Virologe: „Mundschutz in der Straße macht keinen Sinn“

<p>Virologen: „Eine Mundschutzmaske zu tragen, wenn man das Haus verlässt, macht keinen Sinn.“</p>
Virologen: „Eine Mundschutzmaske zu tragen, wenn man das Haus verlässt, macht keinen Sinn.“ | Foto: Photo News

Binnen 24 Stunden wurden 668 Neuinfektionen in Belgien gemeldet. Insgesamt sind demnach 4.937 Infezierte identifiziert: 61% in Flandern, 25% in der Wallonie und 11% in Brüssel.

Die Zahl der Todesopfer stieg um 56 auf 178. In Wirklichkeit können es noch mehr sein, da die Meldung von Todesfällen sich über mehrere Tage hinziehen kann. Auf den Intensivstationen liegen 474-Covid-19 Patienten (plus 93). Insgesamt befinden sich 2.152 Corona-Patienten im Krankenhaus. Am Dienstag wurden 434 Patienten eingeliefert, während 115 das Krankenhaus verlassen durften. „Im Allgemeinen haben die Krankenhäuser die Situation weiterhin im Griff“, heißt es. Auf den Intensivstationen stehen mehr als 2.500 Betten zur Verfügung.

„Der positive Trend der letzten Tage ist gebrochen. Wir haben den Höhepunkt des Ausbruchs eindeutig noch nicht erreicht", bestätigt Steven Van Gucht, Vorsitzender des Corona-Ausschusses, und betont, wiewichtig es ist, sich an die auferlegten Maßnahmen zu halten und Abstand zu anderen zu halten. „Die Situation ist immer noch eine Epidemie.“ Auf die Frage, ob die bisher geltenden Schutzmaßnahmen verschärft werden sollten, erklärte Van Gucht nur, dass die Experten darüber Empfehlungen aussprechen müssen und der Nationale Sicherheitsrat zu entscheiden hat. Dieser wird am Freitag erneut zusammenkommen. Es ist zu erwarten, dass die derzeit geltenden Maßnahmen zumindest verlängert werden.

Wie jeden Tag hatten die Experten auch beim Pressebriefing am Mittwoch eine Botschaft für die Bevölkerung parat. „Es macht hat keinen Sinn, auf der Straße eine Mundschutzmaske zu tragen“, so Van Gucht. Mundmasken, ein knappes Gut in diesen Corona-Zeiten, seien nicht notwendig, wenn man nur durch die Straßen ziehe. „Man kann das Virus nicht fangen, indem man Luft einatmet", sagte der Virologe. „Wichtig ist es, Abstand voneinander zu halten und die Hände zu waschen. Das Virus wird hauptsächlich durch die Hände übertragen. Eine Mundschutzmaske kann sogar ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln, wenn den Hygienemaßnahmen für die Hände weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Mit schlechter Handhygiene und dem An- und Ablegen einer Atemmaske erhöht man sogar das Infektionsrisiko.“

„Jetzt, wo wir zu Hause sind, ist das Internet eine willkommene Unterhaltung. Aber wir müssen uns auch online um unsere Gesundheit kümmern", meinte Yves Stevens vom Krisenzentrum, unter Hinweis auf eine Warnung des Zentrums für Cybersicherheit in Belgien vor einer starken Zunahme von Falschmeldungen. Dazu gehören Angebote von Mundmasken, Handgel, aber auch falsche Informationen und falsche Geldsammlungen. „Seien Sie wachsam, wenn es um Nachrichten über das Coronavirus geht, und klicken Sie nicht einfach auf irgendwelche Links“, so Stevens.

Apropos Mundschutzmasken... Gutachten ist zu entnehmen, dass Experten schon seit zehn Jahren auf die Bedeutung eines großen Vorrats an Mundschutzmasken für einen möglichen Ausbruch einer Pandemie pochen. Unter Gesundheitsministerin Maggie De Block (Open Vld) wurde ein Bestand von Millionen Masken vernichtet. Ein neuer Vorrat war in der Mache, aber Corona war schneller… „Es sind die von der N-VA angeheizten Einsparungen der Regierung Michel, die uns in die Situation dieses Engpasses gebracht haben“, meint die linksradikale PTB.

Im belgischen Notfallplan für eine Grippepandemie aus dem Jahr 2006 wurde von der Regierung verlangt, eine Reserve von 38 Millionen chirurgischen Mundschutzmasken und sechs Millionen FFP2-Masken anzulegen. „Die Regierung wusste sehr wohl, dass diese strategische Reserve absolut notwendig war", so die PTB, die diesbezüglich die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses nach der Pandemie fordert. Im Jahr 2009 brach die Schweinegrippe H1N1 aus, und die Regierung legte einen Vorrat an, aber in den nachfolgenden Jahren ging einiges schief. Im Jahr 2012 unterzeichnete das Gesundheitsministerium eine Vereinbarung mit dem Verteidigungsministerium, um diese Masken in ungeheizten Schuppen zu lagern. Nach Angaben des Kabinetts De Block wurden sie dort „nicht ordnungsgemäß aufbewahrt, was sie unbrauchbar machte“. Nach Angaben der Armee war lediglich die Haltbarkeit der Masken abgelaufen. 2018 ließ das Gesundheitsministerium den Bestand vernichten. Das Kabinett De Block beschloss, auf „einen rotierenden Lagerbestand“ umzustellen, sodass die Masken vor dem Verfallsdatum verkauft und erneuert werden konnten. Bei den Vorbereitungen für diesen rotierenden Bestand traten angeblich Probleme organisatorischer Art auf, die nicht gelöst wurden. „Das ist schuldhafte Fahrlässigkeit mehrerer Regierungen“, schimpft die PTB. „Und jetzt tragen wir die Konsequenzen.“

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