Was macht den Menschen aus, wenn Wissen immer stärker verfügbar wird?
Wissen und Unwissenheit gehören zusammen: Wäre alles bekannt, gäbe es keine Entdeckung; ohne Wissen fehlte jeder Ausgangspunkt. Vielleicht tragen wir einen Teil der Wirklichkeit in uns, ohne zu wissen, woher.
Bewusstsein wäre Teil eines kosmischen Prozesses, in dem Materie, Leben und Erkenntnis verbunden sind. Wir wären weder Staubkörner in einem gleichgültigen Universum noch das Ende der Entwicklung, sondern Teil einer Wirklichkeit, aus der wir hervorgegangen sein könnten.
Vielleicht liegt der Sinn unserer Existenz nicht darin, alles zu wissen, sondern zu erfahren, zu erkennen und zu leben – und dabei jener Einheit näherzukommen, aus der wir möglicherweise einst hervorgegangen sind.
Vielleicht sind wir trotz unserer Individualität Teil eines größeren Zusammenhangs. Unsere Seelen könnten wie Regentropfen sein: getrennt, aber aus demselben „Wasser“ und letztlich in einen Ozean zurückkehrend. Wenn wir diesen Ozean Gott nennen, wäre Gott eine Wirklichkeit, deren Teil wir sind.
Vielleicht spüren wir eine Verbindung zum Wissen des Universums – nicht abrufbar, sondern als Verbundenheit mit etwas Größerem. Eine solche Verbindung könnte Mensch und Tier unterscheiden. Auch das Herz hat Bedeutung: Der Verstand kann analysieren, aber vielleicht nicht allein den Sinn unseres Lebens beantworten. Liebe, Mitgefühl und Empfinden könnten Zugang zur letzten Wirklichkeit eröffnen.
Wenn unser Leben Teil eines Entwicklungsprozesses ist, können auch negative Erfahrungen Erkenntnis hervorbringen. Das heißt nicht, Leid, Gewalt oder Unrecht gutzuheißen: Fehler können Menschen verändern, Schmerz Mitgefühl wecken und Scheitern neue Wege eröffnen. Unser Handeln könnte wie ein Pendel wirken: Was wir anderen zufügen, wirkt auf uns zurück.
Sätze meines Kommentars sind Auszüge aus mein Buch „Der Versuch eines präzisen Weltbildes“, bei Amazon erhältlich.
Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren