60 Sekunden für die Bewerbung gegen Trump

<p>Die Debatte musste wegen der hohen Anzahl an Teilnehmern gesplittet werden.</p>
Die Debatte musste wegen der hohen Anzahl an Teilnehmern gesplittet werden. | Foto: Reuters

Elizabeth Warren wartete nicht. Die erste TV-Debatte der Demokraten im Vorwahlkampf hatte gerade erst begonnen, da lief die 70-Jährige bereits zu Höchstform auf. Die linksliberale Senatorin ließ sich ausführlich darüber aus, dass von der guten wirtschaftlichen Lage in den USA derzeit nur die oberen Schichten profitieren würden, nicht aber die unteren. Die Moderatorin hatte von Warren wissen wollen, was sie Menschen sagen würde, die sich darum sorgten, dass ihre Pläne der Wirtschaft schaden könnten. Es war eine Frage wie gemacht für Warren, die sich dem Kampf gegen die Wall Street verschrieben hat, und sie konnte damit zu Beginn den Ton angeben. Aber die Senatorin sollte nicht die einzige Gewinnerin dieses Abends bleiben.

Die erste TV-Debatte der Demokraten war mit Spannung erwartet worden - und sie lieferte einen Vorgeschmack darauf, wie zäh der parteiinterne Auswahlprozess bei den Demokraten noch werden könnte. 25 Bewerber schicken sich an, Donald Trump als Kandidat bei der eigentlichen Wahl im November 2020 herauszufordern. Es sind so viele wie noch nie in der Geschichte der Partei, und das macht den Verlauf des Rennens unkalkulierbar. Weil das Feld so groß ist, musste die TV-Debatte in zwei Runden aufgeteilt werden: Zehn Bewerber waren am Mittwochabend dran, zehn weitere sollten einen Tag später folgen. Die übrigen fünf hatten sich nicht qualifiziert.

Für die Bewerber aus der zweiten Reihe steht viel auf dem Spiel bei den Debatten, weil es eine seltene Gelegenheit ist, sich einem nationalen Publikum zu zeigen. Bislang konnten sich nur fünf Kandidaten in Umfragen gut positionieren: Ex-Vizepräsident Joe Biden führt das Feld an, gefolgt von dem linken Senator Bernie Sanders, seinen Kolleginnen Elizabeth Warren und Kamala Harris sowie dem Bürgermeister Pete Buttigieg, wie aus einer Übersicht des Portals RealClearPolitics hervorgeht, das einen Schnitt aller Umfragen ermittelt. Die anderen Kandidaten schlagen sich mit Werten im untersten Bereich herum. Womöglich wird sich das Feld noch vor der ersten Vorwahl in Iowa im Februar 2020 wieder ausdünnen.

Elizabeth Warren hatte am ersten Abend einen Vorteil, weil keiner der anderen aus dem Spitzenfeld auf der Bühne stand. Biden und Sanders sind erst in der zweiten Runde dran. Die Senatorin aus Massachusetts, die als erste der Kandidaten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump forderte, die die großen Techkonzerne zerschlagen will und die höhere Steuern für Reiche fordert, konnte im ersten Teil überzeugen. Dann aber kam sie beim Thema Einwanderung kaum zu Wort.

Hier hatte Julian Castro, Wohnungsbauminister unter Barack Obama und der einzige Latino im Rennen, starke Momente. Als „herzzerreißend“ bezeichnete er das Bild eines toten Vaters und seiner kleinen Tochter, die Berichten zufolge vor ein paar Tagen beim Versuch, in die USA zu gelangen, im Rio Grande ertranken. Castro sagte, sollte er gewählt werden, wolle er Trumps Null-Toleranz-Politik an der Grenze rückgängig machen. Man nahm ihm ab, dass ihm das Thema sehr am Herzen liegt. Er konnte als einer der Underdogs mit einem souveränen Auftritt glänzen.

Zwei Stunden dauerte die Debatte, sechzig Sekunden hatte jeder Teilnehmer Zeit für eine Antwort, weitere 30 Sekunden gab es zur Beantwortung von Nachfragen. Fünf Moderatoren teilten sich die Fragen untereinander auf. Die Themen reichten von der wirtschaftlichen Lage über die Gesundheitsversorgung bis zu den Spannungen mit dem Iran. Oft trugen die Bewerber lediglich ihre Positionen vor, richtige Diskussionen entstanden selten. Unterm Strich waren sich alle in ihrer Ablehnung von Trumps Politik einig, nur in der Frage der richtigen Lösung gingen die Antworten weit auseinander. (dpa)

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