[Media and Me] Zu teuer für Tradition, perfekt für Spektakel?

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Illustrationsfoto: Photo News

Egal ob Hockenheim, Imola, Zandvoort, Nürburgring oder Le Castellet. Wer in Europa noch nach Formel 1-Rennen mit langjähriger Tradition sucht, wird bis auf Monaco, Monza und Silverstone gefühlt bald nichts mehr finden. Zunehmend werden Strecken vom Kalender gestrichen. Die Austragung der Rennen ist schlichtweg zu teuer geworden. In den meisten Fällen fehlt es den Streckenbetreibern an ausreichenden finanziellen Mitteln. Die niederländische Strecke in Zandvoort ist aus Kostengründen sogar schon auf eigenen Wunsch ab 2027 nicht mehr dabei. Länder im Nahen oder Mittleren Osten, wie Bahrain, Katar oder Saudi-Arabien, dienen stattdessen vermehrt als neue Austragungsstätten. Alles Orte, die zu den reichsten der Welt zählen. Was ein Zufall.

Doch Geld ist nicht alles. Auch die belgische Traditionsstrecke in Spa muss ab nächstem Jahr weichen. Zwar verschwindet sie nicht ganz vom Kalender, aber ausgetragen werden Rennen dort ab 2027 nur noch im Jahreswechsel mit der Strecke in Barcelona. Hier geht es tatsächlich jedoch nicht rein um das Finanzielle. Die Nachfrage für neue Grands Prix sei wohl so hoch und der Platz im Rennkalender aber zu begrenzt, sodass eben Raum für neue Strecken geschaffen werden muss. Die alten und bei den Fans beliebten Strecken müssen dann halt für die weichen, die für die Formel 1 lukrativer sind. Besonders beliebt dabei scheinen Stadtkurse zu sein.

Spektakel darf aber heute in der Formel 1 auch nicht mehr fehlen. Das zeigt sich besonders in den USA. Von Rennen über den berühmten Strip im Neonlicht von Las Vegas, Polizeieskorte zum Podium in Miami und Fahrern in Cowboyhüten in Austin ist hier einiges dabei. Kunstflugstaffeln vor dem Rennstart und ein Feuerwerk bei der Zieleinfahrt gehören auch schon zum Standardprogramm. Wo vor 20 Jahren nur 18 Rennen im Jahr gefahren wurden, sind es mittlerweile 24, zuzüglich Sprint-Rennen. Das soll laut den Betreibern mehr Renn-Action für Zuschauer bieten. Eigentlich bringt es aber einfach nur mehr Einnahmen, globale Reichweite und stärkere Belastungen für Fahrer, Teams und Umwelt. Für mehr Aufmerksamkeit weltweit ist nicht zuletzt auch die Netflix-Serie „Drive to Survive“ mitverantwortlich, die den Fans einen Blick hinter die Kulissen der letzten Saison geben soll. Meist aber mit deutlich mehr aufgezwungenem Drama als nötig. Aber die Formel 1 möchte ja neue Märkte erschließen und mehr Menschen erreichen. Dann passt das schon.

Einen kleinen Lichtblick gibt es für Fans der Traditionskurse aber trotzdem. Ab nächstem Jahr sind vorerst zumindest Portugal und die Türkei wieder im Programm. Die Rennen im Nahen Osten sind aufgrund des Krieges dieses Jahr teilweise erst einmal abgesagt. Malaysia soll im Oktober den Grand Prix in Bahrain ersetzen. Wie es für die Rennen nächstes Jahr aussieht, ist noch nicht klar. Eine Lösung wird die Formel 1 aber schon finden. Schließlich geht es ja um viel Geld.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Projektes „Media and Me“. Während drei Tagen erhalten Teilnehmer ab 16 Jahren unter anderem Einblicke in die Abläufe der GrenzEcho-Redaktion und erstellen journalistische Texte zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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