Wenn Wohnträume plötzlich schmelzen

<p>Selbst ist der Mann respektive die Frau, wenn die Hitze in den eigenen oder angemieteten vier Wänden unerträglich ist. So etwa durch die „Verzahnung“ von Schirmen auf dem Balkon, um sich der Sonne zu erwehren.</p>
Selbst ist der Mann respektive die Frau, wenn die Hitze in den eigenen oder angemieteten vier Wänden unerträglich ist. So etwa durch die „Verzahnung“ von Schirmen auf dem Balkon, um sich der Sonne zu erwehren. | Fotos: shutterstock / fotalia

Jedenfalls könnte in Zukunft der Klimawandel allen zusetzen, die ein Haus oder eine Wohnung besitzen (oder erwerben möchten). Gleich zwei Hitzewellen innerhalb von gerade mal sieben Wochen - das sind Zahlen, die schrecken nicht allein die „Wetterfrösche“ am Institut Royal Météorologique“ (IRM) auf, sondern ebenfalls die Immobilien- und Baubranche. Mit der bangen Zukunftsfrage, inwieweit der belgische Markt diesem neuerlichen Rekord mittel- bis langfristig „standhalten“ kann.

Immerhin dürfte der verflossene Sommer zum wahrscheinlich heißesten überhaupt seit Erfassung der Daten im Jahr 1833 aufsteigen. Ein Ergebnis, dass das Königliche Meteorologische Institut (KMI) offiziell erst Anfang September vorlegen wird. Doch nach Aussage vom David Dehenauw vor Wochenfrist läuft es letztlich darauf hinaus.

Ein Blick zurück: Bis dato gilt der Sommer 2018 als der extremste - mit 19,8 Grad im Schnitt für die Monate Juni/Juli/August (gemäß meteorologischer „Zeitrechnung“, die in diesem Jahr nachdrücklich bestätigt wurde).

„Aktuell gehen wird von einem Mittelwert aus, der um circa ein halbes Grad über den durchschnittlichen Temperaturen von 2018 liegen wird.“ Heißt: 20,3 Grad und damit erstmals der Sprung über die „Schallmauer“. „Und es dürfte in naher Zukunft kaum besser werden“, so die nachvollziehbare Einordnung. Eine fatale und spürbar gesundheitsgefährdende Entwicklung, die nicht allein mit dem Run auf Klimaanlagen zu „kontern“ ist.

Moderner Hitzeschutz hat einen hohen Preis

Zugegeben… In Ostbelgien sind die Menschen Ende Juni oder Anfang August nicht - wie etwa in Großbritannien - fluchtartig ins Hotel umgesiedelt, um in klimatisierten Räumen eine zu Hause nicht mehr mögliche Abkühlung zu erfahren. Dennoch dürften die zunehmend extremeren Temperaturen zwischen Mitte Juni und Mitte August auch in unserem Land zum Nach- und bestenfalls zum Umdenken führen.

Jedenfalls steht die Branche vor der Feststellung, dass vermehrte Hitzewellen den Immobilienmarkt durchaus verändern (können). Früher prägten drei Faktoren den Preis: Lage, Lage, Lage. Doch schon bei der Lage können klimatische Einwirkungen eine gestiegene Rolle spielen.

Denn Südlage ganz ohne Schatten ist zwischenzeitlich nicht mehr nach jedermanns Geschmack. Demnach wird die Frage nach kühlen Räumen im Sommer bei Kauf und Miete immer drängender. Schlecht isolierte Wohnungen unterm Dach oder aufgeheizte Stadtviertel ohne Nähe zu satten Grünflächen mit Baumbestand verlieren erkennbar an Wert, während kühle Lagen und moderner Hitzeschutz - wenngleich oft spürbar teurer - verstärkt gefragt sind.

Konkret: Vermehrte Hitzesommer verändern die Kriterien bei Hauskauf und Wohnungssuche. Vorerst vielleicht noch eher sporadisch, doch bei vermehrt über dreißig bis knapp vierzig Grad rücken neue Aspekte zunehmend in den Fokus.

Weiter Komfort vor Klimawandel

Ein Meteorologe tritt unserer Gegend nicht zu nahe, wenn er Ostbelgien als nicht gerade tropisch bezeichnet. Und dennoch merken Immobilienmakler, dass Interessenten bei Besichtigungen andere Fragen stellen als zuvor. Fragen, die ebenfalls Architekten ihren Kunden vorlegen. Nur… „Es braucht weiterhin hartnäckige Überzeugung“, so ein Architekt in der Eifel. „Ungeachtet der unübersehbaren Veränderungen, die gerade in diesem Sommer jeder am eigenen Leib spüren konnte, fällt es nach wie vor recht schwer, Bauherren von einem passenden Klimakonzept zu überzeugen.“ Zwar räumt er ein, dass sich gerade jüngere Interessenten verstärkt mit den baulichen Optionen für einen verbesserten Klimaschutz auseinandersetzen. „Oft aber eher theoretisch. Auf diese oder jene Option lassen sie sich schon ein - meist nach intensivem Drängen und auch dann teils nur halbherzig.“ Auch da solche Maßnahmen oft stark aufs Budget drücken, das beim aktuellen Zinssatz für einen Baukredit eh schon stark strapaziert ist. Oder anders ausgedrückt: „Abstriche beim Komfort zugunsten des Klimas fallen schwer“ - trotz heute regelmäßiger Temperaturen deutlich über dreißig Grad.

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