„Gedenken und Lehren ziehen“: Ausstellung in der St.Vither Kirche beleuchtet nicht nur Krieg

Als die Wehrmacht am 10. Mai 1940 in St.Vith einmarschierte, wurden die Soldaten mit Kaffee und Kuchen, Hitler-Gruß und Hakenkreuz-Fahnen begrüßt. Der Nährboden für revanchistische Ideen bestand seit dem Zeitpunkt, als die Kreise Eupen und Malmedy in Folge des Ersten Weltkriegs Belgien zugesprochen hatte. Es gab eine gewisse Bewunderung für Maßnahmen jenseits der Grenze, beispielsweise Adolf Hitlers Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.

Wie Klaus-Dieter Klauser von ZVS erklärt, war die hiesige Bevölkerung gespalten. Die Wahlen zeigten, dass die Bevölkerung je zur Hälfte pro-deutsch oder pro-belgisch eingestellt war. Entsprechend war bei einem Teil der Menschen die Begeisterung groß, als das nationalsozialistische Regime ein deutschsprachiges Gebiet nach dem anderen wieder an sich riss.

„Doch recht bald trat Ernüchterung ein, denn der Kriegsalltag mit Rationierungsmaßnahmen, Parteidiktatur und den ersten toten Soldaten brachte auch die letzten Sympathisanten der NS-Herrschaft zum Nachdenken“, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung.

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Kommentare

  • Nicht alle sind nur auf billige Propaganda hereingefallen in Belgien. Der Kommunismus, der sich da näherte, war ja auch ein echtes Thema, von dem Westeuropa dich bedroht sah, die Briten vielleicht weniger als Frankreich. Der Holodomor war ja schon wahr geworden und wenigstens die katholische Kirche konnte über die Ausdehnung des Kommunismus nicht lachen. Die Buddhisten später noch weniger. Es war eine sehr mutige Entscheidung Roosevelts sich auf die Seite der Stalins zu Stellen und das Deutsche Reich wie mit einem Nussknacker von zwei Seiten zu beenden. Die große Wallnuss hat es nicht überstanden. So war es aus meiner Sicht damals auch möglich sich auf die deutsche Seite zu verirren, Grundbesitzer und Eigentümer erwarteten ja alle nichts Gutes vom Kommunismus. Wer konnte schon ahnen, wie Hitler sich tatsächlich entwickelte und wie schnell sich auch die Gegner anglichen. Zum Glück, muß man sagen, hat die Lektion der Amerikaner gesessen und wir können heute wieder eine Freiheit genießen, die ganz amerikanisch ist. Von vorne besehen waren Irrtümer möglich, in der Rückschau nicht. Gut das Hitler den Krieg verloren hat. Ob das Sowjetreich sich wirklich weiter nach Westen ausgedehnt hätte? Vermutlich war Stalin in Polen wirklich mit dem erreichten zufrieden. Zum Glück haben wir heute im Westen Europas die amerikanische Hegemonie, die schon im kalten Krieg gut funktionierte. Allein Abschreckung hätte wohl auch zuvor genügt. Heute sind die Kommunisten in unseren Parlamenten ein gutes Beispiel für Antifaschismus und bestärken unsere multikulturelle Welt. Man spürt heute den langsamen amerikanischen Rückzug der USA aus Europa. Vielleicht müssen wir das hinnehmen. Vielleicht ist es ein Fehler der USA, die enge Bindung an Europa zu lösen.

  • Schau ich mir die belgische Kriegsgeschichte an, gehört im zweiten Weltkrieg natürlich auch der der Holocaust, also die Shoa dazu. Zufällig stiess ich beim Lesen über belgische Biermarken auf Mechelen und dort nicht nur auf den Zusammenhang mit Heineken, sondern auch auf dieses finsterste Kapitel von uns Deutschen, die Vernichtung der Juden. Von Mechelen aus wurden fast 26.000 tausend Menschen nach Ausschwitz deportiert. Solange Deutscheland also die militärische Kontrolle hatte, gingen auch die Transporte von Mechelen nach Ausschwitz weiter. Wie gut, daß Hitler den Krieg verloren hat und wie tragisch für viele, daß nicht auch Stalin ihn am selben Tag verlor. Doch so stark waren die West-Alliierten nicht, um auch das andere Monstrum zu besiegen. Immerhin konnte Belgien auch keine Sowjetrepublik mehr werden und hatte das Glück der Befreiung von Westen her. Die Deutschen waren in ihrem Zweifrontenkrieg natürlich schon hoffnungslos unterlegen und die Ardennenoffensive warb ein ebenso hoffnungsloser Versuch wie verzweifelter Versuch, die Treibstoffversorgung der Alliierten in Antwerpen zu erreichen und deren Vormarsch zum Stehen zu bringen. Verglichen mit den Seelower Höhen, wo die Rote Armee über 40.000 Geschützte und 1 Millionen Rotarmisten in Stellung gebracht hatte, war diese letzte Auseinandersetzung im Westen mehr ein heranführen der Amerikaner an das Reich und wirklich erreichten sie die Elbe schon bald darauf. Der mutige US-Einsatz hatte sich also strategisch sehr gelohnt. Die USA beschützen Belgien damit auch von Osten her. Stalin hatte zum Glück genug erobert, seit er in Georgien aufgebrochen war. Ausschwitz wurde am 27. Januar 1945 befreit. So überlebten von den letzten Transporten aus Mechelen noch einige hundert Belgier. Gott sei es gedankt. Für die Ostdeutschen würden die Lager der Nazis jetzt Lager für Deutsche. Im Westen gab es Lager wie die Rheinwiesen und Internierungslager etwa der Briten, in denen "Entnazifiziert" wurde. Mein Vater wurde aus der Schlacht von Budapest, die der Ardennenoffensive folgte wegen eines Durchschuss zum Meldefahrer und für die letzten Wochen nach Gotenhafen bei Danzig verlegt, wo die Rote Armee gerade ankam. Er sah noch die Gustloff untergehen und begleitete den letzten Flüchtlingstreck bis durch Stettin. Die Flüchtlinge wurden schon durchgehend von der Roten Armee zum Strand gedrängt. Wie harmlos war der Krieg im Westen.

  • Zur Ardennenoffensive las ich auch schon, dass es den Deutschen nicht um Konfrontation ging, sie wollten den Amerikanern ausweichen und unsichtbar bleiben, um möglichst weit Richtung Antwerpen zu kommen wegen der Treibstoffreserven dort. Ganze Teile der Armee suchten jedenfalls den Kontakt zum Gegner, vielleicht weil sie zbV waren, also zur besonderen Verwendung gestellt waren, was im Militäralltag Munitionskisten streichen bedeutete. Mein Vater war ja auch in der Gegend, beim Nachschub und konnte andere zbV stellen, oft waren sie auch Vorhut, wenn mit einem Studebaker-Lastwagen nachts Munition nach vorne gefahren werden musste, im Schritttempo.

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