig Lebensmittel und Hygieneartikel. Ebenso viele werden täglich kostenlos mit Obst, Gemüse und Co. versorgt.

Christian Rohr hat die Initiative Mitte März ins Leben gerufen. Kurz darauf ging auch die Internetseite online. „Es besteht großer Bedarf. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas unternehmen musste“, sagt er. Der 32-Jährige weiß nur zu gut, wie es ist, mit wenig auskommen zu müssen, auch wenn das bereits viele Jahre her ist. „Es ist ein schwerer Schritt, jemanden um Hilfe zu bitten“, spricht er aus eigener Erfahrung. Weil es einfacher ist, Hilfe anzunehmen als danach zu fragen, geht er auf Menschen zu, von denen er weiß, dass sie finanziell nicht gut gestellt sind. Durch sein vielseitiges soziales Engagement innerhalb der Gemeinde – im Winter schippt er Schnee, im Sommer pflegt er die Gärten älterer Bürger – kenne er viele Leute, so sagt er. „Manchen habe ich mich regelrecht aufgezwungen. Die sind sehr dankbar.“ Um den Leuten kein schlechtes Gefühl zu vermitteln, werde kein großes Brimborium darum veranstaltet.

Ein Pläuschchen, nach dem sich viele alleinstehende, ältere Menschen sehnen, ist derzeit nicht drin.

Das Angebot von „Raeren hilft“ richtet sich an Menschen, die sich nicht mal das Nötigste leisten können, darunter viele Senioren mit einer kleinen Rente, aber auch einige junge Familien. Die Folgen der Coronakrise treffe Menschen mit einem kleinen Einkommen besonders hart, so Rohr: „Viele können sich kaum noch etwas leisten weil die günstigen Produkte oft vergriffen und sie gezwungen sind, auf teurere Alternativen zurückzugreifen.“

Aber auch ältere Menschen, die nicht in finanziellen Nöten sind, jedoch niemanden haben, der in dieser Zeit für sie die Einkäufe erledigt, profitieren: „Sie schreiben uns eine Liste und wir kaufen dann für sie ein“, erklärt Christian Rohr: „In dem Fall bezahlen die Leute ihre Einkäufe selbst.“

Wem es unangenehm ist, persönlich um Hilfe zu bitten, kann auch über die Internetseite Kontakt zum Initiator aufnehmen. „Dort muss man nur seinen Namen und seine Adresse angeben und auswählen, worauf man angewiesen ist, also entweder Lebensmittel, Hygieneartikel oder beides.“ Auch über WhatsApp und Facebook ist Christian Rohr erreichbar.

Die Organisation und Koordination der Initiative stemmt Rohr, der ein Unternehmen für Trockenbau und Brandschutz führt, neben seinem Job. Der Aufwand sei nicht zu unterschätzen: Lebensmittelspenden müssen eingesammelt, Verpackungen mit Desinfektionsmittel, Obst und Gemüse mit Wasser gereinigt werden. Anschließend werden die Lebensmittel zu Paketen zusammengestellt und verteilt: „In der Regel stellen wir sie vor die Haustüre, klingeln und sind dann schon wieder am Auto, bevor jemand öffnet“, so Rohr. Nur in Ausnahmefällen, wenn jemand sehr gebrechlich ist, werden die Einkäufe ins Haus getragen. „Natürlich mit Mundschutz, Handschuhen und dem nötigen Abstand.“ Er möchte niemanden gefährden. Ein Pläuschchen, nach dem sich viele alleinstehende, ältere Menschen sehnen, sei daher im Moment nicht drin, bedauert Rohr. Wenn wieder alles seinen gewohnten Lauf genommen hat, möchte er die Initiative weiterführen. Dann aber mit Pläuschchen inklusive.

Helfer, Lebensmittelspender und Bedürftige können sich über die Internetseite www.raeren-hilft.com registrieren.

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