Ausgehend von den vier wirtschaftlichen Hauptsektoren ist festzuhalten, dass knapp ein Drittel der an der Umfrage beteiligten Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und der Industrie kommen, ein Viertel dem Handelssektor angehören, mehr als die Hälfte Dienstleister und knapp ein Fünftel im Baufach aktiv sind.
Die zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie umgesetzten Maßnahmen der belgischen Föderalregierung wie Kontaktverbote, Schulschließungen, Geschäftsschließungen und Grenzkontrollen führen zu erheblichen Schwierigkeiten bei den Unternehmen vieler Branchen. Lieferschwierigkeiten in den Wertschöpfungsketten und fehlende Nachfrage bedrohen auch die ostbelgische Wirtschaft.
Nur noch weniger als ein Fünftel der teilnehmenden Firmen arbeiten ohne größere Probleme weiter.
Nur noch weniger als ein Fünftel der teilnehmenden Firmen arbeiten aktuell ohne größere Probleme weiter. Hier kann es aber jederzeit zu Veränderungen kommen, falls Kunden nicht mehr bestellen oder Lieferanten kein Material mehr zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte der Betriebe ist unter erschwerten Bedingungen weiterhin tätig. Dieser hohe Prozentsatz zeigt den bedrohlichen Effekt dieser Pandemie auf die ostbelgische Wirtschaft. Rund ein Viertel der Umfrageteilnehmer haben ihre Pforten bereits geschlossen, davon zwei Drittel infolge der Beschlüsse der Föderalregierung und ein Drittel aufgrund einer eigenen Entscheidung.
Da aktuell bereits geschlossene Unternehmen teilweise nicht auf diese Umfrage antworten konnten, geht der AVED sogar von einem höheren Anteil geschlossener Unternehmen aus. Viele Unternehmen arbeiten, wenn auch zurzeit unter erschwerten Bedingungen weiter. Wichtig ist, nicht umgehend eine Werksschließung zu veranlassen, da dadurch gegebenenfalls auch Lieferketten gestört werden, die bei weiterverarbeitenden Betrieben zu negativen Folgen führen können.
Der Arbeitgeberverband plädiert dafür, den kompletten Stillstand überall dort zu vermeiden, wo die Regeln eingehalten werden können.
Der Arbeitgeberverband plädiert daher dafür, dass überall dort, wo sinnvoll weitergearbeitet werden kann unter der Voraussetzung, dass die Hygienevorschriften und der Abstand zwischen Mitarbeitern eingehalten werden, die Produktion und die Aktivität auf jeden Fall weiter aufrecht erhalten bleiben sollte. Sechs von zehn Betrieben erleben aktuell bereits einen Auftragsrückgang, sei es, weil die Kunden ihren Betrieb komplett schließen oder Aufträge stornieren.
Bei fast jedem dritten Unternehmen werden Lieferengpässe seitens der Zulieferer und Lieferanten als Begründung für ihre Schwierigkeiten genannt, wodurch zumindest Produktionspausen entstehen. Bei manchen Unternehmen kann sogar ein doppelter Schock entstehen – auf der Nachfrage- und der Angebotsseite.
Die Produktion oder die Fortführung von Dienstleistungen kann aber auch dadurch ausgebremst werden, dass die hierfür erforderlichen Mitarbeiter fehlen – sei es wegen Krankheit, Quarantäne, Schul- oder Kitaschließung oder beispielsweise infolge Krankschreibung als Vorsichtsmaßnahme.
Beinahe jedes fünfte ostbelgische Unternehmen spricht davon, dass mehr als zehn Prozent der Belegschaft nicht zur Verfügung steht, was weit über dem üblichen Schnitt liegt. Der AVED wünscht, dass alle ihre Verantwortung in dieser schwierigen Zeit übernehmen, seien es die Arbeitgeber wie auch die Arbeitnehmer, um den volkswirtschaftlichen Schaden maximal zu begrenzen. Die verschärften Maßnahmen der Föderalregierung sehen unter anderem die Verpflichtung vor, HomeOffice für diejenigen Arbeitsplätze zu organisieren, wo dies möglich ist. Rund 55 Prozent der teilnehmenden Betriebe aus Ostbelgien lassen infolge der Verschärfung der Krise teilweise oder vollzählig ihre Mitarbeiter von zu Hause arbeiten.
Bei Reduzierung oder Komplettstillstand der Betriebsaktivität können Mitarbeiter relativ unproblematisch in zeitweilige Arbeitslosigkeit geschickt werden.
Dies kann zu Schwierigkeiten des normalen betrieblichen Ablaufs führen, aber die Betriebe setzen die Verpflichtung um und schützen somit auch ihre Mitarbeiter. Der Zugang zur zeitweiligen Arbeitslosigkeit (Kurzarbeit) wurde im Rahmen der nun vorherrschenden Krise durch eine Vereinfachung der Verfahren weiter geöffnet. Bei Reduzierung oder Komplettstillstand der Betriebsaktivität können somit die Mitarbeiter relativ unproblematisch in zeitweilige Arbeitslosigkeit geschickt werden.
Das hilft, den Mitarbeiterstab des Betriebs an die jeweilige wirtschaftliche Entwicklung anpassen zu können. Schließen Kunden oder gehen Rohmaterialien aus, kann diese flexible Möglichkeit in Anspruch genommen werden. Bereits nach kurzer Zeit haben 40 Prozent der ostbelgischen Firmen, die geantwortet haben, zumindest teilweise Arbeiter in Kurzarbeit geschickt.
Bei den Angestellten liegt der Wert etwas niedriger und doch befinden sich bei jedem dritten Unternehmen Angestellte in zeitweiliger Arbeitslosigkeit. Wie nachhaltig die finanziellen Folgen der Pandemie auf die Unternehmen sein werden, hängt stark von der Frage der Dauer einer möglichen Verlängerung der verschärften Maßnahmen ab. Katastrophal wäre das Szenario einer sektoralen Ausweitung der gesetzlich auferlegten Betriebsschließungen. Unternehmen mit guten Ergebnissen der Vorjahre im Rücken und einem hohen Liquiditätsbestand werden die nun kommende schwierige Zeit besser überstehen. Es gilt, die bestehenden Fixkosten bei reduzierten oder wegbleibenden Einnahmen weiter zu decken.
Jeder zweite Betrieb befürchtet für 2020 einen Umsatzrückgang auf Jahresbasis bis
zu 30 Prozent.
Die Hinweise der ostbelgischen Unternehmen lassen hierzu Böses erahnen. Jedes zweite teilnehmende Unternehmen befürchtet im laufenden Jahr 2020 einen Umsatzrückgang auf Jahresbasis bis zu 30 Prozent, jedes sechste Unternehmen sogar einen massiven Umsatzeinbruch bis zu 60 Prozent. Knapp zwei Drittel der Betriebe weisen darauf hin, dass sie bis Mitte Mai 2020 die negativen Folgen für ihren Betrieb verkraften werden. Sollte es aber zu einer Verlängerung der harten Maßnahmen über den 15. Mai 2020 hinaus kommen, befürchtet beinahe jedes vierte Unternehmen, in große, möglicherweise sogar existenzbedrohende Schwierigkeiten zu kommen. Nach der Corona-Krise wird die Welt, auch in Ostbelgien, eine andere sein, dessen sind sich viele Unternehmer bereits bewusst. Es geht nun darum, eine Welle von Insolvenzen zu vermeiden und vielen Unternehmen das Überleben zu gewährleisten und den bestmöglichen Start nach der Krise, auch für die Wirtschaft, zu gewährleisten.

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