Uni Lüttich gründet Taskforce für die Zukunft des Hohen Venns

<p>Es müsse verhindert werden, dass sich invasive Arten im Hohen Venn ausbreiten, so eine Taskforce der Uni Lüttich.</p>
Es müsse verhindert werden, dass sich invasive Arten im Hohen Venn ausbreiten, so eine Taskforce der Uni Lüttich. | Foto: belga

Koordiniert wird die Initiative der Lütticher Universität von der Professorin Sybille Mertens, Beraterin an der Universität Lüttich für den ökologischen und sozialen Wandel. Sie erkennt eine gewisse Frustration, wie sie der Zeitung „L’Avenir“ erklärt. Die Wissenschaft habe gewarnt, dass eine Gefahr bestehe. Trotzdem habe man nun erleben müssen, „wie ein Gebiet, das uns sehr am Herzen liegt, in Flammen aufgegangen ist“.

Aus dieser Ernüchterung sei der Wunsch entstanden, die wissenschaftliche Expertise stärker und vor allem schneller einzubringen. Wissenschaft müsse für politische Entscheidungsträger „zugänglich und verständlich“ gemacht werden, sagte Sybille Mertens. Gerade die Wiederherstellung des Venns werde eine äußerst komplexe Aufgabe.

Auch wenn das Feuer noch lange im Torfboden schwelen kann, dränge die Zeit. Die Professorin spricht davon, „den Moment zu nutzen“. Der Brand habe die Menschen aufgewühlt, gleichzeitig aber auch eine außergewöhnliche Zusammenarbeit verschiedener Akteure ermöglicht. Als Beispiel nennt sie die internationale Kooperation während der Brandbekämpfung. Diese Dynamik dürfe nun nicht wieder verloren gehen. „Es wäre wichtig, den Austausch zwischen den Beteiligten fortzusetzen – auch mit den deutschen und flämischen Partnern“, betont sie. Ziel müsse ein besser abgestimmtes Risikomanagement über die Grenzen hinweg sein. „Wenn wir es jetzt nicht tun, werden andere dringende Themen auftauchen und diese Frage wird wieder in den Hintergrund rücken.“

Eine der ersten Aufgaben der Taskforce besteht deshalb darin, das bereits vorhandene Wissen zusammenzuführen. In einem zweiten Schritt soll die Wissenschaft gemeinsam mit den zuständigen Behörden klären, welche Daten noch fehlen und welche Maßnahmen auf dem Gelände dringend erforderlich sind. Erst auf dieser Grundlage lasse sich der tatsächliche Zustand des Naturschutzgebiets beurteilen.

Dabei dürfe die Dringlichkeit nicht dazu führen, dass langfristige Fragen zu kurz kommen. „Es besteht kurzfristig ein dringender Handlungsbedarf, um Risiken zu bewältigen und das Bestehende zu schützen“, sagt Mertens. Gleichzeitig müsse man sich die Zeit nehmen, „eine abgestimmte wissenschaftliche Diagnose zu erstellen und sich die Zukunft dieses Gebiets für die nächsten 100 Jahre vorzustellen“.

Welche konkreten Folgen der Brand haben wird, müssen die jeweiligen Fachwissenschaftler noch im Detail untersuchen. Mertens warnt jedoch bereits vor mehreren möglichen Folgen. Durch die Zerstörung von Moorflächen könne unter anderem das Risiko einer Wasserverschmutzung im Einzugsgebiet steigen. Auch die Hochwassergefahr könnte zunehmen, berichtet sie in „L’Avenir“. „Schon bei den Überschwemmungen der Weser konnte das Venn ihre Funktion als natürlicher Wasserspeicher nicht vollständig erfüllen, weil die Umwelt bereits geschädigt war.“

Umso wichtiger sei es nun, die noch intakten Bereiche zu schützen und Möglichkeiten zur Verbesserung des Wasserrückhalts zu prüfen. Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass sich invasive Arten ausbreiten und die ohnehin stark geschwächten Ökosysteme zusätzlich unter Druck setzen.

Für Mertens geht es deshalb um weit mehr als um die Wiederherstellung der vom Feuer zerstörten Flächen. „Es ist eine langfristige Überlegung zur gesamten Raumplanung, die wir anstellen müssen“, sagt sie. Das Hohe Venn müsse widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel werden. Denn das Ziel könne nicht darin bestehen, das Naturschutzgebiet einfach möglichst originalgetreu wiederherzustellen. Entscheidend sei vielmehr, „dafür zu sorgen, dass es nicht extrem anfällig bleibt und nicht schon bald erneut – und dann vielleicht auf noch größerer Fläche – in Flammen aufgeht“. (red/ab)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment