Die Creg warnt vor den finanziellen Folgen des neuen Entwicklungsplans von Elia für das belgische Hochspannungsnetz. Die umfangreichen Investitionen würden bei unveränderter Politik zu einem „erheblichen Anstieg der Transporttarife“ führen, heißt es in einer Stellungnahme der Regulierungsbehörde.
Der noch nicht endgültige föderale Entwicklungsplan 2028-2038 umfasst die großen Projekte, die Elia im kommenden Jahrzehnt umsetzen will. Dazu gehören unter anderem die Hochspannungsleitung „Boucle du Hainaut“, neue Stromverbindungen mit den Nachbarländern sowie die Energieinsel Prinzessin Elisabeth in der Nordsee. Elia beziffert die Investitionen in Projekte, die zwischen 2028 und 2038 in Betrieb genommen oder begonnen werden sollen, auf „rund 24 Milliarden Euro“.
Auf Grundlage der bislang verfügbaren Informationen erwartet die Creg zwischen 2028 und 2031 einen weiteren Anstieg der Stromtransporttarife um 50 bis 60 Prozent. Elia bestätigt diese Größenordnung. In den Jahren nach 2031 könnten die Tarife bei unveränderter Politik und gleichbleibenden finanziellen Rahmenbedingungen gegenüber dem Niveau von 2028 bis 2031 nochmals um 40 bis 50 Prozent steigen, schätzt die Creg.
Die Regulierungsbehörde weist dabei auf ein Ungleichgewicht hin: Der Anstieg der Transporttarife infolge der geplanten Investitionen sei „sicher“, während „das Ausmaß der positiven Auswirkungen des Ausbaus der grenzüberschreitenden Verbindungen auf die Marktpreise häufig noch nachgewiesen werden muss und von zahlreichen externen Faktoren abhängt“. Die Creg bedauert zudem, dass Elia „diese Aspekte bei der Vorstellung seiner Projekte nicht ausreichend gegeneinander abwägt“.
Elia verteidigt die geplanten Investitionen.
Elia räumt ein, dass die Entwicklung der Netzkosten für Haushalte und Unternehmen ein wichtiger Punkt sei. Zugleich betont der Hochspannungsnetzbetreiber die gesellschaftliche Notwendigkeit der geplanten Investitionen vor dem Hintergrund eines sich rasch verändernden Strombedarfs. „Der föderale Entwicklungsplan zielt daher darauf ab, die Voraussetzungen zu schaffen, um den heutigen Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig an einem nachhaltigen Stromsystem für künftige Generationen zu arbeiten“, erklärte Elia.
Die Transporttarife machen allerdings nur einen Teil der Stromrechnung aus. In der Wallonie entfallen laut Creg knapp ein Drittel der gesamten Stromrechnung eines Verbrauchers auf die Netzkosten, zu denen sowohl die Verteilungs- als auch die Transporttarife gehören. Ein Anstieg der Transporttarife um 50 bis 60 Prozent bedeutet somit nicht, dass die Stromrechnung der Haushalte im gleichen Umfang steigt.
Kritisch beurteilt die Regulierungsbehörde zudem die Szenarien, mit denen Elia die Entwicklung des künftigen Stromverbrauchs abschätzt. Zwar sei eine mittel- und langfristige Prognose schwierig. Nach Einschätzung der Creg neigen die Berechnungen von Elia jedoch dazu, den Anstieg des Stromverbrauchs zu überschätzen.
Trotz der zunehmenden Elektrifizierung, etwa im Verkehrssektor, blieb die Stromnachfrage in Belgien im vergangenen Jahrzehnt mit rund 80 bis 85 Terawattstunden relativ stabil. In den vergangenen Jahren ging sie infolge der Corona-Pandemie und der Energiekrise sogar eher zurück.
Die Creg empfiehlt vor diesem Hintergrund, „darauf zu achten, die Auswahl optimistischer Szenarien durch konservativere Szenarien zur Ermittlung des Bedarfs des Stromsystems zu ergänzen, um die Unsicherheiten hinsichtlich des tatsächlichen Tempos der Elektrifizierung besser widerzuspiegeln“. (belga/nico)

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