Einsamkeit betrifft viele Menschen, unabhängig von ihrem Alter oder ihrer Lebenssituation. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist weltweit jeder sechste Mensch davon betroffen. Dabei ist Einsamkeit weit mehr als ein unangenehmes Gefühl: Sie kann nachweislich krank machen, soziale Bindungen schwächen und das Gefühl gesellschaftlicher Teilhabe untergraben. Gerade mit Beginn der dunkleren Jahreszeit kann das Gefühl, allein zu sein, stärker in den Vordergrund rücken. Die Ländlichen Gilden möchten etwas dagegen unternehmen und setzen deshalb ihre im vergangenen Jahr gestartete Aktion „GemEinsam – Wochen gegen Einsamkeit“ fort.
Die Idee dahinter ist einfach: Bibliotheken und Dorfhäuser öffnen während ihrer regulären Öffnungszeiten ihre Türen für Menschen, die Gesellschaft suchen oder sich einfach mit anderen austauschen möchten. Wer Lust auf ein Gespräch hat, kann vorbeikommen, Platz nehmen und mit anderen Besuchern ins Gespräch kommen. „Wenn man sich zusammentut, geht es jedem ein bisschen besser“, brachte Salima Alâadany, Referentin für Dorfentwicklung bei den Ländlichen Gilden, den Gedanken hinter der Initiative bereits im Gespräch mit dem GrenzEcho bereits vergangenen Jahr auf den Punkt.
Nachdem die Aktion im vergangenen Jahr erstmals durchgeführt wurde, soll sie nun nach dem Willen der Ländlichen Gilden zu einem festen Bestandteil des Dorflebens werden. Künftig steht jeweils die dritte Woche eines Monats im Zeichen des gemeinsamen Austauschs. Den Auftakt bildet die Woche vom 19. bis zum 25. Oktober.
Im vergangenen Jahr hatten alle teilnehmenden Einrichtungen Kuchen oder ähnliche Kleinigkeiten angeboten. Diesmal wird das Angebot flexibler gestaltet. Einige Bibliotheken beteiligen sich auch ohne Bewirtung, während andere Unterstützung erhalten. So stellt die Bäckerei Fonk für manche Einrichtungen Kuchen zur Verfügung. In einigen Dörfern engagieren sich zudem Ehrenamtliche, die selbst backen. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht die Verpflegung, sondern die Begegnung. Die Initiatoren möchten unkomplizierte Gelegenheiten schaffen, bei denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen können. Gerade Bibliotheken und Dorfhäuser böten sich dafür an, da sie bereits wichtige Treffpunkte des gesellschaftlichen Lebens sind.
Zum Start beteiligen sich sechs Bibliotheken: die Bibliothek Kelmis (Schulstraße 12), die Bibliothek Walhorn (Dorfstraße 22), die Bibliothek Hauset (Kirchstraße 128), die Bibliothek Weywertz (Lindenstraße 18), die Bibliothek Elsenborn (Unter den Linden 11) sowie die Bibliothek Wirtzfeld (Kirchenseite 13). Ab November kommen zwei weitere Treffpunkte hinzu: die Bibliothek St. Joseph in der Eupener Oberstadt (Simarstraße 4) und das Dorfhaus Oudler. Die Liste ist allerdings nicht abgeschlossen. Weitere Bibliotheken und Dorfhäuser können sich der Initiative anschließen. Interessierte Einrichtungen erhalten von den Ländlichen Gilden entsprechende Informationsflyer, um auf die Aktion aufmerksam zu machen.
Neben den Begegnungsmöglichkeiten in den Einrichtungen möchten die Ländlichen Gilden auch die Bevölkerung zum Mitmachen bewegen. Ihr Aufruf: Jeder soll sechs Minuten seiner Zeit einem anderen Menschen schenken. Dafür brauche es weder eine besondere Veranstaltung noch großen organisatorischen Aufwand. Schon ein kurzes Gespräch mit einem Nachbarn, mit dem man sonst kaum Kontakt hat, könne einen Unterschied machen. Die Ländlichen Gilden möchten damit zeigen, dass auch kleine Gesten dazu beitragen können, Einsamkeit entgegenzuwirken und das Miteinander in den Dörfern zu stärken.
Die Aktion fügt sich in das längerfristige Engagement der Ländlichen Gilden ein. Seit 2021 beteiligt sich die Organisation an der Umsetzung des Leitbilds „Ostbelgien leben 2040“. Ziel ist es, Dorfbewohner bei eigenen Initiativen zu unterstützen, Projekte professionell zu begleiten und finanziell zu fördern. Auf diese Weise sollen die Dörfer als lebendige und lebenswerte Orte erhalten und weiterentwickelt werden. Weitere Infos sowie die aktuelle Liste der teilnehmenden Bibliotheken und Dorfhäuser sind unter laendlichegilden.be abrufbar.

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