Die ersten Forscher gingen am Montagmorgen in das Apostolische Archiv des Kirchenstaates, um dort ihre Arbeit zu beginnen. Wissenschaftler aus aller Welt hatten die Freigabe lange gefordert.
Mehrere Hundert hatten nach der Ankündigung 2019 beim Vatikan darum beworben, in Rom auf Spurensuchen in Millionen von Dokumenten zu gehen. Im Fokus dürfte zunächst die Rolle der katholischen Kirche mit Blick auf den Holocaust stehen und die Frage, was ihr Oberhaupt wann über die Judenverfolgung der Nationalsozialisten wusste.
Pius XII. stand von 1939 bis zu seinem Tod 1958 an der Spitze der Kirche. In seine Phase fallen die Nazi-Herrschaft, der Zweite Weltkrieg und der Beginn des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Der Italiener, geboren 1876, steht in der Kritik, nicht klar genug gegen den Holocaust und andere NS-Verbrechen protestiert zu haben. Seine Anhänger halten ihm zugute, dass die Kirche römische Juden vor ihren Verfolgern versteckt und gerettet habe.
Außer dem Apostolischen Archiv öffnen auch andere Organe, etwa die Glaubenskongregation und Kurienbehörden, die Zugänge zu ihren Beständen.
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wollen mit Hilfe neuer Informationen auch besser verstehen, welche Rolle der Vatikan bei der europäischen Einigung spielte. Spannend könnten zudem Funde werden zum Verhältnis der Kirche zu Moskau sowie zum Staat Israel.
Wegen des Coronavirus-Ausbruchs verschoben einige US-Forscher am Wochenende jedoch ihre Studien. Suzanne Brown-Fleming vom Holocaust-Gedenkmuseum der Vereinigten Staaten in Washington flog kurzfristig aus Rom heim. Sie und ihr Team würden erst „in den kommenden Monaten“ ihre Recherchen starten, sagte sie der dpa.
Papst Franziskus hatte das Ende der Geheimhaltung über das Pontifikat von Pius XII. im März 2019 angekündigt. Experten erwarten, dass die Auswertung Jahre dauern wird. (dpa)

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