Raerens Ehrenbürgermeister HaDiLa als Privatmann: „Jeder Tag wie ein Sonntag“

<p>„Die Verleihung des Ehrenbürgermeistertitels empfinde ich als schöne Geste des Gemeinderates.“</p>
„Die Verleihung des Ehrenbürgermeistertitels empfinde ich als schöne Geste des Gemeinderates.“ | Foto: Helmut Thönnissen

Der Bürgermeister und alle Schöffen hatten für die Ehrung ihre Amtsschärpen angelegt – „und das geschieht in Raeren nur bei ganz besonderen Anlässen“, wie Erwin Güsting unterstrich. Er überreichte seinem Amtsvorgänger die entsprechende, vom DG-Ministerpräsidenten unterzeichnete Urkunde sowie einen Restaurantgutschein und bezog auch Laschets Ehefrau Mechthilde mit einem Blumenstrauß in seine Dankesworte ein.

Der Geehrte richtete seinen Dank in bekannter Weise kurz und prägnant an die politischen Weggefährten der vergangenen drei Jahrzehnte sowie an die „gut strukturierte Gemeindeverwaltung“. Ausdrücklich widmete er seinen neuen Ehrentitel den Ehrenamtlichen in den vielen Raerener Vereinen sowie in der Politik. Es gehöre Mut dazu, sich zu engagieren und sich damit auch Kritik auszusetzen – heute, im Zeitalter der sozialen Medien, noch mehr als früher.

Das GrenzEcho stellte dem 68-jährigen Ehrenbürgermeister Hans-Dieter Laschet im Wohnzimmer seines Hauses an der Hauptstraße später einige persönliche Fragen.


Erste und wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?


Es geht mir wieder gut. Der Stress ist von mir abgefallen und das tut gut. Ich komme zur Ruhe, und das wirkt sich positiv auf meine Gesundheit aus.


Das letzte Großprojekt, das Sie als Bürgermeister angestoßen haben, ist die laufende Erneuerung der Hauptstraße. Wie sehen Sie das jetzt als Anwohner?


Ja, eigentlich müsste ich jetzt meckern (lacht). Im Ernst: Ich kenne das Projekt natürlich sehr gut und informiere mich auch gelegentlich noch darüber, wie es läuft. Eigentlich könnte man nach oben hin, in Richtung Botz, schon anfangen, die Straßenoberfläche wieder in Ordnung zu bringen, denn da ist man mit den meisten Hausanschlüssen durch. Aber natürlich werden diese Privatanschlüsse auch unten auf Driesch zuerst noch gemacht, bevor man an die Fertigstellung des Gesamtprojektes geht. Die Baustelle ist so komplex, weil wir Rücksicht auf die Geschäfte nehmen wollten und weil zu jeder Zeit irgendwie alle Zufahrten gewährleistet sein müssen – sei es auch durch eine Kraterlandschaft.


Und wie sehen Sie das große Windkraftprojekt, das der Gemeinderat bei seiner letzten Sitzung auf den Weg gebracht hat?


Das ist eine tolle Sache! Schöffe Ludwig Gielen hatte so etwas zu meiner Zeit auch schon angedacht, aber jetzt wird es richtig groß, und vor allem transparent und mit Beteiligung der Bürger gemacht. Das ist ein gutes Projekt für die heutige Zeit.


Im Rückblick: Auf welche Verwirklichungen aus Ihrer Amtszeit sind Sie stolz? Gibt es so etwas wie einen Höhepunkt?


Da will ich die Infrastruktur der Gemeinde nennen, Beispielsweise die Schulen, die sich in einem guten Zustand befinden und dem heutigen Standard entsprechen. Bei der Abwasser-Kanalisierung waren wir bei Null, heute sind wir für die Altgemeinde Raeren bald bei 90 Prozent. Darauf bin ich stolz. Ich will aber betonen, dass alle Leistungen nicht diejenigen einer einzelnen Person, sondern eines Teams sind.


Und ein Tiefpunkt?


Die Explosion mit den vielen Toten an der Fina-Tankstelle in Eynatten. Da war ich als Schöffe zusammen mit Bürgermeister Bruno Fagnoul vor Ort. Das hat an mir genagt und geht mir bis heute nicht aus dem Kopf.


Was ist „typisch HaDiLa“?


(lacht) Ich denke die schnellen Entscheidungen. Bei den Gemeinderatssitzungen habe ich nach einer ausufernden Diskussion auch mal mit der Faust auf den Tisch gehauen, wenn alles gesagt war. Da hatte ich die Hand schon für die Abstimmung oben, wenn der eine oder andere noch etwas sagen wollte.


Was bedeutet Ihnen der Titel „Ehrenbürgermeister“? Wo werden Sie die Urkunde aufhängen?


Meine Urkunden und Orden habe ich tatsächlich zuletzt sortiert. Sie finden in meinem Büro einen Platz. Die Verleihung des Ehrenbürgermeistertitels empfinde ich als eine schöne Geste des Gemeinderates. Besonders gefreut habe ich mich übrigens über meine Amtsschärpe, die mir beim Abschied schön eingefasst als Geschenk überreicht worden war. Die hat einen Ehrenplatz in meinem Büro.


Sie haben die Ehrung den Ehrenamtlichen gewidmet. Warum?


Ob im Sozialbereich, in Sport, Kultur oder Politik, das Ehrenamt ist sehr wichtig. Heutzutage muss man sich so manche Frechheit anhören, wenn man sich öffentlich engagiert.


Bleiben Sie noch in irgendeiner Form politisch oder anders aktiv?


Ich bin Mitglied im KBRMA (Kommunaler Beratender Raumordnungs- und Mobilitätsausschuss, AdR.), weil das Thema mich auch persönlich sehr interessiert. Und ich habe natürlich weiter gelegentlich Kontakte mit den heutigen Gemeindeverantwortlichen und mit der Verwaltung. Wenn man mich braucht, stehe ich mit Rat und Tat zur Seite. Aber man muss auch loslassen können.

Viel Spaß machen mir auch die gelegentlichen Treffen der ostbelgischen Ex-Bürgermeister. Diese Initiative war noch von Alfred Lecerf ins Leben gerufen worden, der ihre Verwirklichung leider nicht mehr miterleben durfte.


Haben Sie Hobbys?


Ja, Schwimmen und Wandern. Das habe ich jetzt durch meine Frau kennengelernt, die es schon immer machte. Wir haben schöne Freundesgruppen, das macht mir Spaß. Und wir verreisen häufig und gerne.


Führen Sie noch einen Terminkalender?


Ja, ich versuche auch, die elektronischen Wege zu nutzen. Da, wo ich früher als Bürgermeister ein dickes Buch hatte, reicht mir heute ein kleines Heftchen. Für mich ist sozusagen jeder Tag ein Sonntag.

<p>Januar 1989: Hans-Dieter Laschet (sitzend, ganz links) wurde soeben als dritter Schöffe gewählt. Seine Zuständigkeiten damals: Bauwesen, Gemeindeeigentum und Umwelt. Neben ihm übrigens der heutige Bürgermeister Erwin Güsting, damals erster Schöffe.</p>
Januar 1989: Hans-Dieter Laschet (sitzend, ganz links) wurde soeben als dritter Schöffe gewählt. Seine Zuständigkeiten damals: Bauwesen, Gemeindeeigentum und Umwelt. Neben ihm übrigens der heutige Bürgermeister Erwin Güsting, damals erster Schöffe. | Foto: GE-Archiv

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