Viertägiger Ausflug führte Mitglieder des ZVS auf die Spuren der Romantik in den Harz

<p>Auf ihrem viertägigen Ausflug in den Harz stand für die Teilnehmer der Reise des Kgl. Geschichts- und Museumsvereins Zwischen Venn und Schneifel St.Vith auch die Besichtigung des Schlosses von Wernigerode auf dem Programm.</p>
Auf ihrem viertägigen Ausflug in den Harz stand für die Teilnehmer der Reise des Kgl. Geschichts- und Museumsvereins Zwischen Venn und Schneifel St.Vith auch die Besichtigung des Schlosses von Wernigerode auf dem Programm. | Foto: privat

Ostbelgien

Der viertägige Ausflug des Kgl. Geschichts- und Museumsvereins Zwischen Venn und Schneifel (ZVS) führte in diesem Jahr in den Harz auf die Spuren der Romanik. Der größte erhaltene mittelalterliche Profanbau Deutschlands, die Kaiserpfalz in Goslar, war die erste historische Station der Reise.

Wir begaben uns dort auf die Spuren der ottonischen und salischen Kaiser und Könige. Die ersten Herrscher des Reiches waren, um das riesige Reich verwalten zu können, Reisekönige, die von Pfalz zu Pfalz zogen. So kam auch der berühmteste Vertreter der Ottonen, Otto I., der Große genannt, 940 in den Königshof Büllingen und veranlasste dort die Erstellung einer Privilegienurkunde des Klosters Lorsch.

Die Reise des ZVS führte in die Stammlande der mächtigen deutschen Herrscher in den Harz und dort war der zweite Zielort Quedlinburg. Ein unscheinbares Kleinod der Romanik, die Sankt Wiperti Kirche, war Startpunkt des Quedlinburger Rundgangs und befand sich unterhalb des Stiftsbezirks.

Die Quitilinga Burg war zur Zeit des ersten deutschen Königs und Kaisers, Heinrich I., einer der wichtigsten Orte. Auf dessen Burgberg residierte bis zu seiner Auflösung 1803 der mit königlichen Privilegien ausgestattete mächtige Damenstift St. Servatii.

Die Nationalsozialisten missbrauchten die geschichtsträchtige romanische Stiftskirche zu Quedlinburg als SS-Weihestätte.

Hoch über der Stadt thront heute noch die imposante romanische Stiftskirche zu Quedlinburg. In jüngster Geschichte wurde hier aber auch ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte aufgeschlagen. Die Nationalsozialisten missbrauchten unter Heinrich Himmler den geschichtsträchtigen Bau als SS-Weihestätte. Die durchgeführten Umbaumaßnahmen zeugen heute noch von dem hohen Symbolgehalt der Kirche und des Grabes des ersten römisch-deutschen Königs und Kaisers Heinrich I. für die Nazis.

An der vorletzten Station machten sich die ZVS-Ausflügler auf den Weg hoch zum Schloss Wernigerode, wo einst die Fürsten zu Stolberg-Wernigerode residierten. Ein geschichtsträchtiger Ort, der unter anderem auch interessant in Bezug auf die DDR-Vergangenheit ist. Das Schloss war nämlich einer von drei Depotorten, wo nach dem Zweiten Weltkrieg alle Familienschätze und Möbel der enteigneten Adligen und Großgrundbesitzer deponiert wurden. In der späteren DDR-Geschichte wurden alle Gegenstände ins „Eigentum des Volkes“ übergeben und den Besitzern nicht zurückgegeben

Die Aufgabe der heutigen Mitarbeiter unter der Leitung von Claudia Grahmann ist es, diese enteigneten Güter ihren ursprünglichen Besitzern rückzuführen, bzw. das Material mit ungeklärten Besitzverhältnissen zu konservieren.

Die ZVS-Gruppe erhielt die exklusive Möglichkeit, in Genuss einer höchst informativen Führung von Frau Grahmann durch einen Teil der 23.000 Teile umfassenden Magazine zu kommen. Ein Teil der Gruppe wurde zeitgleich von einem ehemaligen Kommilitonen des ZVS-Präsidenten, Dr. Steffen Wendlik, ebenfalls äußerst kompetent durch die öffentlich zugänglichen Schlossräume geführt.

Die Gruppe konnte mithilfe der Führung in Erfahrung bringen, dass die Grafen zu Stolberg-Wernigerode ebenfalls eine Verbindung ins kleine Belgien besaßen. Die Fürsten aus der bunten Stadt am Harz waren für einige Jahre durch Erbsache im Besitz der Grafschaft Rochefort in Belgien.

Die zweite Wernigeröder Etappe führte dann hinunter in die farblich herausgeputzte Fachwerkstadt. Der Präsident des Geschichtsvereins, Dr. Jens Giesdorf, besaß in gewisser Weise Exklusivrecht, die Besucher durch seine eigene Geburts- und Heimatstadt zu führen.

In zwei Jahren soll die Normandie angesteuert werden.

Die positive Resonanz des Ausfluges hat die Organisatoren von ZVS veranlasst, eine Neuauflage des Viertagesausflugs vorzusehen. Eine Umfrage bei den Teilnehmern hat auch schon die Zielregion ergeben, die in zwei Jahren am Christi Himmelfahrtswochenende angesteuert werden soll, nämlich in die Normandie.

Dort möchten sich die Teilnehmer des Geschichtsvereins sowohl mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte, als auch mit der jüngeren Geschichte, insbesondere derjenigen des D-Days, befassen.

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