Russland-Einspruch gegen Vierjahressperre am Donnerstag?

<p>Rusada-Chef Juri Ganus ist skeptisch.</p>
Rusada-Chef Juri Ganus ist skeptisch. | Foto: Photo News

Die Vierjahressperre gegen Russland hat den Weltsport in Aufregung versetzt, und jetzt steht bereits die nächste wegweisende Entscheidung an: Wenn der Aufsichtsrat der Rusada am Donnerstag zu seiner Aufsichtsratssitzung zusammenkommt, sieht alles nach einem Einspruch gegen die Sanktionen aus. Eine monatelange Hängepartie vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wäre die Folge, ein Urteil bis zu den Olympischen Spielen in Tokio (24. Juli bis 9. August) fraglich.

„Wir haben allen Grund, Klage beim CAS einzureichen“, hatte Russlands Staatspräsident Wladimir Putin bereits kurz nach der Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) erklärt. Wenig deutet derzeit darauf hin, dass Russland die Strafe wegen manipulierter Daten aus dem Anti-Doping-Labor akzeptiert.

Wie die Chancen Russlands vor dem CAS stehen, scheint ungewiss. Rusada-Chef Juri Ganus rechnet nicht mit einem Erfolg. „Es gibt keine Möglichkeit, diesen Fall vor Gericht zu gewinnen“, sagte er. Andere Experten sind skeptischer - doch schon jetzt wird über die Auslegung der Sanktionen diskutiert. Das heißeste Eisen, ein möglicher Entzug der Eishockey-WM 2023, die an Putins Geburtsstadt St. Petersburg vergeben wurde.

„Ich sehe nicht, wie ein Wechsel (des Ausrichters, d. Red.) rechtlich gehen soll, ich denke nicht, dass es geändert wird“, hatte Rene Fasel bereits vor dem WADA-Urteil der russischen Nachrichtenagentur TASS gesagt. Der Schweizer ist Präsident des Weltverbands IIHF und derzeit ein gefragter Mann - Eishockey ist immerhin die erklärte Lieblingssportart Putins.

„Wir haben Verträge, wir haben Sponsoren“, sagte Fasel. Schließlich sei ja auch schon mit den Bauarbeiten begonnen worden. Das Turnier soll auch in einer neuen Halle stattfinden, extra gebaut für die WM. Zuschauerkapazität: Zwischen 21.500 und 23.000. Es wird die größte Eishockey-Arena Europas. Auch die Juristen, so Fasel, wüssten nicht, wie Russland das Event entzogen werden könne.

Fasel spielt mit seinen Äußerungen unmissverständlich auf ein Schlupfloch in den WADA-Bestimmungen an. Demnach müssen bereits vergebene Großereignisse Russland nur weggenommen werden, wenn dies „rechtlich und praktisch“ möglich sei. Und obwohl das Turnier erst in vier Jahren stattfindet, ist es das für Fasel offensichtlich nicht.

Allerdings steht in den maßgeblichen Regeln auch, dass die Sportverbände sicherstellen müssen, dass sie die entsprechenden Verträge mit den Ausrichtern ohne Strafe kündigen können - sollte es zu solchen Sanktionen wie jetzt gegen Russland kommen. Vergeben wurde die WM im Mai 2019 an Russland, die WADA-Bestimmungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits ein Jahr in Kraft.

Anders sieht es dagegen im Rodeln aus, dort findet bereits Mitte Februar die WM in Sotschi statt. Christoph Schweiger, Exekutivdirektor des Weltverbandes FIL, bekräftigte am vergangenen Wochenende im Deutschlandfunk, dass nach aktuellem Stand die Titelkämpfe wie geplant stattfinden würden.

Denn selbst, wenn die RUSADA die Strafe akzeptiert, wäre das WADA-Urteil nach Donnerstag noch nicht rechtskräftig. Dann hätten weitere betroffene Parteien wie das russische Olympia-Komitee ROC oder internationale Sportverbände weitere 21 Tage Zeit für einen Einspruch. Die Frist würde dann erst Ende Januar auslaufen - zu kurz für die Suche nach einem neuen Ausrichter.

Auch bei anderen Verbänden herrscht noch Verwirrung. Unter anderem darüber, welche russischen Sportler möglicherweise als „neutrale Athleten“ an den Start gehen dürfen.

Ein Sprecher der Internationalen Biathlon-Union (IBU) teilte auf Anfrage mit, dass noch unklar ist, wie konkret mit der Entscheidung umgegangen werden müsse. Man stehe derzeit in Verbindung mit der WADA. Die Biathlon-WM findet vom 12. bis 23. Februar in Antholz statt.

(sid)

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