[Media and Me] Tradwives: Mehr als nur ein Lifestyle?

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Illustrationsfoto: picture alliance

Selbst gebackenes Sauerteigbrot, makellose Landhausküchen, Frauen in pastellfarbenen Schürzen, die liebevoll Zutaten der eigenen Farm zu aufwendigen Gerichten verarbeiten. Unter dem Hashtag #Tradwife präsentieren Influencerinnen auf Plattformen wie Instagram und TikTok ihren Alltag als Hausfrau und Mutter.

Scheinbar mühelos sorgen sie zwischen perfekt gedeckten Frühstückstischen und Kindererziehung für das Wohl ihrer arbeitenden Ehemänner. Die traditionelle Ehefrau, so die Botschaft, findet ihr Glück in den eigenen vier Wänden, deren Ästhetik unverkennbar an die 1950er Jahre erinnert.

Was zunächst wie harmlose Vintage-Romantik aussieht, transportiert jedoch weit mehr als nur den Charme vergangener Jahrzehnte. Mit dem Phänomen der Tradwives kehrt vor allem ein Rollenbild zurück, für dessen Überwindung Generationen von Frauen gekämpft haben.

Der bereits Ende der 2010er in den USA entstandene Trend sorgte insbesondere in den vergangenen Jahren auch in Europa für Aufmerksamkeit. Besonders Nara Smith ist mit ihren aufwendig inszenierten und millionenfach geklickten Kochvideos ein bekanntes Gesicht der Bewegung und erreicht auf TikTok ein internationales Publikum. Während die ästhetische Seite des traditionellen Familienmodells im Vordergrund steht, bleiben mögliche Abhängigkeiten, Belastungen und gesellschaftliche Folgen weitgehend ausgeblendet.

Natürlich spricht nichts dagegen, wenn sich Frauen bewusst für ein Leben als Hausfrau und Mutter entscheiden. Echte Gleichberechtigung bedeutet schließlich auch, den eigenen Lebensweg frei wählen zu können. Problematisch wird es dann, wenn aus einer persönlichen Entscheidung ein Ideal entsteht, das auf sozialen Medien romantisiert und vermarktet wird.

Ausgerechnet auf Plattformen, die von Reichweite, Werbung und Vermarktung leben, wird ein Lebensmodell propagiert, das die Frau vor allem in den eigenen vier Wänden verortet. Viele der bekanntesten Tradwife-Influencerinnen erzielen mit genau dieser Inszenierung lukrative Werbedeals und erhebliche Einnahmen. Die vermeintliche Rückkehr zur traditionellen Hausfrau wird so selbst zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell.

Vielleicht ist genau das die größte Ironie des Trends. Fraglich bleibt, wie sich das vermeintlich entschleunigte, traditionelle Leben mit der Reichweite sozialer Medien vereinbaren lässt.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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