Für die Studie wurde das Fahrverhalten von rund zwei Millionen Fahrzeugen erfasst. Die Messung erfolgte im Vorfeld des 25. landesweiten Kontrollmarathons, den die Polizei an diesem Samstag durchführt.
Gerade in Tempo-30-Zonen, die insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer schützen sollen, fällt die Bilanz ernüchternd aus. Im landesweiten Durchschnitt fahren die Fahrzeuge dort 41 km/h. Dabei zeigt sich ein deutlicher regionaler Unterschied: In Flandern liegt der Durchschnitt bei 37 km/h, in der Wallonie sogar bei 45 km/h.
Noch deutlicher wird das Problem beim Blick auf die Verstöße. Unter Berücksichtigung der technischen Toleranzmarge wären laut Vias 65 Prozent der Fahrer geblitzt worden, wenn an den jeweiligen Messstellen ein Radargerät gestanden hätte. Knapp sechs Prozent überschritten die erlaubte Geschwindigkeit sogar um mehr als 30 km/h.
Einen besonders drastischen Fall registrierten die Verkehrsexperten ebenfalls: In einer Tempo-30-Zone wurde ein Fahrzeug mit 119 km/h gemessen.
Auf Autobahnen hat sich die Lage verbessert
Ein anderes Bild zeigt sich auf Autobahnen sowie auf Straßen mit Tempo 70 oder 90. Dort bewegt sich die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit ungefähr auf Höhe des jeweils erlaubten Maximums.
Auf den Autobahnen hat sich die Situation gegenüber der letzten vergleichbaren Erhebung sogar deutlich verbessert. 2021 waren noch 44 Prozent der Fahrer schneller als die erlaubten 120 km/h unterwegs. 2026 trifft dies laut Vias nur noch auf 23 Prozent, also knapp jeden vierten Fahrer, zu.
Als einen Grund dafür sieht das Institut die zunehmende Zahl von Abschnittskontrollen in Flandern und der Wallonie. Auch der wachsende Anteil von Elektroautos könnte eine Rolle spielen: Deren Fahrer seien häufig gleichmäßiger unterwegs, um die Reichweite ihres Fahrzeugs zu erhöhen.
Damit sich die Entwicklung auch innerorts bemerkbar macht, sieht Vias weiteren Handlungsbedarf. In Tempo-30- und Tempo-50-Zonen empfiehlt das Institut, die Straßeninfrastruktur stärker an die vorgeschriebene Geschwindigkeit anzupassen und/oder mehr sichtbare Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. (belga/calü)

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