Stellung zur KCE-Empfehlung an Wilmès und de Block: „Keine Patienten zweiter Klasse“

<p>Minister Antonios Antoniadis</p>
Minister Antonios Antoniadis | Archivfoto: David Hagemann

Neben der Sprache geht der Minister auch auf medizinische und psychologische Aspekte ein. Damit reagiert Antoniadis auf die Empfehlung des KCE, wonach insgesamt 17 Entbindungsstationen in Belgien von einer Schließung bedroht seien, darunter auch die des Sankt Nikolaus-Hospitals in Eupen. „Die ins Feld geführten Vorbehalte beziehen sich dabei nicht nur auf die spezifische sprachliche Situation in Ostbelgien, sondern auch auf den Bedarf einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die Empfehlung des KCE verkenne die Realität: Selbst unter optimalen Verkehrsbedingungen sei es von manchen Ortschaften im Norden der DG, wie z.B. Petergensfeld, nicht möglich, innerhalb von 30 Minuten die Entbindungsstation des CHR Verviers zu erreichen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Zudem komme es zu einer Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Netzwerke, denn aufgrund zu geringer Geburtenzahlen sei die gynäkologische Station des CHU Verviers ebenfalls von einer Schließung bedroht. Im Gegensatz zur Klinik des CHU Verviers und zur Klinik Sankt Joseph in St.Vith erreiche Eupen mit 436 Geburten pro Jahr die aktuell geltende Norm. Weiterhin, so der Minister, müsse auch den medizinischen Folgen Rechnung getragen werden. Konkrete Fallzahlen aus Deutschland und Frankreich würden belegen, dass, zeitgleich mit der Schließung von Entbindungsstationen, die Zahl der Kaiserschnitte zunehme: „Wenn man schon den Kostenpunkt heranführen möchte, dann erlaube ich mir daran zu erinnern, dass ein Kaiserschnitt als invasiver Eingriff mit höheren Kosten verbunden ist als eine natürliche Geburt. Hinzu kommt eine längere Liegedauer“ führt Antoniadis in seiner Stellungnahme an. Doch nicht nur finanzielle Belange spielen in der Stellungnahme des Ministers eine Rolle. Die körperliche und psychologische Belastung einer werdenden Mutter kurz vor und während der Entbindung müsse ebenfalls berücksichtigt werden. Damit diese so stressfrei wie möglich vonstattengehe, sei es nicht nur unabdingbar, dass die werdenden Mütter sich mit dem Arzt in ihrer Sprache verständigen können, sondern auch, dass die Geburt in einem vertrauensvollen und geschützten Rahmen geschehe.

Auch das Argument, dass aufgrund der Schließung einer Station mehr Fachpersonal für andere Kliniken zur Verfügung stünde, lehnt der Minister entschieden ab. Durch die besondere geografische Lage sei nämlich zu befürchten, dass das deutschsprachige und oftmals bilinguale Fachpersonal nicht in Belgien bleibe, sondern im benachbarten Deutschland nach Arbeit suche. Zudem habe die Schließung einer Station auch weitereichende Folgen für andere. DG-Minister Antoniadis werde „in jedem Fall“ für die Rechte der ostbelgischen Bevölkerung eintreten, damit die Deutschsprachigen im föderalen Gesundheitssystem nicht zu Patienten zweiter Klasse werden. (red)

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Kommentare

  • .. jetzt wird um die endbindungsstadion gekämmpft.. Morgen ..... Übermorgen vielleicht nochmal um den Izom, denn hie sind wir schon zweite Klasse....

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