[Media and Me] Warum die Tour de France Femmes längst auf Augenhöhe der Männer fährt

<p>[Media and Me] Warum die Tour de France Femmes längst auf Augenhöhe der Männer fährt</p>
Illustrationsfoto: Photo News

Und obwohl dort die besten Fahrerinnen der Welt ebenso hart um Etappensiege und das Gelbe Trikot kämpfen, erhält das Rennen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Warum eigentlich?

Oft wird die Tour de France Femmes mit der Tour de France der Männer verglichen. Und tatsächlich gibt es einige Unterschiede: Sie hat mit nur neun Etappen deutlich weniger als die Männer, zahlt mit 250.000€ spürbar weniger Preisgeld und erhält eine geringere Medienberichterstattung. Doch all diese Unterschiede sagen wenig über die sportliche Qualität der Tour aus. Durch frühere Attacken und eine offensivere Fahrweise bietet das Frauenrennen bis zum Ende hin oft sogar mehr Spannung und Dynamik.

Betrachtet man die Geschichte der beiden Sportereignisse, wird schnell klar, warum die Tour de France fast jedem ein Begriff ist, wohingegen viele von der Tour de France Femmes noch nie etwas gehört haben. Während die Frankreich-Rundfahrt der Männer bereits seit 1903 stattfindet, gibt es die Tour de France Femmes in ihrer jetzigen Form erst seit dem Jahr 2022. Zwar gab es ab 1955 immer wieder verschiedenste Radrennen für Frauen, die der Tour de France der Männer ähnelten, jedoch scheiterte der Versuch, ein dauerhaftes Etappenrennen zu etablieren. Erst durch das Sponsoring der Online-Plattform Zwift lebte die Tour de France Femmes wieder auf. Bereits nach wenigen Jahren entwickelt sich die Tour peu à peu zu einem Erfolg bei Fans, Sponsoren und Spitzenfahrerinnen.

Trotzdem steht der Frauenradsport – ähnlich wie der Frauenfußball – noch immer im Schatten seines männlichen Pendants. Während vielen Menschen die Namen Pogacar, Vingegaard oder Evenepoel geläufig sind, sagen die Namen der Top-Fahrerinnen der Tour de France Femmes nur wenigen etwas. Doch das liegt keinesfalls an der Leistung der Frauen, sondern vielmehr an der einseitigen Medienberichterstattung, historischen Traditionen und gesellschaftlichen Rollenbildern.

Dabei hat der Frauenradsport längst bewiesen, dass er mehr ist als nur ein Beiwerk zur Tour de France und problemlos für sich selbst stehen kann. Die Athletinnen trainieren auf Spitzenniveau, fahren mit kämpferischem Geist und liefern sich spektakuläre Zweikämpfe. Die Tour de France Femmes zeigt jedes Jahr aufs Neue: Ein mitreißendes, emotionales Rennen braucht weder extreme Distanzen und Höhenmeter noch ein bestimmtes Geschlecht.

Vielleicht ist deshalb genau jetzt der richtige Moment, der Tour de France Femmes eine Chance zu geben. Wer von der Tour der Männer begeistert ist, wird auch im Frauenradsport spannende Rennmomente und beeindruckende Leistungen erleben. Es geht keineswegs darum, das Männerrennen abzuwerten– sondern darum, diesem Sport und seinen Athletinnen endlich die Anerkennung und Aufmerksamkeit zu schenken, die sie längst verdienen.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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