Kinderlähmung: „Impfrate von 95 Prozent erfüllt“

<p>In Sachen Impfung gegen Kinderlähmung verzeichnet das Zentrum Kaleido Ostbelgien insgesamt – also inklusive der von Haus- und Kinderärzten geimpften Kindern – eine Rate von „mindestens 90 Prozent“.</p>
In Sachen Impfung gegen Kinderlähmung verzeichnet das Zentrum Kaleido Ostbelgien insgesamt – also inklusive der von Haus- und Kinderärzten geimpften Kindern – eine Rate von „mindestens 90 Prozent“. | Foto: David Hagemann

Diese Zahl nannte Gesundheitsminister Antonios Antoniadis (SP) am Mittwochnachmittag bei einer öffentlichen Sitzung des zuständigen Ausschusses im Parlament der DG (PDG). Bei acht Prozent der Kinder sei der Impfstatus nicht bekannt, fügte der Minister in einer Antwort auf eine mündliche Frage von Lydia Klinkenberg (ProDG) hinzu. „Die Verweigerungsrate liegt bei 2,54 Prozent. Man kann also davon ausgehen, dass die empfohlene Impfrate von 95 Prozent vorliegt“, so Antonios Antoniadis.

Kaleido trage allerdings keine Verantwortung in der Kontrolle der Impfpflicht. Diese Kontrolle obliege dem Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde. Eltern müssten hierfür ein Impfzertifikat bei der Gemeinde einreichen, welches sie durch den behandelnden Arzt oder den impfenden Arzt von Kaleido nach Verabreichung der dritten Dosis erhalten. Der Bürgermeister wiederum sei dazu verpflichtet, den Hygieneinspektor über nicht eingereichte Atteste zu informieren. Dieser wiederum verschicke bis zu drei Mahnungen und leite bei Nichteinhaltung der Gesetzgebung das Protokoll anschließend an den Generalprokurator des Königs weiter. „Allein im Monat Januar hat der Hygieneinspektor, nach eigener Auskunft, für die gesamte Provinz Lüttich 96 Protokolle ausgestellt, davon betrafen zwei oder drei Anwohner in deutschsprachigen Gemeinden.“ Das entsprechende Strafmaß werde über ein Sanitätsgesetz geregelt, das noch aus dem Jahr 1945 stammt.

Die Impfung gegen Polio ist vom Föderalstaat vorgeschrieben und gelte für die Impfung von drei Dosen zwischen zwei und 18 Monaten, so der Minister: „Mit sechs Jahren kann eine weitere Impfdosis verabreicht werden, die allerdings nicht verpflichtend ist.“ Die Kosten für den Impfstoff würden von der DG übernommen. Der Polio-Impfstoff sei bei den Säuglingen Teil einer Impfung für sechs verschiedene Krankheiten. „Er kann jedoch auf Anfrage auch separat verabreicht werden. Die Deutschsprachige Gemeinschaft stellt in diesem Fall, auf Wunsch der Eltern, die Einzelimpfung Haus- und Kinderärzten sowie Kaleido kostenlos zur Verfügung. Kaleido bietet während der Schul- und Vorsorgeuntersuchungen die im belgischen Impfschema gelisteten Impfungen an. Die meisten Kinder werden durch Kaleido gegen Polio geimpft“, erläuterte der Minister.

In ihrer Frage hatte die ProDG-Mandatarin Lydia Klinkenberg auf flämische Presseberichte hingewiesen, wonach die Anzahl der Personen steigt, die nicht gegen Kinderlähmung geimpft sind. „Polio ist die einzige verpflichtende Impfung in Belgien, deren Nachweis erbracht werden muss. Die Anzahl der Personen, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen, wächst“, so Lydia Klinkenberg.

Dabei sei Polio nach wie vor eine ernstzunehmende Krankheit, die viele Todesopfer fordere und nicht komplett ausgerottet sei. „Die Infektionskrankheit hält sich auch im 21. Jahrhundert in einigen Ländern weiter hartnäckig, und jeder Fall von Polio kann eine neue Epidemie auslösen. Umso wichtiger ist es darüber aufzuklären, wieso eine Impfung gegen Polio von Bedeutung ist“, so Klinkenberg. (sc)

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