Es ist eine besorgniserregende Tendenz: Rund die Hälfte aller Kinder zwischen elf und 17 Jahren hat bereits pornografische Inhalte konsumiert. Dies stellt eine Studie der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2025 fest. Auch das ungewollte Erhalten von erotischen Text- oder Bildnachrichten wird zunehmend zum Problem.
Stand 2025 gaben 47 Prozent der Befragten an, schon einmal pornografische Inhalte angeschaut zu haben. Dabei handelt es sich um eine Steigerung von zwölf Prozent innerhalb von zwei Jahren. Bei rund einem Drittel findet der Konsum regelmäßig statt, von einem Mal pro Monat bis zu dem mehrmaligen Schauen innerhalb einer Woche.
Die Kinder und Jugendlichen stufen die Videos dabei zunehmend weniger kritisch ein. Die Bewertung von Pornografie als „unrealistisch“, „verstörend“ oder „schockierend“ nahm in den vergangenen zwei Jahren ab. Gleichzeitig bewerten mehr Minderjährige die Inhalte als „aufregend“, „lehrreich“ oder „lustig“.
Unterschätzte Gefahr für Kinder und Jugendliche
Die Verharmlosung pornografischer Inhalte ist gefährlich, da die Videos häufig verbale und physische Gewalt enthalten. Ein 2022 veröffentlichter Bericht der britischen „Children’s Commission“ belegt, dass die Hemmschwelle für sexuelle Aggression bei regelmäßigem Pornografiekonsum abnimmt. Gewalt bei sexuellen Handlungen werde zunehmend „erwartet“. Eine fatale Entwicklung: Kinder und Jugendliche sollten eigentlich lernen, dass intime Situationen ein respektvolles Verhalten erfordern. Stattdessen sehen sie Videos, welche sexuelle Gewalt verherrlichen und ihnen ein unrealistisches Bild von Intimität vermitteln. Wer bereits in frühen Jahren damit in Berührung kommt, hat zudem später mit Beziehungsproblemen und einem unbefriedigenden Sexualleben zu kämpfen.
Zunahme ungewollter erotischer Nachrichten
Neben dem Konsum von Pornografie hat laut der Studie das sogenannte „Sexting“ zugenommen. Dabei handelt es sich um Texte, Bilder oder Videos mit erotischem Inhalt. Rund ein Drittel der Befragten gab an, bereits eine solche Nachricht erhalten zu haben. Für 83 Prozent handelte es sich dabei um einen ungewollten Kontakt. Nicht nur in Deutschland ist die Tendenz steigend: Auch die belgische Kinderrechtsorganisation Child Focus registrierte zunehmend mehr Fälle von Sexting. In beiden Fällen sind Mädchen häufiger Opfer der sexuellen Belästigung.
Gesetzlich sind klare Regeln vorgeschrieben: In Deutschland gilt Sexting unter 14 Jahren als Kinderpornografie und ist verboten, in Belgien liegt die Grenze bei 16 Jahren. Unabhängig vom Alter bedarf eine Aufnahme der expliziten Zustimmung der abgebildeten Personen. Auch eine Weiterleitung darf nur bei Einverständnis erfolgen. Die Erpressung mithilfe der Bilder ist strafbar.
Sexuelle Gewalt an Frauen nimmt zu.
Die pornografischen Inhalte werden von Jungen deutlich häufiger positiv bewertet als von Mädchen, heißt es weiter in der Studie. Gleichzeitig sind Frauen in über 85 Prozent der Fälle Opfer sexueller Straftaten. Dazu zählen unter anderem Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe sowie sexuelle Belästigung. Laut dem Deutschen Bundeskriminalamt stieg im Jahr 2024 die Anzahl an gemeldeten Straftaten. Ebenfalls sind rund die Hälfte der Opfer noch minderjährig. Gleichzeitig ist mit knapp 98 Prozent die überwiegende Mehrheit der Täter männlich. Vor diesem Hintergrund ist die positive Bewertung von Pornografie bereits durch minderjährige Jungen besonders alarmierend.
Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.
![<p>[Media and Me] Immer mehr Minderjährige schauen Pornos</p>](https://grzeng.rosselcdn.net/sites/default/files/dpistyles_v2/ena_16_9_extra_big/2026/07/28/node_144040/15204134/public/2026/07/28/B9738641323Z.1_20260728162740_000%2BGUASQHJ54.1-0.jpg?itok=tNDoWZpi1785248868)
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