Der Anwalt Thierry Lacoste, Jugendfreund und ehemaliger Berater von Fürst Albert II., ist wegen des Verdachts auf Korruption und weitere Straftaten förmlich beschuldigt worden. Zuvor war er seit Mittwoch in Polizeigewahrsam gewesen. Nach Abschluss seiner Vernehmungen und zweimaliger Verlängerung des Gewahrsams wurde Lacoste am Samstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Gegen ihn wurde ein förmliches Strafverfahren unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, aktiver Bestechung eines nationalen Amtsträgers, passiver Einflussnahme und Geldwäsche eröffnet. Anschließend wurde er unter gerichtliche Aufsicht gestellt. Lacoste bestreitet die Vorwürfe und gilt weiterhin als unschuldig.
Im Zentrum der Ermittlungen steht das gescheiterte Großprojekt „Esplanade des Pêcheurs“, eine Mischung aus Immobilienprojekt, Museum und Bereichen für die Formel 1. Ausgangspunkt der Ermittlungen ist eine Beschwerde des monegassischen Immobilienmagnaten Patrice Pastor. Bei dem Projekt war es zu einem langen Rechtsstreit zwischen dem Fürstentum und dem Unternehmen Caroli gekommen. Der monegassische Staat wurde dazu verurteilt, Caroli mit 136 Millionen Euro zu entschädigen – zuzüglich seit 2018 aufgelaufener Zinsen. Fürst Albert II. persönlich und der monegassische Staat traten in dem Verfahren als Zivilparteien auf. Lacostes Kanzlei weist die Anschuldigungen zurück. Der Immobilienunternehmer sei unzufrieden, weil ihm bestimmte Projekte im Fürstentum nicht zugesprochen worden seien, und versuche nun, die monegassische Justiz zu seinem Vorteil zu instrumentalisieren. Lacostes Seite sieht darin eine Umkehrung der Rollen: Menschen, die jahrelang gegen Korruption gekämpft hätten, würden nun selbst der Korruption und Einflussnahme beschuldigt.
Die Auseinandersetzung reicht weit über Lacoste hinaus. Seit 2021 sorgen die anonym veröffentlichten „Dossiers du Rocher“ für eine juristische und mediale Schlammschlacht in Monaco. Darin wurden vier damalige Vertraute Alberts II., die sogenannten „G4“, beschuldigt, das Fürstentum unter ihre Kontrolle bringen zu wollen. Zu ihnen gehören neben Lacoste auch der frühere Präsident des Obersten Gerichtshofs, Didier Linotte, sowie der ehemalige Verwalter des fürstlichen Vermögens, Claude Palmero. Mehrere Beteiligte gerieten inzwischen selbst ins Visier der Justiz. Linotte wurde bereits im Juni 2025 wegen Korruptionsverdachts unter Justizaufsicht gestellt. Palmero wurde Anfang dieses Jahres wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses beschuldigt und im März nach einer Beschwerde der Fürstenfamilie zudem wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses und der Privatsphäre.
Die Affäre reicht inzwischen bis in die politische Führung des Fürstentums. Im Sommer 2025 sagte ein neu ernannter Regierungschef nur eine Woche vor seinem geplanten Amtsantritt ab. Er begründete den Schritt damit, dass bereits im Vorfeld versucht werde, ihn an einer erfolgreichen Amtsführung zu hindern. Für Monaco ist die Affäre auch deshalb heikel, weil der Finanzplatz seit Langem wegen Defiziten im Kampf gegen Geldwäsche und Finanzkriminalität in der Kritik steht. Die Europäische Kommission nahm das Fürstentum 2025 auf eine Liste von Staaten mit strategischen Mängeln in diesem Bereich. (belga/dpa/sc)

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