Wie stark der Brand den Tourismus getroffen hat, soll eine aktuelle Erhebung von Tourisme Wallonie in Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden und der Tourismusagentur Ostbelgien zeigen. Befragt wurden Beherbergungsbetriebe in 14 Gemeinden, darunter die zwölf Gemeinden des Naturparks Hohes Venn-Eifel sowie Kelmis und Lontzen. Von 1.128 angeschriebenen Betrieben beteiligten sich bis vergangenen Freitag 258 an der Umfrage.
Die vorläufigen Zahlen verdeutlichen die Folgen: Rund ein Drittel der teilnehmenden Betriebe war unmittelbar vom Brand betroffen. 88 Unterkünfte mussten zeitweise schließen. Dadurch reisten fast 1.740 Gäste vorzeitig ab oder verkürzten ihren Aufenthalt. Die Zahlen seien aufgrund der noch begrenzten Rücklaufquote mit Vorsicht zu interpretieren, geben aber einen ersten Eindruck von den wirtschaftlichen Auswirkungen. Bei einigen Betrieben reichen die Stornierungen bereits bis Ende September.
Gleichzeitig soll vermieden werden, dass der Eindruck entsteht, das gesamte Venn sei für Besucher geschlossen. „Das Hohe Venn auf eine andere Art“ lautet deshalb das Motto einer neuen Initiative von VISITWallonia. Eine neue Internetseite bündelt Wanderungen, Aktivitäten und Übernachtungsmöglichkeiten, die je nach aktueller Zugänglichkeit des Gebiets genutzt werden können. Eine Übersicht mit häufig gestellten Fragen soll Besuchern zusätzliche Orientierung geben, ebenso eine aktuelle Karte mit den zugänglichen Bereichen.
Parallel dazu wird bereits an längerfristigen Maßnahmen gearbeitet. Alternative Routen sollen entwickelt, die Beschilderung verbessert und Besucherströme besser verteilt werden. Gemeinsam mit dem Forstamt, dem Naturpark Hohes Venn und weiteren Partnern soll anschließend die Wiederherstellung der vom Feuer betroffenen Flächen vorbereitet werden.
Dabei steht nicht allein die touristische Wiederöffnung im Mittelpunkt. Das Feuer hat deutliche Spuren in einem empfindlichen Naturraum hinterlassen. Die Wiederherstellung werde deshalb Zeit benötigen und müsse schrittweise erfolgen.
Für die Tourismusminister Valérie Lescrenier und Gregor Freches bietet die Katastrophe zugleich Anlass, über die Zukunft nachzudenken. Der nachhaltige Tourismus soll weiterentwickelt werden, wobei der Naturschutz, die Lebensqualität der Bevölkerung und eine ausgewogene Steuerung der Besucherströme stärker in den Mittelpunkt rücken.
„Dieses Feuer erinnert uns daran, wie kostbar und zerbrechlich das Hohe Venn ist“, betonen die beiden Minister. Es gehe deshalb nicht darum, möglichst schnell zum Zustand vor dem Brand zurückzukehren. Das Gebiet müsse widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels gemacht werden – und gleichzeitig ein Naturraum bleiben, der Besucher und Bewohner gleichermaßen berücksichtigt. (red/ab)

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