Eine zumindest leichte Überbewertung des Immobilienmarktes in Belgien sei durchaus gegeben, unterstreicht Philippe Ledent, anerkannter Ökonom der ING mit Blick auf die Preisentwicklung der vergangenen Jahre. Gerade in Brüssel, wo die Preisspirale auch im laufenden Jahr weiter scheinbar unaufhaltsam nach oben weist.
In der Zwischenzeit liegt der Durchschnittspreis für ein Haus in der Hauptstadt bei 469.597 €, ein weiterer Preisanstieg von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit diesem Preis rangiert ein Haus in Brüssel stattliche 80,5 Prozent über dem Landesdurchschnitt mit aktuell 260.145 €
Quasi genauso hoch war die Steigerungsrate für ein durchschnittliches Appartement (plus 3,6 Prozent), für das ein Interessent in Brüssel derzeit im Schnitt 249.071 € zahlen muss. „Es ist schon auffällig, wie weit und wie schnell die Schere zwischen der Hauptstadt und den übrigen Landesteilen auseinandergeht.“
In Zahlen: Im Jahre 2014 war ein Appartement in Brüssel im Schnitt 15.000 € teurer als anderswo in Belgien, fünf Jahre später ist der Unterschied auf 23.000 € angestiegen, also auf knapp zehn Prozent des heute realen Kaufpreises.
Als positives Signal für den belgischen Markt (und ebenso in Ostbelgien) wird allseits das Profil der Interessenten respektive Käufer erachtet. Die seit Jahren bekannte und bewährte Asymmetrie quer durch alle Generationen kennt durchaus einen demografischen Eckpunkt, nämlich die Altersklasse zwischen 25 und 40 Jahren.
„Es sind mehr denn je die jüngeren Familien, die den Immobilienmarkt befeuern“, freut sich Philippe Ledent über „dieses überaus wichtige Signal“. Im Vorjahr waren „beachtliche vierzig Prozent der Käufer zum Zeitpunkt des Immobilienerwerbs jünger als 35 Jahre“. Was den „Trend hin zu frühem Eigentum“ untermauert - gerade mit Blick auf den Häusermarkt.
Dagegen ist die Situation bei den Appartements insgesamt etwas ausgewogener, wo auch junge Leute kaufen, aber die Generation ab 50+ einen deutlich größeren Anteil ausmacht. „In der Zwischenzeit liegt die Quote der Käufer über 60 Jahre immerhin noch bei zehn Prozent.“
Freilich trennen sich nahezu zwei Drittel dieser „neuen“ Käufer im Zuge des Erwerbs eines Appartements zeitgleich von ihrem vorherigen Eigenheim, nicht selten mit teils beträchtlichem Grund und Boden - was ihnen aufgrund des fortschreitenden Alters in der Zwischenzeit aber zu groß, zu beschwerlich und zu kostenspielig geworden ist.

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