Deutschland schließt teilweise seine Grenzen

<p>Deutsch-polnischer Grenzübergang in Leknica. Polen hat wegen der Coronavirus-Krise in der Nacht zur Sonntag seine Grenzen zu den EU-Nachbarländern für Ausländer geschlossen.</p>
Deutsch-polnischer Grenzübergang in Leknica. Polen hat wegen der Coronavirus-Krise in der Nacht zur Sonntag seine Grenzen zu den EU-Nachbarländern für Ausländer geschlossen. | Foto: dpa

Grenzen schließen, Schulen und Kinderkrippen machen dicht, vielerorts gelten Versammlungsverbote: Die sich rapide ausbreitende Coronavirus-Pandemie legt zunehmend das öffentliche Leben lahm. Von Montag an werden in Deutschland Schulen und Kinderkrippen geschlossen sein, Kinder müssen dann zumeist zuhause betreut werden. Und wie andere Länder auch hat nun Deutschland beschlossen, seine Grenzen teilweise zu schließen. Viele Bundesländer untersagen außerdem größere Veranstaltungen und die Bahn will den Regionalverkehr reduzieren.

Die teilweise Grenzschließung zu Frankreich, Österreich und der Schweiz sollte ab Montagmorgen, 8 Uhr,r gelten, wie die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Regierungskreisen erfuhr. Zuvor hatte die „Bild Zeitung“ berichtet. Dem Vernehmen nach einigten sich darauf Kanzlerin Angela Merkel, Bundesinnenminister Horst Seehofer und die Länderchefs von Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Demnach soll es verschärfte Kontrollen und auch Zurückweisungen geben.

Der Warenverkehr zwischen Deutschland und den Nachbarstaaten soll nach dpa-Informationen aber weiter gesichert bleiben. Auch Pendler dürften den Plänen zufolge die Grenzen passieren. Zuvor hatten schon Dänemark, Polen und Tschechien ihre Grenzen unter anderem nach Deutschland geschlossen.

Die wochenlange Schließung von Schulen und Kitas in Deutschland stellt derweil Millionen Eltern und ihre Arbeitgeber vor beispiellose Probleme. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verteidigte die Maßnahme am Sonntag als notwendig im Kampf gegen das Coronavirus. Zugleich appellierte er an Firmenchefs und Behördenleiter, zusammen mit ihren Mitarbeitern unbürokratische und einvernehmliche Lösungen für die Kinderbetreuung zu finden, so dass den Eltern keine Lohneinbußen drohen.

Ab der neuen Woche sind in Deutschland die Schulen und Kitas quasi flächendeckend zu. Die Anordnungen gelten zumeist bis zum Ende der Osterferien, also bis Mitte oder Ende April. Deutschlandweit gibt es allein 2,8 Millionen Grundschüler. In Tageseinrichtungen und Horten werden 3,7 Millionen Kinder betreut.

Um die Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 zu verlangsamen, untersagten mehrere Bundesländer außerdem Versammlungen unterschiedlicher Größe. So verbot etwa Berlin Veranstaltungen ab 50 Personen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Samstagabend für Deutschland 3795 Covid-19-Fälle - 733 mehr als am Vortag. Bis Sonntagnachmittag starben hierzulande elf Menschen an der Krankheit. In Nordrhein-Westfalen ist eine fünfte mit dem Coronavirus infizierte Person gestorben: eine 84-jährige Frau aus Gangelt mit ernsthaften Vorerkrankungen.

Die Deutsche Bahn will in den kommenden Tagen ihren Regionalverkehr deutlich einschränken. Damit reagiere das Unternehmen auf die geringe Zahl an Fahrgästen als Folge der Coronavirus-Krise. Die Einschränkungen im Alltag schlagen auch auf das Konsumverhalten durch. Supermärkte machten deutlich mehr Umsatz, in manchen Filialen waren Grundnahrungsmittel wie Mehl vorübergehend ausverkauft.

Viele europäische Länder schränkten das öffentliche Leben stark ein. In Österreich gilt wegen der Pandemie fast eine Ausgangssperre. Nur aus triftigen Gründen sollen die knapp neun Millionen Einwohner noch ihre Häuser verlassen, wie die Regierung am Sonntag mitteilte. Rund 800 Menschen waren nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann.

Frankreich schloss alle Restaurants, Läden und Bars. Apotheken, Lebensmittelgeschäfte und Banken sollten aber geöffnet bleiben, kündigte Premierminister Édouard Philippe am Samstag an. Laut Gesundheitsbehörden zählte Frankreich am Samstag 4500 Fälle, am Vortag waren es 3661. Es seien 91 Tote zu verzeichnen.

Auch die knapp 47 Millionen Bewohner Spaniens müssen möglichst zu Hause bleiben. Im Rahmen eines Alarmzustands wurden die meisten Läden geschlossen und der öffentliche Nah- und Fernverkehr um rund 50 Prozent reduziert. Nach Italien ist Spanien das von der Krise am stärksten betroffene Land Europas. Bilanz des Gesundheitsministeriums vom Sonntag: mehr als 6000 Infektionen und rund 200 Todesfälle.

US-Präsident Donald Trump, der Kontakte mit mindestens zwei infizierten Menschen hatte, wurde am Wochenende negativ auf das Virus getestet. Trump weise eine Woche nach einem Abendessen mit einer Delegation des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro keine Symptome auf, schrieb Trumps Leibarzt in einem vom Weißen Haus verbreiteten Schreiben.

Rumänien hat am Sonntag die Quarantäne-Bestimmungen verschärft. Einreisende aus Ländern mit mehr als 500 Corona-Infizierten müssen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben, unabhängig davon, ob sie sichtbare Krankheitssymptome haben. Bisher galt dies nur für Einreisende aus Hochrisiko-Gebieten, wie etwa Italien.

Mehrere ehemalige Sowjetrepubliken haben ihre Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus massiv verstärkt. Kasachstan in Zentralasien rief den nationalen Notstand bis Mitte April aus. Im Nachbarland Usbekistan mit bislang einem bestätigen Fall seien neben anderen Maßnahmen auch Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen, ordnete die Regierung in Taschkent an. In Russland stieg die Zahl der Infektionen nach offiziellen Angaben auf 63 an - die meisten davon in Moskau. In dem Land wurde der Zugverkehr in einige Nachbarländer eingestellt: in das EU-Land Lettland, in die Ukraine und nach Moldau, wie die russische Bahn mitteilte.

(dpa)

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