Stellenabbau bei GSK: Proteste in Wavre und Rixensart gehen weiter

<p>Protest vor den Werkstoren von GSK: Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreter blockieren die Zugänge zu den Standorten Wavre und Rixensart. Sie wehren sich gegen den geplanten Abbau von bis zu 1.217 Arbeitsplätzen in Belgien.</p>
Protest vor den Werkstoren von GSK: Beschäftigte und Gewerkschaftsvertreter blockieren die Zugänge zu den Standorten Wavre und Rixensart. Sie wehren sich gegen den geplanten Abbau von bis zu 1.217 Arbeitsplätzen in Belgien. | Foto: belga

An den Werkstoren von GSK herrscht am Donnerstagmorgen Ausnahmezustand. Sowohl die Haupteingänge als auch die Nebenzufahrten der Standorte Wavre und Rixensart bleiben blockiert. Nur wenige Beschäftigte dürfen passieren. „Wir lassen ausschließlich Personen hinein, die sich um die Tiere kümmern müssen, sowie Mitarbeiter, die aus Sicherheitsgründen Zugang benötigen“, erklärte Karim Aifa, Gewerkschaftsvertreter der FGTB für Führungskräfte, am Donnerstagmorgen.

Der Protest richtet sich gegen die am Mittwoch angekündigte Umstrukturierung des britischen Pharmakonzerns. In Belgien könnten bis zu 1.217 Arbeitsplätze wegfallen, darunter 482 Stellen von Angestellten und 735 von Führungskräften.

Die Ankündigung hat bei den Beschäftigten offenbar tiefe Spuren hinterlassen. „In mehr als 30 Jahren habe ich noch nie so viele Menschen vor den Eingängen gesehen“, berichtete Aifa. Seiner Einschätzung nach werde den Mitarbeitern allmählich das volle Ausmaß der Pläne bewusst.

Gewerkschaften wollen weiterkämpfen

Die Blockaden hatten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag begonnen. Setca-Gewerkschaftsvertreter Anthony Morelli hatte zunächst eine Dauer von mindestens 24 Stunden angekündigt. Ferner haben die Gewerkschaften gemeinsam eine unbefristete Streikankündigung hinterlegt.

Im Laufe des Donnerstags wollen die Arbeitnehmervertreter über ihre nächsten Schritte beraten. Dass sich der geplante Stellenabbau noch erheblich reduzieren lässt, hält Aifa zwar für schwierig. Aufgeben wollen die Gewerkschaften aber nicht.

„Wir haben wenig Hoffnung, die Zahl der Stellenstreichungen drastisch senken zu können. Aber wir glauben trotzdem daran“, sagte er. Man werde versuchen, kreative Lösungen zu finden, um die Folgen für die Beschäftigten so weit wie möglich abzufedern.

Auch möglichen internen Versetzungen steht der Gewerkschafter vorsichtig gegenüber. Anders als bei einer früheren Umstrukturierung im Jahr 2020 könnten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieses Mal weniger Spielraum bieten.

Regierung verlangt möglichst wenige Kündigungen

Unterdessen wächst auch der politische Druck auf GSK. Nach der Ankündigung empfingen Premierminister Bart De Wever (N-VA), der föderale Arbeitsminister David Clarinval (MR), der Ministerpräsident der Wallonie, Adrien Dolimont (MR), und der wallonische Wirtschaftsminister Pierre-Yves Jeholet (MR) am Mittwochabend zunächst Arbeitnehmervertreter und anschließend die Konzernführung.

Bei den Gesprächen erläuterte das Unternehmen die Hintergründe der geplanten Umstrukturierung und die Schwierigkeiten, mit denen sich der Pharmasektor konfrontiert sieht. Gleichzeitig versicherte GSK, weiterhin in Belgien aktiv bleiben und durch Investitionen die Zukunft seiner Standorte sichern zu wollen.

Die Regierungen forderten die Unternehmensführung auf, die sozialen Folgen der Umstrukturierung so gering wie möglich zu halten, die Zahl der Entlassungen auf ein Minimum zu reduzieren und freiwillige Abgänge zu bevorzugen.

Zugleich pocht die Föderalregierung auf die strikte Einhaltung der sogenannten Renault-Prozedur. Dieses schreibt bei geplanten Massenentlassungen ein Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern vor. Föderalminister Clarinval soll sicherstellen, dass dieser Prozess vollständig und rechtzeitig durchgeführt wird.

Weitere Gespräche mit Gewerkschaften und Konzernführung sollen zeitnah folgen.

Für die Regierungen steht dabei mehr als die Zukunft einzelner Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die angekündigte Umstrukturierung unterstreiche, wie wichtig es sei, die Wettbewerbsfähigkeit der belgischen Pharmaindustrie zu stärken und ihre Verankerung im Land langfristig zu sichern, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung. (belga/calü)

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