Nachdenken über Windparks in Raeren und Roetgen

<p>Eine Teilansicht des Windparks Münsterwald. Auf dem Gebiet der Stadt Aachen stehen hier inzwischen sieben Windräder.</p>
Eine Teilansicht des Windparks Münsterwald. Auf dem Gebiet der Stadt Aachen stehen hier inzwischen sieben Windräder. | Foto: Stawag/SP Helicopter Service

„Unser Projekt wird nach meinem Empfinden von der Raerener Bevölkerung sehr gut angenommen“, schätzt der Schöffe die aktuelle Stimmungslage in seiner Gemeinde ein. Vor allem aus der Eifel und von jenseits der Grenze äußern Natur- und Landschaftsschützer hingegen Bedenken. „Nicht speziell gegen das Vorhaben in Raeren, sondern gegen die Nutzung der Windkraft im Allgemeinen“, präzisiert Uli Deller.

„Es kann auch sein, dass gar keine Windräder hier gebaut werden.“

Dass der Wind in dieser Ecke günstig weht, ist erwiesen. Der „Regionale Windplan Aachen 2030“ sieht bis zu 64 Windkraftanlagen im Bereich Roetgen, Simmerath und Monschau vor. In Roetgen, unmittelbar an Raeren-Petergensfeld angrenzend, denkt man aber offenbar „nur“ an zwei, drei oder vier. Und Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) hat Raerens Schöffe Uli Deller (Ecolo) bestätigt, dass man den in Belgien vorgesehenen Mindestabstand zu den Wohnhäusern auch nach Petergensfeld hin einhalten werde. Darauf habe man sich in einem kommunalen Ausschuss der Gemeinde Roetgen geeinigt, abweichend von ersten Überlegungen eines Studienbüros, berichtet Uli Deller nach einem Gespräch mit dem Roetgener Bürgermeister.

Und der Raerener Schöffe stellt klar, dass das Projekt auf beiden Seiten der Grenze noch „sehr ergebnisoffen“ sei und dass von einem „fait accompli“ keine Rede sein könne. „Es kann sein, dass letzten Endes gar keine Windräder gebaut werden. Wir prüfen vor allem ökologische und ökonomische Aspekte,“ sagt er. Es sei bisher lediglich beschlossen worden, an welchen Prinzipien sich die Gemeinde Raeren orientieren muss, wenn sie gemeindeeigene Grundstücke für die Errichtung von Windrädern verpachtet. Diese Prinzipien werden in einer Stellungnahme der Gemeinde wie folgt präzisiert:

- An erster Stelle steht die Anforderung, den Prozess in jeglicher Hinsicht transparent für die Raerener Bürger zu gestalten.

- Für eine mögliche Verpachtung wird ein Erbpachtzins erhoben, der sich transparent bezogen auf jedes einzelne Windrad aus dem Finanzplan des möglichen Investors ergibt.

- Es muss ein Entschädigungskonzept vorgelegt werden, das die ökologischen und ökonomischen Konsequenzen von Bau-, Betriebs- und Abbauphase berücksichtigt.

- Die Beteiligung der Gemeinde muss grundsätzlich drei Perspektiven öffnen: Anteilnahme, Eigentum und Betrieb.

- Die Bürger müssen über eine wirtschaftlich und juristisch unabhängige Genossenschaft Anteile kaufen können, die angemessen verzinst sind.“

Die Gemeinde Raeren wolle soweit wie möglich selbst die Bedingungen bestimmen, auch wenn die letzte Entscheidung bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft (Raumordnung) bzw. der Wallonischen Region (Umweltverträglichkeit) liege, erläutert Deller weiter. Man kläre selbst, wie die Einspeisung des Stroms erfolgen könnte. „Wahrscheinlich wäre es ökologisch und ökonomisch interessanter, unseren Strom nach Deutschland einzuspeisen“, schätzt er. „Das wäre allerdings ein Novum“, fügt er gleich hinzu. Leitungskapazitäten – auch über den Einspeisepunkt hinaus – wolle man jedenfalls auf Namen der Gemeinde Raeren reservieren lassen. Und auch die Windmessungen lasse die Gemeinde eigenverantwortlich vornehmen, um nicht von den Informationen eines möglichen Investors abhängig zu sein.

Man wolle versuchen, die Interessen eines Investors und der Bürger in Einklang zu bringen. Die technischen Möglichkeiten, den grünen Strom direkt den Raerener Bürgern und Unternehmen zukommen zu lassen, würden geprüft, sagt der Schöffe. Die Gemeinde wolle „die Entscheidung über Anzahl und Standorte der Windräder selbst in der Hand behalten“, so Deller.

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