Messis bittere Tränen: Das Ende scheint nahe

<p>Die Bilder des weinenden Lionel Messi gingen um die Welt.</p>
Die Bilder des weinenden Lionel Messi gingen um die Welt. | Foto: Tom Weller/dpa

Vor der gewaltigen hellblau-weißen Wand konnte Lionel Messi seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Argentiniens entthronter Superstar weinte nach dem verlorenen WM-Endspiel bitterlich – während die Fans ihn feierten. Es waren bewegende Szenen. Die eines Abschieds?

Messi sagte erstmal nichts. Er verließ den Ort, an dem er vor zehn Jahren seinen nicht mal zwei Monate währenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet hatte, diesmal ohne sich zu seiner Zukunft zu äußern. Argentinischen Berichten zufolge trat er auch nicht die Rückreise nach Buenos Aires im Delegationsflieger mit an- Der gefühlte Abgesang auf den 39-Jährigen begann auch so nach dem verdienten 0:1 nach Verlängerung gegen den neuen Weltmeister Spanien. „Es gibt keine Worte im Wörterbuch, die ausreichen würden, um dir für alles zu danken, was du uns gegeben hast, Kapitän“, schrieb Argentiniens Verbandschef Claudio Tapia in den sozialen Medien. „Danke für jede Freude, die du uns in die Seele geschrieben hast, für jede Träne des Stolzes und dafür, dass du unsere Flagge bis an die Spitze der Welt getragen hast.“ Messis ältester Sohn Thiago meinte bei Instagram: „Erinnere dich daran: Du hast schon dein Bestes gegeben.“

Trainer bricht Pressekonferenz unter Tränen ab.

„Er ist der beste Spieler, der je den Rasen betreten hat“, erklärte Coach Lionel Scaloni. Er habe mit Messi aber nicht über dessen Zukunft gesprochen. Kurz nach den Worten über den achtmaligen Weltfußballer brach der 48-Jährige seine Pressekonferenz unter Tränen ab. Auf seinem Weg zum vor dem Stadion geparkten Mannschaftsbus hielt Scaloni noch mehrfach an - und wischte sich immer wieder über die glasigen Augen. Im Bus zum Flughafen in der New Yorker Nacht saß Scaloni ganz vorn. „Der Abschied der 'Scaloneta' von der Weltmeisterschaft war traurig und trostlos“, schrieb „Clarín“. Auch, weil neben Messi auch andere Spieler individuell abgereist sein sollen. Den Superstar zog es demnach wie Rodrigo de Paul zuerst nach Miami, danach wolle er in seine argentinische Heimat Rosario fliegen, hieß es. Beim Triumph 2022 hatte sich der komplette Kader noch feiern lassen in den Straßen von Buenos Aires. Trotz der Final-Niederlage diesmal rief Staatspräsident Javier Milei für diese Woche einen Feiertag aus.

„Das Ende der Wunder“

Der geplatzte Titel-Traum hat die Argentinier aber schwer getroffen. Besonders Messi, der sie überhaupt erst ins Finale geführt hatte. Es war vor allem das Verdienst des Ausnahmekönners, dass die Südamerikaner ihren Triumph von Katar vor vier Jahren fast wiederholt hätten. Nur ein Sieg fehlte ihnen, nachdem sie dem vorzeitigen Aus in der K.o.-Phase mehrfach knapp entgangen waren. „Das Ende der Wunder“, kommentierte der Sender TyCSports. Das Finale zeigte aber auch, wie abhängig die Albiceleste von ihrem Topspieler ist. Es war geradezu erschreckend. Messi, der zuvor im Turnier acht Tore erzielt und vier weitere vorbereitet hatte, war gegen Spanien quasi kein Faktor - und Argentinien entsprechend chancenlos. Das Ende von Messi und womöglich auch das von Scaloni, dessen Vertrag nur noch dieses Jahr gültig ist, würde Argentinien nach den vergangenen Erfolgsjahren vor eine gewaltige Herausforderung eines Neuaufbaus stellen.

Eine weitere Zeitenwende: Yamals innige Umarmung mit Messi

Messis 207. Länderspiel war gerade beendet, da kam Spaniens Youngster Lamine Yamal auf den völlig desillusioniert auf dem Rasen sitzenden Kapitän der Argentinier zu. Messi erhob sich, es folgte eine lange Umarmung. Es wirkte, als überlasse der eine Weltstar die Bühne hiermit nun dem anderen. Vor knapp 19 Jahren war ein legendäres Foto von Messi und Yamal entstanden - der eine schon Profi, der andere noch ein Baby. Gemeinsam an einer kleinen Badewanne. Nun, nach dem Duell im WM-Finale, also neue einprägsame Bilder. War das die Zeitenwende? Ist Messis Ära im Nationaltrikot vorbei? Während die von Yamal, der jetzt schon Welt- und Europameister ist, erst richtig losgeht?

Messi trat schon mal zurück – nach Pleite im Final-Stadion

In der Tat prägte Messi die vergangenen zwei Jahrzehnte wie kein anderer Fußballer - von seinem portugiesischen Dauerrivalen Cristiano Ronaldo mal abgesehen. Der kleine Junge aus Rosario wurde zu einem der Allergrößten. Viele sagen: mit seinem WM-Triumph vor vier Jahren sogar größer als die 2020 gestorbene argentinische Fußball-Legende Diego Maradona. Die Erfolge bei der Copa América 2021 und 2024 kommen auch noch dazu, von all den Titeln auf Clubebene - vor allem in den vielen Jahren beim FC Barcelona - mal ganz zu schweigen. Messi bestritt sechs Weltmeisterschaften und erzielte für die Nationalmannschaft 125 Tore. Waren die beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko seine letzten für die Albiceleste? Während der nächsten WM 2030 würde der Ballzauberer immerhin schon 43 Jahre alt. 2016 war Messi schon einmal aus dem Nationalteam zurückgetreten. Nach der bitteren Niederlage im Elfmeterschießen im Finale der Copa América gegen Chile. In East Rutherford. Im Final-Stadion dieser WM. Damals war er nach wenigen Wochen schon wieder dabei. Diesmal könnte das anders sein. Messis Tränen sprachen Bände. Argentiniens Held war überwältigt von der Liebe einer ganzen Nation. Vor der hellblau-weißen Wand. Das Ende scheint nahe. Messi musste gar nicht reden. (dpa/sc)

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