Inzwischen sind 2,03 Prozent aller Arbeitnehmer in Belgien älter als 66 Jahre und damit über dem gesetzlichen Rentenalter. Im ersten Halbjahr 2025 hatte ihr Anteil noch bei 1,60 Prozent gelegen. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Beschäftigten über 66 damit um 24,4 Prozent. Das Wachstum fiel fast viermal so stark aus wie im Vorjahreszeitraum.
Acerta führt die Entwicklung vor allem auf den neuen Rentenbonus zurück. Wer seinen Ruhestand über das gesetzliche Rentenalter hinaus aufschiebt und weiterarbeitet, kann dadurch zusätzliche Rentenansprüche aufbauen. Die neue Regelung wurde zwar erst am 1. Juni 2026 im Staatsblatt veröffentlicht, gilt aber rückwirkend seit dem 1. Januar.
Belgiens Arbeitswelt wird älter
Der Trend geht allerdings über die jüngste Rentenreform hinaus. Die belgische Erwerbsbevölkerung altert seit Jahren. Zwischen 2018 und 2026 stieg das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer von 42,4 auf 44,1 Jahre. Mitte 2026 war bereits jeder achte Beschäftigte – zwölf Prozent – mindestens 60 Jahre alt.
Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen Angestellten und Arbeitern. Das Durchschnittsalter der Angestellten ist seit 2018 um 25,7 Monate gestiegen, bei Arbeitern waren es lediglich 10,5 Monate. Während Arbeiter 2018 im Schnitt noch 1,8 Jahre älter waren als Angestellte, beträgt der Abstand inzwischen nur noch 0,6 Jahre.
Ellen Van Grunderbeek, Rentenexpertin bei Acerta, sieht einen möglichen Grund in der unterschiedlichen Art der Arbeit. „Dass das Durchschnittsalter der Angestellten auf dem Arbeitsmarkt schneller steigt als das der Arbeiter, lässt sich wahrscheinlich durch die Art ihrer Tätigkeiten erklären“, sagt sie.
Körperlich belastende Berufe führten bei Arbeitern häufiger zu einem früheren Ausscheiden aus dem Berufsleben, während Angestellte leichter länger arbeiten könnten. Zudem starteten Arbeiter ihre berufliche Laufbahn im Allgemeinen früher und könnten dadurch auch früher in den vorzeitigen Ruhestand gehen.
Für die Untersuchung wertete Acerta die Daten von 390.000 Arbeitnehmern bei 31.000 Arbeitgebern aus dem belgischen Privatsektor aus. (belga/calü)

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