Die Empfehlungen wurden symbolisch an Parlamentspräsidentin Patricia Creutz-Vilvoye (CSP), Ministerpräsident Paasch und den Vorsitzenden des Bürgerrats überreicht. Inhaltlich werden sie erst am 14. Dezember in einer öffentlichen PDG-Ausschusssitzung vorgestellt.
Die 13 Empfehlungen verteilen sich auf fünf Themenbereiche. So sprechen sich die Bürger unter anderem dafür aus, den bestehenden Sektorenplan zu überarbeiten, die Zersiedelung einzudämmen und vorhandene Bauflächen besser zu nutzen. In den Ortskernen sollen neue Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser und sogenannte Tiny Houses gefördert werden. Weitere Vorschläge betreffen die Begrünung der Ortschaften, den Schutz der Wasserressourcen und nachhaltigere Gewerbegebiete. Auch die Schaffung von Begegnungsorten, der Abbau bürokratischer Hürden bei Baugenehmigungen sowie eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit gehören zu den Empfehlungen.
Anna Stuers, Ständige Sekretärin des Bürgerdialogs, dankte den Teilnehmern für ihre Ausdauer und die konstruktive Zusammenarbeit. Noch am Samstagmorgen hatten sie ab 9 Uhr an den Empfehlungen gefeilt. Raumordnung sei ein komplexes Thema, das zugleich jeden Menschen im Alltag betreffe. Es sei auch nie darum gegangen, aus den Teilnehmern Fachleute für Raumordnung zu machen. „Die Teilnehmer sind Experten ihres eigenen Alltags“, betonte sie. Die Altersspanne reichte von 16 bis 83 Jahren. Nun liege der Ball bei der Politik. Niemand erwarte, dass sämtliche Empfehlungen eins zu eins umgesetzt würden. Wichtig sei allerdings eine transparente Rückmeldung darüber, welche Vorschläge aufgegriffen werden und welche nicht.
Wie bereichernd die gemeinsame Arbeit trotz unterschiedlicher Meinungen gewesen sei, schilderte Teilnehmer Boris Servais. Er sprach von viel gesundem Menschenverstand, gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Wunsch, das Zusammenleben in Ostbelgien zu verbessern. Besonders bemerkenswert sei gewesen, dass die Gruppe ihre Empfehlungen im Dialog und ohne Abstimmungen im Konsens erarbeiten konnte.

Auch die jüngste Teilnehmerin, die 16-jährige Suraya Basic aus Kelmis, zog eine positive Bilanz. Anfangs habe sie kaum gewusst, was sich hinter dem Begriff Raumordnung verberge. Die Mitarbeit habe ihr jedoch neue Perspektiven eröffnet. „Ich hoffe, dass meine Teilnahme andere junge Menschen dazu motiviert, mitzumachen.“ Sie bezeichnete den Bürgerdialog als wertvollen Beitrag zur Demokratie und regte an, ähnliche Beteiligungsformen auch auf nationaler und europäischer Ebene einzuführen.

Parlamentspräsidentin Patricia Creutz-Vilvoye bedankte sich ebenfalls bei den Teilnehmern und versicherte, dass sich das Parlament intensiv mit den Empfehlungen beschäftigen werde. Ministerpräsident Oliver Paasch verwies auf die langfristige Bedeutung der anstehenden Entscheidungen. Was heute in der Raumordnung beschlossen werde, betreffe noch kommende Generationen. Raumordnung sei die „Kunst des Kompromisses“ zwischen unterschiedlichen berechtigten Interessen, etwa den Bedürfnissen der Wirtschaft und dem Wunsch der Menschen nach einem intakten Lebensumfeld. Deshalb wolle er den Empfehlungen nicht vorgreifen. „Ich bin wirklich neugierig, was hier drin steht.“ Die Regierung werde sich bemühen, möglichst viele der Vorschläge aufzugreifen. Wie die Politik konkret mit den Empfehlungen umgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Zunächst werden sie am 14. Dezember im zuständigen Parlamentsausschuss öffentlich vorgestellt.

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