Die 51 Jahre alte bisherige Justizkanzlerin erzielte im ersten Wahlgang die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit in der Volksvertretung Riigikogu in Tallinn. Sie war die einzige nominierte Kandidatin. Ihre Einführung in das höchste Staatsamt Estlands mit vorwiegend repräsentativen Aufgaben ist für den 12. Oktober geplant.
Madise wird den bisherigen Präsidenten Alar Karis ablösen, der auf eine Kandidatur für eine zweite fünfjährige Amtszeit verzichtet und sich nicht zur Wiederwahl gestellt hatte. Sie wird dann Estlands zweite Präsidentin nach Kersti Kaljulaid, die von 2016 bis 2021 als Staatsoberhaupt amtierte.
71 Stimmen in einer geheimen Wahl
Bei der geheimen Wahl erhielt Madise die Stimmen von71 der insgesamt 101 Abgeordneten.Sieben Wahlzettel wurden leer abgegeben. Die übrigen Parlamentarierwaren abwesend oder nahmen nicht an der Wahl teil.Nominiert worden war sie von 75 Abgeordneten der beiden Regierungsparteien und zweier Oppositionskräfte.
In einer knapp zehnminütigen Ansprache versprach Madise, sich als Präsidentin für das Wohlergehen Estlands einzusetzen, das die vorderste Frontlinie für die Sicherheit ganz Europas und des gesamten freien Westens bilde. Zu außenpolitischen Themen äußerte sie sich in ihrer Rede nicht.
Deutschsprachiger Brockhaus-Fan
Madise ist seit 2015 estnische Justizkanzlerin. In dieser Funktion überwacht sie als unabhängige Ombudsfrau die Verfassungs- und Rechtsmäßigkeit der Gesetzgebung und des staatlichen Handelns. Die fließend Deutsch sprechende Juristin war viele Jahre als Rechtsprofessorin an der Technischen Universität Tallinn sowie an der Universität Tartu tätig. Auch war sie Rechtsberaterin des früheren estnischen Staatspräsidenten Toomas Hendrik Ilves.
Geprägt und persönlich beeinflusst wurde Madise nach eigenen Angaben von Enzyklopädien und besonders vom deutschen Nachschlagewerk Brockhaus, das sie während ihres Studiums zum Lernen benutzte. „Die deutsche Sprache ist für mich die Sprache der Wissenschaft“, sagte sie einmal. Madise ist zugleich eine starke Verfechterin der estnischen Sprache und einer klaren öffentlichen Kommunikation. (dpa/calü)

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