Hohe Kosten und schwache Reserven: Belgien steuert auf Rekordjahr bei KMU-Insolvenzen zu

<p>Fast 12.000 Pleiten erwartet: Belgischen KMU droht schwerstes Insolvenzjahr seit 2017.</p>
Fast 12.000 Pleiten erwartet: Belgischen KMU droht schwerstes Insolvenzjahr seit 2017. | Foto: picture alliance/dpa

Die Prognose basiert auf den offiziellen Insolvenzzahlen des belgischen Statistikamtes Statbel für die Monate Januar bis Juli. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr erwartet Unizo 11.486 Pleiten bei Kleinstunternehmen mit bis zu neun Beschäftigten. Bei Betrieben mit zehn bis 49 Mitarbeitern könnten weitere 379 Insolvenzen hinzukommen. Insgesamt wären das 11.865 Firmenpleiten.

Auch die Insolvenzquote dürfte steigen. Unizo erwartet, dass sie mit 1,02 Prozent erstmals seit Jahren wieder die Marke von einem Prozent überschreitet. Besonders viele Pleiten gibt es zwar weiterhin bei den kleinsten Unternehmen. Relativ betrachtet geraten jedoch auch etwas größere KMU zunehmend unter Druck: Bei Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten könnte die Insolvenzquote auf 1,25 Prozent steigen.

Für Unizo ist die Entwicklung eine Folge mehrerer Krisen, die sich in den vergangenen Jahren überlagert haben. „Diese Zahlen zeigen, dass viele KMU ihre Reserven aufgebraucht haben. Jahre aufeinanderfolgender Krisen haben ihre Margen ausgehöhlt“, erklärt Unizo-Geschäftsführer Bart Buysse.

Zunächst hätten explodierende Energiepreise und die hohe Inflation die Unternehmen belastet. Danach seien kräftige Lohnindexierungen hinzugekommen. „Heute schlagen auch die hohen Finanzierungskosten immer stärker zu Buche“, so Buysse. Kredite seien deutlich teurer geworden, zugleich werde die Refinanzierung für Unternehmen schwieriger.

Hinzu komme ein wachsender Wettbewerbsdruck. Vor allem kleinere Betriebe, die bei der Digitalisierung nicht schnell genug mithalten könnten, gerieten gegenüber großen Unternehmen und ausländischen Plattformen zunehmend ins Hintertreffen, warnt Buysse.

Unizo fordert deshalb bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen und eine Begrenzung der Kosten. Der Verband nennt unter anderem kontrollierbare Lohnkosten, einfachere Vorschriften und einen Abbau der administrativen Belastung als notwendige Maßnahmen. (belga/calü)

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