„In Bereitschaftspflegefamilien sollte mindestens eine Person sehr kurzfristig zur Verfügung stehen können und beruflich flexibel sein“, erklärt Michael Mertens, Sozialarbeiter im Pflegefamiliendienst: „Ideal ist es, wenn diese Familien bereit wären, auch Geschwisterkinder aufzunehmen. So müssen diese in ihrer schwierigen Situation nicht getrennt werden.“ Während einer Bereitschaftspflege finden häufige Besuchskontakte mit den Eltern statt, um die Beziehung aufrecht zu erhalten. Eine solche Pflegschaft kann ein paar Tage oder auch bis zu sechs Monate dauern. „Ich wollte Familien, die in Notsituationen geraten sind, helfen, damit sie dann wieder mit ihren Kindern zusammenleben können“, erklärt Renate, Bereitschaftspflegemutter eines Geschwisterpaars: „Für mich war im Kopf immer klar: ‚Du bist die Pflegefamilie und hilfst nur für eine gewisse Zeit‘. Meine eigenen vier Kinder habe ich bereits großgezogen, ich hatte kein Bedürfnis nach Kinderersatz.“
Ein Beispiel: Sara, 6 Monate alt, wird von den Nachbarn allein in der Wohnung ihrer jungen Mutter gefunden. Da die Mutter nicht erreichbar ist, wird Sara vorerst in einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht. In den nächsten Wochen wird überprüft, ob Sara wieder zu ihrer Mutter zurückkehren kann. Wie in diesem Beispiel läuft das Familienleben manchmal sehr plötzlich aus dem Ruder. In solchen Situationen vermittelt der Pflegefamiliendienst der Deutschsprachigen Gemeinschaft die betroffenen Kinder kurzfristig und für eine begrenzte Dauer in Bereitschaftsfamilien. In anderen Situationen ist es möglich, die Aufnahme der Kinder vorzubereiten. Ein Beispiel: Petra ist alleinerziehende Mutter von Leon (7) und Roman (5). Für eine Rückenoperation muss sie für drei Wochen ins Krankenhaus. In dieser Zeit werden Leon und Roman von einer Bereitschaftspflegefamilie betreut.
Patenschaften können eine Entlastung für die Eltern und eine außerfamiliäre Ressource für die Kinder sein. Patenfamilien nehmen Kinder am Wochenende oder in Ferienzeiten auf. Dies ermöglicht Eltern sowie Kindern eine kleine Auszeit und den Kindern neue Lernerfahrungen in einem anderen familiären Umfeld.
Insgesamt werden in Ostbelgien aktuell 69 Kinder von Pflege- und Patenfamilien betreut: 54 Kinder leben langfristig in neuen Familien, ein Kind befindet sich in Bereitschaftspflege und 14 werden von Paten betreut. Der Pflegefamiliendienst informiert interessierte Familien oder Einzelpersonen unverbindlich durch Informationsabende in Bütgenbach und Eupen oder auf Anfrage. In persönlichen Gesprächen und einem Seminar bereitet der Dienst außerdem die Bewerber auf ihre Rolle als Pflege- oder Patenfamilie vor. (red/mv)
Die Infoabende finden am 12. November (19 Uhr) beim Pflegefamiliendienst in Eupen (Aachener Straße 62) und am 19. November (19 Uhr) Zum Walkerstal 20/1/1 in Bütgenbach statt.

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren