Stellenabbau bei Covestro: 260 Jobs in Antwerpen bedroht

<p>Der deutsche Chemiekonzern Covestro will seine Produktion in Antwerpen deutlich zurückfahren.</p>
Der deutsche Chemiekonzern Covestro will seine Produktion in Antwerpen deutlich zurückfahren. | Foto: afp

Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sollen drei der vier Produktionslinien für Polycarbonat in Antwerpen stillgelegt werden. Auch die Herstellung von Bisphenol A (BPA), einem wichtigen Ausgangsstoff für den Kunststoff, soll eingestellt werden. Betroffen wären sowohl Mitarbeiter in der Produktion als auch Beschäftigte in unterstützenden Bereichen.

Hinter den Plänen stehen erhebliche wirtschaftliche Probleme. Seit 2022 schreibt die Polycarbonatproduktion in Antwerpen nach Unternehmensangaben kontinuierlich Verluste. Allein 2025 beliefen sich diese auf mehrere zehn Millionen Euro.

Ein wesentlicher Grund ist die weltweite Überproduktion. Seit 2020 sind die globalen Produktionskapazitäten für Polycarbonat um mehr als 30 Prozent gestiegen, insbesondere durch neue Anlagen in Asien. Die weltweite Auslastung sank dadurch von mehr als 80 auf rund 65 Prozent.

„Für Covestro wird es immer schwieriger, die in Europa hergestellten Materialien wettbewerbsfähig und rentabel zu vermarkten“, erklärte Unternehmensdirektorin Susanne Buchholz. Ohne Anpassungen sei die langfristige wirtschaftliche Zukunft des Antwerpener Standorts gefährdet.

Großinvestition bleibt bestehen

Trotz des geplanten Stellenabbaus will Covestro den Großteil seiner Aktivitäten in Antwerpen fortführen. Die verbleibende Polycarbonatlinie soll sich künftig auf hochwertige Spezialprodukte konzentrieren.

Zudem hält der Konzern an einer Investition von mehreren Hundert Millionen Euro in eine neue Anilin-Produktionsanlage fest. Die Bauarbeiten laufen bereits seit 2022. Durch das Projekt sollen rund 40 neue Arbeitsplätze entstehen.

Am Donnerstag ist das Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern nach dem sogenannten Renault-Gesetz gestartet. Die geplanten Stellenstreichungen sind damit noch nicht endgültig beschlossen.

Die Ankündigung folgt nur einen Tag auf die Umstrukturierungspläne des Pharmakonzerns GSK, bei dem in Belgien bis zu 1.217 Arbeitsplätze bedroht sind. (belga/calü)

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