Belgier entdecken den Haustausch: Der Fremde im eigenen Bett

<p>Belgier entdecken den Haustausch: Der Fremde im eigenen Bett</p>

Wie „Le Soir“ berichtet, zählt der Marktführer HomeExchange in Belgien inzwischen 5.835 Mitglieder – mehr als viermal so viele wie im Juli 2022, als es 1.395 waren. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Plattform 131.410 Menschen über das Tauschsystem in Belgien unter, 30 Prozent mehr als 2024. Besonders gefragt waren Brüssel, Brügge und Gent.

Auch Belgier nutzen das Angebot zunehmend für Auslandsreisen. Die Zahl ihrer kostenlosen Übernachtungen im Ausland stieg über HomeExchange von 30.240 im Jahr 2021 auf mehr als 155.000 im vergangenen Jahr. Ein wichtiger Grund sind die Ersparnisse: Die Unterkunft macht nach Angaben des Unternehmens im Schnitt rund 35 Prozent des Urlaubsbudgets aus.

Gegen einen Jahresbeitrag von 175 Euro können Mitglieder ihre Wohnungen oder Häuser unbegrenzt tauschen. Möglich ist ein direkter Tausch zum selben Zeitpunkt. Alternativ erhalten Gastgeber virtuelle Punkte, die sie später für einen Aufenthalt in einer anderen Unterkunft einsetzen können. So müssen Reisezeiten und Ziele nicht unmittelbar übereinstimmen.

Grundlage des Modells ist gegenseitiges Vertrauen. Bewertungen für Kommunikation, Sauberkeit und den Umgang mit dem Eigentum sollen das Risiko begrenzen. Kritisiert wird allerdings, dass es üblicherweise keine formelle Bestandsaufnahme bei Ein- und Auszug gibt. Zudem bieten manche Eigentümer ihre Unterkunft zunächst kommerziell an und bestätigen einen Tausch erst, wenn sich kein zahlender Mieter findet.

Trotz des starken Wachstums bleibt der Haustausch nach Einschätzung von Tourismusexperten eine Nische. Sein Aufstieg deutet jedoch darauf hin, dass ein Teil der Urlauber nach Alternativen zu standardisierten Hotels und zunehmend teuren Ferienunterkünften sucht. Besonders für Familien und längere Aufenthalte kann das Modell Reiseziele erschwinglich machen, die sonst kaum finanzierbar wären. (gz)

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