Familie bleibt wichtigster Einfluss bei der Berufswahl

<p>Berufsorientierungsangebote sollen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre Talente und Interessen zu erkennen und eine fundierte Ausbildungs- oder Berufswahl zu treffen.</p>
Berufsorientierungsangebote sollen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, ihre Talente und Interessen zu erkennen und eine fundierte Ausbildungs- oder Berufswahl zu treffen. | Illustration: picture alliance/dpa

Vor diesem Hintergrund hat der PFF-Abgeordnete Frederik Wertz in einer schriftlichen Frage an Bildungsminister Jérôme Franssen (CSP) nach den Erkenntnissen der Regierung zur Wirksamkeit der bestehenden Angebote gefragt.

Wertz verweist darauf, dass junge Menschen ihre Ausbildungs- und Berufswahl möglichst nach ihren Talenten und Interessen treffen sollten – und nicht aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen oder tradierter Rollenbilder. Er wollte unter anderem wissen, wie wirksam der Rahmenplan „Berufliche Orientierung“ ist, wie die einzelnen Maßnahmen evaluiert werden, welche Auswirkungen sie auf die Studien- und Berufswahl haben und welchen Beitrag sie zum Abbau von Geschlechterklischees leisten – etwa mit Blick auf den gestiegenen Frauenanteil in der Holzabteilung des Robert-Schuman-Instituts in Eupen.

Minister Jérôme Franssen betont, dass sich der tatsächliche Einfluss der Maßnahmen zur beruflichen Orientierung auf die Berufswahl nur begrenzt nachweisen lasse. Zwar gebe es zahlreiche Evaluationen der Angebote in der DG, belastbare Studien zu einem direkten Zusammenhang mit späteren Berufsentscheidungen seien jedoch selten. Berufsentscheidungen entstünden vielmehr aus einem Zusammenspiel persönlicher, sozialer und struktureller Faktoren. Studien aus Deutschland und der Schweiz zeigten allerdings, dass Maßnahmen der Berufsorientierung Wissen, Kompetenzen und Entscheidungssicherheit der Jugendlichen stärken können. Die Instrumente der beruflichen Orientierung werden kontinuierlich überprüft. Seit der Reform der Berufsorientierung in der vergangenen Legislatur bilden der Rahmenplan für Primar- und Sekundarschulen sowie das Arbeitsamt der DG (ADG) als Referenzzentrum die Grundlage. „Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird systematisch evaluiert“, schreibt Jérôme Franssen. Zentrales Instrument ist eine externe IQES-Evaluation, die sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte erfasse. Ergänzend werde gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Sozialrat eine Befragung ostbelgischer Unternehmen vorbereitet, um deren Erfahrungen in die Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Das Arbeitsamt koordiniert zudem die Angebote, unterstützt die Schulen und organisiert Schulanimationen sowie Workshops.

Die Zufriedenheitsbefragungen fielen laut Minister Franssen positiv aus: Im Schuljahr 2024/25 lag die Zufriedenheit je nach Angebot zwischen 92 und 98 Prozent. Nach vorübergehenden Einschränkungen infolge der Arbeitsmarktreform sollen ab dem Schuljahr 2026/27 die individuellen Sprechstunden an den Sekundarschulen wieder wöchentlich stattfinden und auch die Berufsmesse „Meet your Job – Berufe hautnah“ neu aufgelegt werden. „Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Instrumente und Maßnahmen der Berufsorientierung einer kontinuierlichen und systematischen Evaluation unterliegen“, resümiert der Bildungsminister in seiner Antwort auf die Fragen. Veränderungen bei der Studien- oder Berufswahl ließen sich bislang jedoch nicht eindeutig auf den Rahmenplan zurückführen. Zwar erhebt das Arbeitsamt der DG seit 1995 mit der SAVE-Studie Daten zum Übergang von Schule und Ausbildung in den Beruf, Rückschlüsse auf den Einfluss einzelner Orientierungsmaßnahmen seien daraus jedoch nicht möglich. Ergänzend befragt das ADG seit rund 20 Jahren Abschlussklassen zu ihren Ausbildungs- und Berufsabsichten. Die Ergebnisse zeigten, dass Familie und Bekannte im Jahr 2025 mit 59 Prozent die wichtigste Orientierungshilfe bei der Berufswahl sind. Dahinter folgen Praktika (20 Prozent), soziale Medien (17 Prozent) und Informationsveranstaltungen (16 Prozent). „Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass die Kontextfaktoren (Eltern, sozioökonomischer Hintergrund usw.) einen deutlich höheren Einflussfaktor darstellen“, erklärt Jérôme Franssen. Angebote der Berufsorientierung seien zwar eine wichtige Unterstützung bei der Entscheidungsfindung, aber „nicht der ausschlaggebende Faktor“.

Den gestiegenen Mädchenanteil in den technischen Abteilungen des Robert-Schuman-Instituts führt der DG-Minister auf mehrere Faktoren zurück. Besonders wichtig seien gezielte Sensibilisierungs- und Orientierungsangebote wie die „Lichternacht der Technik“, die Erlebniswerkstatt und die „Knickknack-Technikferien“, die Mädchen frühzeitig an technische Berufe heranführen sollen. Nach Einschätzung des RSI tragen diese Maßnahmen dazu bei, traditionelle Rollenbilder aufzubrechen. Neben einem höheren Mädchenanteil in der Holzabteilung liegt der Anteil von Schülerinnen im fünften Jahr der Maschinenbautechnik inzwischen bei 30 Prozent. Ob daraus dauerhaft mehr junge Frauen technische Berufe wählen, lasse sich derzeit noch nicht beurteilen, erklärt der Minister. (sc)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment