„Wir unterstützen den Kampf gegen Alkoholmissbrauch“, betont der Verband. Dieser könne jedoch geführt werden, „ohne eine ganze Branche an den Pranger zu stellen“.
Am 27. März 2026 hatte sich der Ministerrat auf strengere Regeln für Alkoholwerbung verständigt. Neben dem verpflichtenden Gesundheitshinweis soll es künftig verboten sein, Zeitschriften kostenlose alkoholische Getränke beizulegen. Auch Influencer und Medien mit einem großen jungen Publikum dürfen demnach keine Werbung mehr für alkoholische Getränke machen.
Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) setzt damit ein bereits länger angekündigtes Vorhaben um. Er will verhindern, dass junge Menschen frühzeitig mit Alkoholwerbung in Kontakt kommen. Studien zufolge erhöht ein früher Alkoholkonsum das Risiko eines späteren Missbrauchs.
„Mit diesen Maßnahmen begrenzen wir, wie stark Minderjährige Alkoholwerbung ausgesetzt sind“, erklärte Vandenbroucke damals. „Gleichzeitig informieren wir Erwachsene mit der neuen Gesundheitsbotschaft korrekt.“
Die belgischen Brauereien versuchen nun, die Maßnahme noch zu verhindern. Konkret soll der Gesundheitshinweis auf sämtlicher Werbung für alkoholische Getränke erscheinen. Auf Etiketten und Verpackungen soll er hingegen nicht verpflichtend sein.
Nach Ansicht von Krishan Maudgal, Geschäftsführer des Brauereiverbandes, stigmatisiert der Warnhinweis „unnötig eine ganze Branche, die für Investitionen, Tausende Arbeitsplätze und sozialen Zusammenhalt sorgt“. In dem offenen Brief verweist der Verband zudem darauf, dass die belgische Bierkultur von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Gleichzeitig könnte Belgien nun zu den ersten Ländern gehören, in denen Bier ausdrücklich als gesundheitsschädlich bezeichnet wird.
Die Branche will mit der Regierung über alternative Maßnahmen beraten. Die Brauereien betonen, dass sie Initiativen wie die BOB-Kampagnen gegen Alkohol am Steuer unterstützen und sich stets als „konstruktiver Partner“ verstanden hätten.
Der Einfluss der Alkohollobby steht allerdings seit Längerem in der Kritik. Im Oktober 2025 berichtete die Wirtschaftszeitung „De Tijd“ über den starken Einfluss der Branche auf die belgische Gesundheitspolitik. Demnach übe die Lobby systematisch Druck auf Minister und Kabinette aus und schaffe es, geplante Maßnahmen abzuschwächen.
Das flämische Kompetenzzentrum für Alkohol und andere Drogen (VAD) forderte die Regierung damals auf, den Gesundheitshinweis nicht länger hinauszuzögern. „Die öffentliche Gesundheit muss Vorrang vor den Gewinnmargen der Alkoholindustrie haben“, erklärte das Zentrum. (belga/rt)

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