Königspaar taucht in Gotha in eigene Familiengeschichte ein

„Das Buch der Bücher“ nannte es ein Historiker im Schloss Friedenstein, dem Stammschloss der Sachsen-Coburg und Gotha, erbaut im 17. Jahrhundert von Ernst dem Frommen, die „Akten des Gothaischen Hofkalenders“. In der Tat war das Fürstenhaus in Europa bestens „vernetzt“, wie man heute sagen würde. So fanden auch die Belgier nach ihrer Revolution und der Errichtung einer konstitutionellen Monarchie den Weg nach Gotha. Und Prinz Leopold, den umgekehrten Weg nach Belgien. Dort begründete er die heutige Dynastie der Könige der Belgier. Das war eingangs der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts.

Auch heute noch unterhält man gute Kontakte zwischen Brüssel und Gotha, wie uns Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg beim Besuch von Schloss Friedenstein in Gotha versichert „Man trifft sich ein- bis zweimal im Jahr“, König Philippe ist Patenonkel seines Sohnes. Zur Begrüßung gab es Brot und Salz, zwei Gaben, die man bei unseren östlichen Nachbarn überreicht, wenn jemand eine Wohnung oder ein Haus bezieht.

Zwar gehört das Schloss heute einer Stiftung, aber die Erinnerungsstücke konnten bewahrt werden. So zeigte man dem Königspaar ein Foto einer Hochzeitsgesellschaft auf Schloss Friedenstein, auf dem die „Creme de la Creme“ des europäischen Adels der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu erkennen ist. Queen Elisabeth von England hatte die illustre Gesellschaft nach Gotha gebracht.

Vorher, so einer der Wächter des Schlosses und seiner Sammlung, hatte König Leopold I. seinen Neffen Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und seine Nichte, Prinzessin Victoria, zusammengeführt. Victoria war die rechtmäßige Erbin des englischen Thrones und ging in die Weltgeschichte ein. Im Festsaal des Schlosses gab es darüber hinaus ein großes Originalplakat zum 25. Thronjubiläum von König Leopold im Sommer 1856 zu bewundern. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow überreichte König Philippe eine Kopie dieses Plakates als Erinnerung.

König Philippe und Königin Mathilde genossen sichtlich das Eintauchen in die Familiengeschichte. Zum Abschluss des Besuches auf dem Schloss gab es im hauseigenen Theater im Barockstil einen Auszug aus Molières „L’Ecole des maris“, passend zu dem Schloss, von dem aus zahlreiche Sprösslinge den Weg in Königshäuser in ganz Europa fanden.

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